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Benefits Die Extras von der Firma werden zur neuen Währung

Benefits: Zusatzleistungen sind das neue Gehalt Quelle: Getty Images

Zusatzleistungen von Unternehmen taugten vor einigen Jahren zum Aushängeschild. Inzwischen erwarten viele Bewerber sie. Sie lieben ein breites Angebot an Benefits – und würden dafür sogar auf Gehalt verzichten.

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Das Schöne an den kleinen Extras im Job ist, dass es sie eigentlich „oben drauf“ gibt, zusätzlich zum Gehalt. Für Unternehmen sind die Zusatzleistungen, Benefits genannt, deshalb längst zu einer wichtigen Währung geworden, wenn es ums Anwerben von Fachkräften geht. Die gehen im Zweifel eher dorthin, wo sie eine Betriebs-Kita, Obst am Morgen oder einen Sportraum finden. Wenn der Arbeitsweg durch ein subventioniertes ÖPNV-Ticket oder mit einem geleasten Dienstrad erreicht werden kann: umso besser.

Längst führen insbesondere große Unternehmen lange Kataloge von Zusatzleistungen. Mitunter gibt es sogar einen Wäsche- und Einkaufsservice – mit dem unverhohlenen Hintergedanken, dass Mitarbeiter damit Zeit sparen, die sie gerne in die Arbeit reinvestieren.

Nun entwickelt das Bieten und Feilschen um Benefits langsam eine neue Dynamik: Auswertungen der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu und des Personaldienstleisters Kienbaum zeigen, dass Bewerber bestimmte Zusatzleistungen längst als Selbstverständlichkeit erwarten. Und: Sie würden für die passenden nicht-monetären Extras sogar auf Gehalt verzichten.

Wie passt das zusammen: Einerseits Selbstverständlichkeit, andererseits sogar bei Gehaltsverzicht gerne angenommen?

So sehen es Angestellte

Kununu hat über 55.000 Sucheingaben zum Thema Benefits ausgewertet. Mehr als 51 Prozent der Nutzer gaben „flexible Arbeitszeiten“ ein, jeder Dritte auch „Homeoffice“. Knapp 27 Prozent der Nutzer suchten nach Firmen, in denen Hunde geduldet sind.

Mit flexiblen Arbeitszeiten – vor wenigen Jahren noch als Aushängeschild tauglich – kann mittlerweile kein Arbeitgeber mehr auf einen Vorteil bei Bewerbern hoffen. Es ist nur umgekehrt ein Nachteil, wenn es sie nicht gibt. Eine zusätzliche Auswertung von 11.000 Nutzerbewertungen zeigt es noch deutlicher: Mehr als 75 Prozent erwarten flexible Arbeitszeiten von ihrem Arbeitgeber, knapp 53 Prozent die Möglichkeit von Homeoffice.

Die beliebtesten Benefits

Beliebt ist auch die betriebliche Altersvorsorge (58 Prozent), gefolgt von 36,5 Prozent Bewerbern, die ein Firmenhandy für eine Selbstverständlichkeit halten. Je rund ein Drittel erwarten Parkplatz, Coachings, Gesundheitsmaßnahmen und Mitarbeiterevents von ihrer Firma. Für 27,5 Prozent spielt eine gute Verkehrsanbindung eine wichtige Rolle.

Nicht als selbstverständlich gelten der Firmenwagen (knapp 32 Prozent) und Mitarbeiterbeteiligung (knapp 20 Prozent).

Wo es sie gibt, werden diese Extras als äußerst attraktiv bewertet. Hier wäre demnach noch etwas zu holen für Unternehmen – allerdings gehören gerade Firmenwagen zu den teuersten Benefits und sind mehrheitlich Führungskräften und Außendienstlern vorbehalten. Auch Firmen-Tablets gehen zumeist nur an Führungskräfte.

