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Aufwendig illustriert Bücher für Auge und Geist

Mit dem Niedergang der Gutenberg-Galaxie muss nicht gleich das Buch verschwinden. Immer mehr Verlage inszenieren ihre Bücher, sie setzen auf schöne, geschmackvoll bebilderte Bände, die neben dem geistigen Genuss auch visuelles und haptisches Vergnügen bieten.

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Das schöne Buch

Ob illustrierte Schauergeschichte, Kunstbuch im Folioformat oder Klassiker-Comic - für den weihnachtlichen Gabentisch empfehlen wir Bücher, die mehr sind als Coffeetable-Schmuck für die gebildeten Stände.

Haruki Murakami: Die unheimliche Bibliothek Dumont Buchverlag, 14,99 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Schrecken mit Sauerrahm

Vom Vertrauten ins Unheimliche führt Murakamis Geschichte von dem Jungen, der nur zwei Bücher in der Bibliothek ausleihen will und in ein Kellerlabyrinth gerät, wo ein hässlicher Alter ein Schreckensregiment führt. Rettung naht in Gestalt eines stummen Mädchens, das Fisch mit Sauerrahm serviert. Die Erzählung beschreibt einen Albtraum, aber sie tut es im Ton eines Märchens, dem Kat Menschiks dunkel schimmernde Illustrationen eine surreale Dimension verleihen.

Haruki Murakami:

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    Die unheimliche Bibliothek
    Dumont Buchverlag, 14,99 Euro

    Abenteuer, Liebe, ein Comic und der Erste Weltkrieg

    Korbinian Aigner: Äpfel und Birnen Matthes & Seitz Berlin, 98 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

    Kopfgeburten

    Für die Vermutung, dass die wahren Abenteuerreisen im Kopf stattfinden, hat Umberto Eco den ultimativen Beweis erbracht. Sein prachtvoll gestaltetes Lese- und Bilderbuch erzählt von legendären Ländern und Städten, die kein Menschenfuß je betreten hat und deshalb umso mehr die Einbildungskraft beflügelten. Den Autor interessieren vor allem jene Orte, um die sich „Hirngespinste, Illusionen und Utopien gerankt haben, weil viele Menschen wirklich glaubten, dass sie irgendwo existierten“. Weshalb sie Landkarten entwarfen, die von fernen, wunderbaren Ländern wie der Insel Thule (Bild) erzählen, und sie mit Ungeheuern bevölkerten. Ecos so gelehrter wie unterhaltsamer Reiseführer durch das weite Land der Fantasie reicht von den sieben Weltwundern über den sagenhaften Südkontinent bis zu literarischen Stätten wie Stevensons Schatzinsel und Tolkiens Mittelerde. Letztere hat es nie wirklich gegeben, trotzdem haben sie, wie Eco sagt, einen festen Platz in unserer Vorstellungswelt – als Orte poetischer Wahrheit.

    Umberto Eco:
    Die Geschichte der legendären Länder und Städte
    Hanser Verlage, 39,90 Euro

    Umberto Eco: Die Geschichte der legendären Länder und Städte Hanser Verlage, 39,90 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

    Wunder der Liebe

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      Es ist eine einfache Geschichte, die Tschechow hier erzählt: Ein verheirateter Mann mittleren Alters lernt im Urlaub eine verheiratete junge Frau kennen, die „Dame mit dem Hündchen“, er flirtet mit ihr, sie verbringen die Nacht zusammen, nehmen Abschied voneinander, „für immer, das muss sein“ – doch der Mann merkt nach ein paar Wochen, dass er mehr erlebt hat als eine Urlaubsaffäre, und beginnt mit der jungen Frau eine Fernbeziehung, von der beide nicht wissen, wie sie ausgeht, nur, „dass es bis zum Ende noch weit, sehr weit war...“ Dass die Geschichte nach mehr als 100 Jahren ihre Poesie nicht verloren hat, verdankt sie dem speziellen Tschechow-Sound. Bernhard Schlink geht in seinem der Erzählung beigefügten Essay dem Geheimnis Tschechows auf den Grund: Die „Dame mit dem Hündchen“ erzähle auf moderne Weise vom „Wunder der Liebe“. Der Zeichner Hans Traxler hat für dieses Wunder zarte, stimmungsvolle Bilder gefunden, in denen die Angst und die Sehnsüchte der Figuren eingefangen sind – und die immer mal wieder das Hündchen zeigen, einen weißen Spitz mit rotem Halsband.

      Anton Tschenow:
      Die Dame mit dem Hündchen
      Mit einem Essay von Bernhard Schlink
      Insel Verlag, 14 Euro

      Anton Tschenow: Die Dame mit dem Hündchen Mit einem Essay von Bernhard Schlink Insel Verlag, 14 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

      Reduzierter Riesenroman

      Marcel Reich-Ranicki hat vor Jahren vorgeschlagen, Musils „Mann ohne Eigenschaften“ auf ein leserfreundliches Format zu kürzen. Der Wiener Zeichner Nicolas Mahler ist radikaler. Er macht aus dem Riesenroman einen Comic, indem er sich auf das Wesentliche konzentriert. Dazu gehört natürlich auch das Eingangskapitel mit dem Verkehrsunfall (Bild), aus dem „bemerkenswerterweise nichts hervorgeht“. Mahlers Comic-Adaption zeigt: In Musils Hauptwerk steckt auch eine Humoreske.

      Mahler nach Robert Musil:
      Der Mann ohne Eigenschaften
      Suhrkamp Verlag, 18,99 Euro

      Mahler nach Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften Suhrkamp Verlag, 18,99 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

      Adenauers Kriegsbrot

      Ein Panorama des Ersten Weltkriegs, gewonnen aus 68 reich bebilderten Kurzkapiteln, die an "Tannenberg", "Das Wunder an der Marne", die "Hölle von Verdun" und die "Stahlgewitter der Somme-Schlacht" erinnern - kann das mehr sein als eine bloße Spotlight-Geschichte für Coffeetable-Intellektuelle? Ja, unbedingt.

      Bruno Cabanes, Anne Duménil (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg Theiss Verlag, 49,95 Euro Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

      Denn die Autoren machen die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts doppelt alltagsanschaulich: an der Kriegs- und an der Heimatfront. Im Kapitel über den "Hunger" erfährt man zum Beispiel, dass der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer am 2. Mai 1915 ein Patent auf ein "Kriegsbrot" mit hohem Maisanteil anmeldete, dass im Deutschen Reich 750.000 Zivilisten verhungerten - und bekommt dazu Plakate, Fotos, Faksimiles präsentiert, die die Mangelwirtschaft illustrativ verlebendigen. Ein Buch wie der Katalog zu einer glänzend kuratierten Ausstellung.

      Bruno Cabanes, Anne Duménil (Hrsg.):
      Der Erste Weltkrieg
      Theiss Verlag, 49,95 Euro

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