Ausschlafen Wie ich lernte, das frühe Aufstehen zu lieben

Die Belohnung für frühes Aufstehen lauert an jedem Tag am Himmel. Quelle: Thorsten Firlus für WirtschaftsWoche

Lange Ausschlafen gilt als die Krönung des Urlaubs. Wecker sind verhasst, jeder will sich gerne noch mal umdrehen. Doch jeder kann lernen, frühes Aufstehen zu lieben.

Am Ende seines Berufslebens sagte mein Vater, dass er eines an seinem geliebten Beruf immer gehasst habe: Das frühe Aufstehen. Wer könnte das nicht nachvollziehen? Studierte Journalisten allemal – erst die Phase der Vorlesungen am Vormittag, später die Arbeit in Redaktionen, die traditionell spät beginnen. Aufstehen, wenn man wach wird – das hat gereicht. Die Zeiten waren irgendwann vorbei und ich musste – wie so viele Arbeitnehmer – früher raus als ich das wollte.

Heutzutage klingelt der Wecker um 5:00 und ich finde das gut. Und das können auch Sie. Folgende Wege helfen, dass der Wecker vom Störenfried zum Erweckungsgehilfen mutiert.

Diskutieren Sie nicht

Störrischer, renitenter als jeder Dreijährige, der sich weigert, die rote statt der blauen Jacke anzuziehen, diskutiert nur ein einziger Mensch auf der Welt mit Ihnen – Sie selbst. Sobald Sie beginnen, mit sich zu diskutieren, ob Sie nun aufstehen oder liegenbleiben, haben Sie bereits verloren. Die vermeintliche Müdigkeit wird jede Argumentation beiseite wischen. Sie wird zuverlässig siegen, denn wir sind nicht nur müde, sondern auch schwach. Was das zweite Glas am Abend ist, ist das dritte Mal umdrehen am Morgen. Wer Snooze drückt, wird nicht gewinnen. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, früh aufzustehen: Es sofort tun. Egal, wie müde und verwelkt man sich fühlt.

So übermüdet ist die Gesellschaft
Wenn ein Mensch in einem Monat an mindestens drei Nächten in der Woche kaum einschlafen oder durchschlafen kann, braucht er nach Ansicht von Schlafforschern Hilfe. Quelle: Fotolia
Für Forscher geben bei jedem Menschen die Gene vor, wie viel Zeit er im Bett verbringt. Quelle: Fotolia
In Deutschland beginnt sie meist zwischen 7 und 8 Uhr. Das ist deutlich früher als in vielen Nachbarländern. Quelle: dpa
„Das heißt, jedes Jahr gehen der deutschen Wirtschaft 60 Milliarden Euro durch die Übermüdung ihrer Mitarbeiter verloren.“ Quelle: imago
Zu wenig Schlaf ist Gift hinterm Steuer. Das relative Risiko, einen Unfall zu bauen, potenziere sich allein schon beim Fahren zwischen zwei und fünf Uhr nachts um das Fünffache. Quelle: dpa
Die Apnoe ist die bekannteste Schlafstörung und oft mit heftigem Schnarchen verbunden. Patienten kommen durch mehr als 15 Atemaussetzer pro Stunde nachts nicht in den nötigen Tiefschlaf hinein. Quelle: Fotolia
Rund 80 verschiedene Schlafstörungen sind bekannt. Quelle: Fotolia
Bis zu 1,9 Millionen Menschen in Deutschland nehmen nach Angaben der Fachgesellschaft regelmäßig Schlafmittel ein. Quelle: imago
Frauen schlafen länger als Männer. Allerdings gelten sie durch hormonelle Schwankungen, Schwangerschaften und Menopause im Lauf ihres Lebens als anfälliger für Schlafstörungen. Quelle: Fotolia

Erinnern Sie sich, wofür sie das tun

Sie sind Privatier, ihre Hobbies beginnen nicht vor 11:00 Uhr und auch sonst gibt es keinen guten Grund, aufzustehen? Bleiben Sie liegen. Sie müssen früh bei der Arbeit sein, würden gerne noch ein wenig bei einem Kaffee daheim die Sinne sammeln, vielleicht noch etwas tun, bevor Büro oder Stahlpresse auf Sie warten – da ist der Grund. Sie stehen nicht für den frühen Arbeitsbeginn früh auf, sondern um entspannt dort anzukommen und sich nicht gehetzt zu fühlen. Was auch immer Sie meinen, wie sehr die letzten 15 Minuten an R.E.M.-Schlaf Ihnen noch helfen würden, die Müdigkeit auszutreiben – sie sind sinnvoller investiert in mehr Ruhe am Morgen ohne verschütteten To-Go-Kaffee am Bahnsteig.

Schlafen Sie genug

Klingt banal, oder? Captain Obvious, nicht wahr? Ignoriert dann aber doch ein Gutteil der Menschen. Die Abendstunden sind die vermeintlichen, die Ihnen gehören, die sie für sich nutzen – um dann doch nur bei Netflix eine Serie zu sehen oder gar die Talkshow nach 22:00 Uhr, über die Sie sich dann doch nur aufregen, die Ihnen aber nichts gebracht hat. Verlegen Sie die Ich-Zeit, die Ihnen allein gehört in den Morgen. Da stört keiner, da sind sie fit – und nach gut sieben bis acht Stunden Schlaf auch ausgeruht, um etwas zu erledigen. Wer um 22:00 das Licht ausmacht, kann um 5:00 auf gute sieben Stunden Schlaf zurückschauen. Waren die erholsam, ist das für die meisten Menschen genug. Machen Sie Sport wie ich, sind Sie vielleicht auch um 21:00 schon bettreif. Warum nicht?

Stehen Sie auf, wenn sie wach sind

4:30 Uhr und der Wecker klingelt erst in einer halben Stunde. Jetzt Ruhe bewahren und keine Fehler machen. Aufstehen. Den Wecker ausstellen. Auch wenn Sie noch gar nicht aufstehen müssten. Besser wird es nicht. Sie sind wach. Ihr Körper teilt Ihnen gerade etwas mit: Er ist bereit. Logisch – es geht nicht darum, wenn man nachts ungewollt wach wird, gegen halb drei sofort den Tag zu beginnen. Einen kleinen Schlafzyklus schafft man da noch. Aber wenn die Vögel zwitschern, die Sonne langsam aufgeht und Sie das entspannt mitbekommen: Nutzen Sie die Gunst der Stunde: Stehen Sie auf und genießen die gewonnene Zeit bei einem Kaffee oder Tee.

Erleben Sie etwas

Ich stehe ja nicht wirklich freiwillig so früh auf, so wenig wie die Hundebesitzer, die mir morgens um 6:00 Uhr begegnen. Die müssen mit dem Hund raus, ich darf zum Laufen raus. Und das ist die Zeit, da gehört die Welt Ihnen: Die Luft ist frisch, der Wald leer, die Straßen auch – wenn alles schläft, entfaltet jeder Weg einen ganz anderen Zauber. Die Morgenstund hat nicht nur für Schaffe-Schaffe-Schwaben Gold im Mund, sondern Nebel über dem Fluss, Feuchtigkeit auf den Blättern für alle, die sich bis ins Grün bewegen können. Diese Atmosphäre ist besonders, ob morgens im Stadtwald oder am Strand im Urlaubsort – alert sein, bevor alles erwacht – da finden Sie Ruhe. Kratzen Sie lustige Gesichter in die gefrorenen Autoscheiben, atmen Sie durch, bevor die Familie erwacht. Und verlieben sich so wie ich ins frühe Aufstehen.

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