Interessant ist, was bei Mitarbeitern eher nicht verfängt, obwohl auch diese Angebote in manchen Firmen existieren. So mag das Angebot von Homeoffice im Ausland attraktiv klingen, realistisch ist es aber für die meisten Angestellten nicht. So halten nur 2,9 Prozent der Nutzer diese Option für interessant. Auch ein Ruhe- oder Schlafraum, nach dem so mancher nach der Mittagspause scherzhaft stöhnt, ist nur für 2 Prozent interessant.

Unternehmen wissen um die Begehrtheit der Benefits

So sehen es Unternehmen

Kienbaum hat die andere Seite beleuchtet: Welche Benefits schätzen Unternehmen als sinnvoll und attraktiv ein, war die Leitfrage einer Umfrage unter 32 unterschiedlich großen Unternehmen im vergangenen Jahr.

Grundsätzlich erwarteten 91 Prozent, dass die Bedeutung von Benefits in ihrer jeweiligen Branche in Zukunft zunehmen werde. In den Ergebnissen zeigen sich Überschneidungen mit den arbeitnehmerseitigen Ergebnissen von Kununu – aber auch Abweichungen. So ist der hundefreundliche Arbeitsplatz aus Unternehmenssicht ein eher unwichtiges Extra.

Als Must-Have stufen 90 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit zum Homeoffice ein, 84 Prozent die betriebliche Altersvorsorge. Letztere liegt bei Kununu weiter hinter dem Homeoffice und ist zudem vor allem für die Arbeitnehmer ab 40 Jahren ein Thema. Ebenfalls 84 Prozent der Unternehmen sehen den Betriebsarzt als unverzichtbares Benefit für die Mitarbeiter und 69 Prozent barrierefreies Arbeiten. Dieser Punkt spielt bei Arbeitnehmerseite keine Rolle, weil Barrierefreiheit entweder nicht gebraucht oder als selbstverständlich angesehen wird.

Firmenwagen halten die meisten Unternehmen für Must-Haves für Führungskräfte – 94 Prozent stellen dafür auch die nötigen Parkplätze bereit. 50 Prozent gewähren Firmentickets für den öffentlichen Nahverkehr. Die höchste Planungsrate hat derzeit das Firmenfahrrad: 25 Prozent der befragten Unternehmen haben sie bereits ein Programm und 31 Prozent planen, es bald zu haben.

Unternehmen haben mehrheitlich verstanden, dass sie Mitarbeitern mit Kindern mehr Angebote machen sollten. Neben Homeoffice bieten 53 Prozent eine flexible Unterstützung bei der Kinderbetreuung beziehungsweise Kita (38 Prozent).

Vom Extra zum Gehaltsbestandteil?

Klar ist den Unternehmen auch, dass sie ihre Attraktivität vor allem über das geeignete Paket an Benefits steigern können. Für 88 Prozent ist das ein Motiv, die Leistungen anzubieten. Laut Kununu ist es für 64 Prozent der Bewerber wichtig, dass sie aus einem breiten Angebot wählen können, was für sie passt. Für 72 Prozent der Unternehmen dient das Anbieten von Benefits dazu, das Vergütungspaket zu ergänzen.

Was damit gemeint sein kann, zeigt sich an einer anderen Tatsache: Gefragt danach, ob Bewerber wohl zugunsten attraktiver Benefits auf Gehalt verzichten würden, antworten zwei Drittel der befragten Unternehmen mit „Ja“. Sie schätzen dabei, dass Mitarbeiter auf durchschnittlich 10,16 Prozent ihres Jahresgehalts verzichten würden.

Aufseiten der Bewerber ist die Stimmung in dieser Richtung sogar positiv. Kununu fragte die Umfrageteilnehmer ebenfalls nach ihrer Verzichtsbereitschaft – und siehe da, die waren sogar bereit, auf durchschnittlich 11,3 Prozent Gehalt zu verzichten, wenn sie dafür ihre Top-6-Benefits bekämen. Besonders verzichtsbereit waren die jungen Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 29 Jahren mit 13,4 Prozent.

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