Arbeitsverbot Wie Flüchtlinge in Deutschland um Arbeit kämpfen

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„Ich war nie religiös“

Nicht alle Flüchtlinge auf Jobsuche haben so eine abwartende, fast demütige Haltung. Besuch bei Ali Nazari. Der Iraner - anerkannter Asylant - sitzt in einem hellgrauen Anzug auf dem Sofa in seiner kleinen, einfach, aber elegant eingerichteten Wohnung in einem Ostberliner Plattenbauviertel und redet sich in Rage. „Ich bewerbe mich jeden Tag, ich weiß schon nicht mehr, was ich machen soll.“ Nazari nimmt einen Stapel mit Weiterbildungsangeboten, Firmenadressen, Uni-Broschüren und wirft ihn auf den Tisch. Die ganze Zeit bemühe er sich, doch niemand wolle ihn bisher haben.

Seine Frau hat exzellent gewürztes persisches Essen gemacht, einer seiner zwei Söhne kommt gerade von der Schule und setzt sich dazu. Nazari erzählt, wie er als Manager im Staatsauftrag im Iran an wichtigen Entscheidungen über Bauprojekte beteiligt war, dann aber ausgebootet worden ist, nachdem der Radikalfundamentalist Mahmud Ahmadinedschad Präsident wurde. „Ich war nie religiös“, sagt er. Dem Regime war er ein Dorn im Auge - seine Lage wurde immer ungemütlicher.

Länder mit der höchsten Zahl der Asylbewerber (2014)

„Plötzlich musste es ganz schnell gehen, wir mussten quasi über Nacht weg und alles zurücklassen.“ Im Iran hatten sie ein 200-Quadratmeter-Haus. In Deutschland kam die Familie für ein halbes Jahr in ein Erstaufnahmelager, dann in ein Wohnheim für Asylbewerber, wo Eltern und Kinder in zwei verschiedenen Zimmern unterkamen. Gekocht wurde in einer Gemeinschaftsküche.

Eine Wohnung hat die Familie jetzt zwar, aber Nazari brennt darauf, endlich wieder zu arbeiten. „Deutschland wartet auf Zertifikate“, stöhnt er. Zuletzt habe ihn zum Beispiel ein Arbeitgeber abgelehnt, weil er keine Bescheinigung für das Programm SAP habe. „Ich habe gesagt, ich kann mir das selbst schnell beibringen“, sagt Nazari, „aber das zählt nicht.“

Am Wichtigsten für den Zugang zum Jobmarkt ist erst einmal die deutsche Sprache. Entsprechende Kurse gibt es überall in Deutschland, aber laut Experten viel zu wenige.

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