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Aufräumen mit Marie Kondo Warum Sie Ihren Schreibtisch nicht nach KonMari aufräumen sollten

Marie Kondo: Der Schreibtisch ist kein Ort für KonMari Quelle: dpa

Die Japanerin Marie Kondo feiert auf dem Streamingdienst Netflix Erfolge damit, bei Menschen aufzuräumen. Sie wendet dabei ihre KonMari-Methode an. Die taugt aber nur begrenzt für den Arbeitsplatz.

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„Löst es Freude bei mir aus?“ - das ist die Frage, die Menschen den Gegenständen stellen sollen, wenn sie aufräumen, wie es die Japanerin Marie Kondo empfiehlt. „Does it spark joy?“, lässt sie in der Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“, die Übersetzerin fragen, wenn sie in einem Haushalt hilft, Dinge zu sortieren.

Mit der Serie, die am 1. Januar 2019 startete, erreicht Marie Kondo in Deutschland erstmals ein großes Publikum für ihre Organisationsmethode KonMari, die laut Kondo Elemente des Shintoismus enthält.

Das Prinzip beruht darauf, zum einen alle Dinge zusammenzusuchen, die zu einer Kategorie gehören. Danach geht es darum, sich zu fragen, ob der Gegenstand einem Freude bereitet. Tut er das nicht, soll er verabschiedet und anschließend entsorgt werden. Die Statuen, Gläser oder Fotos, die bleiben dürfen, sollen hingegen für immer einen festen Platz bekommen.

„Ein Grund, wieso KonMari so erfolgreich ist, ist die Auswahl der Personen(-gruppen), die in den einzelnen Folgen gezeigt werden“, sagt Diplom-Psychologin Tanja Schuhmann von der Humboldt-Universität zu Berlin. „Jeder findet hier einen Bezugspunkt: von der Familie mit Kleinkindern und 50-Stunden-Job des Mannes, dem schwulen Pärchen bis zu der trauernden Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes den Haushalt umgestalten will und auf einen Neuanfang für ihre Rente hofft.“

Die Sendung sei mehr als eine reine Aufräum-Sendung, sondern spreche auch über menschliches Verhalten, das sich gegebenfalls in der Art äußert, wie die Teilnehmer Ordnung halten oder auch nicht. „In der Serie werden diese Angewohnheiten sensibel und ohne Bewertung als Schwäche gezeigt. Hierin liegt ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg von „Tidying up with Marie Kondo“: Scheinbar lösen sich durch das Aufräumen auch die störenden psychischen Angewohnheiten und ordnen sich, zeitgleich mit der Wohnung oder dem Haus“, sagt Schuhmann.

Für Arbeitnehmer lässt sich jedoch mit Marie Kondos Methode nur bedingt Ordnung an den Arbeitsplatz bringen. KonMari ist vielleicht sinnvoll, wenn es darum geht, ob das ausgewaschene T-Shirt noch einen Funken Freude auslöst, aber eher weniger, wenn man sich fragen soll, ob der Locher, den man immer seltener nutzt, einen emotional anspricht.

Arbeitgeber versuchen seit vielen Jahrzehnten, mit der Clean Desk Policy (CDP) Standards vorzuschreiben. Das gilt vor allem für Büros, in denen mit sensiblen Daten gearbeitet wird, die nicht sichtbar auf der Schreibtischplatte liegen sollen. Aber auch Familienfotos sind in manchem Unternehmen nicht gewünscht. Wer den Platz nicht ganz so radikal sauber hinterlassen muss, sobald er nach Hause geht, kann laut Schuhmann dennoch von ein wenig Ordnung profitieren. Sie orientiere sich nur teils auch an Kriterien aus der Methode KonMari: „Was die Arbeit unterstützen kann, ist die Einführung eines Ablagesystems, in dem Kategorien wie „dringend, heute zu erledigen“, „wichtige Dokumente“, „Rückmeldung von KollegInnen ausstehend“ und ähnliches vorkommen - wie auch Marie Kondo es vorschlägt.“

Doch die Lösung von Problemen im Job solle man davon nicht erwarten, sagt Schumann: „Sicherlich kann man nicht erwarten, dass ein solches System eine stressige Arbeitssituation komplett auflösen kann - ebenso ist es unrealistisch, dass man eine zuvor bestehende allgemeine Unzufriedenheit im Job damit los wird.“

Zumal nicht wenige Menschen darauf schwüren, im Büro eine Ordnung zu pflegen, die für Außenstehende chaotisch und unübersichtlich wirke, in der die Betroffenen aber zum einen wohl fühlen und zudem genau wüssten, wo welcher Gegenstand und welches Papier liegt.

Allzu sehr sollte sich laut Schuhmann sowieso niemand mit Ordnungssystemen aufhalten. Wer mehr Zeit mit der Pflege von To-Do-Listen und allgemeiner Arbeitsorganisation verbringe als mit den Aufgaben selber, der bereite sich Schwierigkeiten, sagt Schumann: „Wenn dies zu deutlichen Einschränkungen im Alltag führt, sollte man psychologische Unterstützung heranziehen.“

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