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Aufwendig illustriert Bücher für Auge und Geist

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Abenteuer, Liebe, ein Comic und der Erste Weltkrieg

Korbinian Aigner: Äpfel und Birnen Matthes & Seitz Berlin, 98 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Kopfgeburten

Für die Vermutung, dass die wahren Abenteuerreisen im Kopf stattfinden, hat Umberto Eco den ultimativen Beweis erbracht. Sein prachtvoll gestaltetes Lese- und Bilderbuch erzählt von legendären Ländern und Städten, die kein Menschenfuß je betreten hat und deshalb umso mehr die Einbildungskraft beflügelten. Den Autor interessieren vor allem jene Orte, um die sich „Hirngespinste, Illusionen und Utopien gerankt haben, weil viele Menschen wirklich glaubten, dass sie irgendwo existierten“. Weshalb sie Landkarten entwarfen, die von fernen, wunderbaren Ländern wie der Insel Thule (Bild) erzählen, und sie mit Ungeheuern bevölkerten. Ecos so gelehrter wie unterhaltsamer Reiseführer durch das weite Land der Fantasie reicht von den sieben Weltwundern über den sagenhaften Südkontinent bis zu literarischen Stätten wie Stevensons Schatzinsel und Tolkiens Mittelerde. Letztere hat es nie wirklich gegeben, trotzdem haben sie, wie Eco sagt, einen festen Platz in unserer Vorstellungswelt – als Orte poetischer Wahrheit.

Umberto Eco:
Die Geschichte der legendären Länder und Städte
Hanser Verlage, 39,90 Euro

Umberto Eco: Die Geschichte der legendären Länder und Städte Hanser Verlage, 39,90 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Wunder der Liebe

Es ist eine einfache Geschichte, die Tschechow hier erzählt: Ein verheirateter Mann mittleren Alters lernt im Urlaub eine verheiratete junge Frau kennen, die „Dame mit dem Hündchen“, er flirtet mit ihr, sie verbringen die Nacht zusammen, nehmen Abschied voneinander, „für immer, das muss sein“ – doch der Mann merkt nach ein paar Wochen, dass er mehr erlebt hat als eine Urlaubsaffäre, und beginnt mit der jungen Frau eine Fernbeziehung, von der beide nicht wissen, wie sie ausgeht, nur, „dass es bis zum Ende noch weit, sehr weit war...“ Dass die Geschichte nach mehr als 100 Jahren ihre Poesie nicht verloren hat, verdankt sie dem speziellen Tschechow-Sound. Bernhard Schlink geht in seinem der Erzählung beigefügten Essay dem Geheimnis Tschechows auf den Grund: Die „Dame mit dem Hündchen“ erzähle auf moderne Weise vom „Wunder der Liebe“. Der Zeichner Hans Traxler hat für dieses Wunder zarte, stimmungsvolle Bilder gefunden, in denen die Angst und die Sehnsüchte der Figuren eingefangen sind – und die immer mal wieder das Hündchen zeigen, einen weißen Spitz mit rotem Halsband.

Anton Tschenow:
Die Dame mit dem Hündchen
Mit einem Essay von Bernhard Schlink
Insel Verlag, 14 Euro

Anton Tschenow: Die Dame mit dem Hündchen Mit einem Essay von Bernhard Schlink Insel Verlag, 14 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Reduzierter Riesenroman

Marcel Reich-Ranicki hat vor Jahren vorgeschlagen, Musils „Mann ohne Eigenschaften“ auf ein leserfreundliches Format zu kürzen. Der Wiener Zeichner Nicolas Mahler ist radikaler. Er macht aus dem Riesenroman einen Comic, indem er sich auf das Wesentliche konzentriert. Dazu gehört natürlich auch das Eingangskapitel mit dem Verkehrsunfall (Bild), aus dem „bemerkenswerterweise nichts hervorgeht“. Mahlers Comic-Adaption zeigt: In Musils Hauptwerk steckt auch eine Humoreske.

Mahler nach Robert Musil:
Der Mann ohne Eigenschaften
Suhrkamp Verlag, 18,99 Euro

Mahler nach Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften Suhrkamp Verlag, 18,99 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Adenauers Kriegsbrot

Ein Panorama des Ersten Weltkriegs, gewonnen aus 68 reich bebilderten Kurzkapiteln, die an "Tannenberg", "Das Wunder an der Marne", die "Hölle von Verdun" und die "Stahlgewitter der Somme-Schlacht" erinnern - kann das mehr sein als eine bloße Spotlight-Geschichte für Coffeetable-Intellektuelle? Ja, unbedingt.

Bruno Cabanes, Anne Duménil (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg Theiss Verlag, 49,95 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Denn die Autoren machen die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts doppelt alltagsanschaulich: an der Kriegs- und an der Heimatfront. Im Kapitel über den "Hunger" erfährt man zum Beispiel, dass der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer am 2. Mai 1915 ein Patent auf ein "Kriegsbrot" mit hohem Maisanteil anmeldete, dass im Deutschen Reich 750.000 Zivilisten verhungerten - und bekommt dazu Plakate, Fotos, Faksimiles präsentiert, die die Mangelwirtschaft illustrativ verlebendigen. Ein Buch wie der Katalog zu einer glänzend kuratierten Ausstellung.

Bruno Cabanes, Anne Duménil (Hrsg.):
Der Erste Weltkrieg
Theiss Verlag, 49,95 Euro

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