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Beraterbranche unter Druck Die vier großen Herausforderungen der Digitalisierung

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Erfahrung ist und bleibt gefragt

Problem 3: Die Start-up-Konkurrenten werden mehr

Die alte Art des Arbeitens – der Partner zieht den Auftrag an Land und die Arbeit übernehmen die jungen Kollegen – war einer der Gründe, warum Tina Deutsch und Nikolaus Schmidt ihre Karriere bei Deloitte an den Nagel hängten und ein Start-up gründeten. „Bei den traditionellen Beratungen läuft es oft so ab: Der Partner macht den Deal mit dem Kunden und ein Beraterteam mit wenig Praxiserfahrung übernimmt die Projektarbeit und erstellt schöne Folien“, sagt Deutsch. Auch auf die hohe Arbeitsbelastung hatten sie irgendwann keine Lust mehr.

„Karriere in Beratungen funktioniert nur über den traditionellen Weg: 80-Stunden-Woche, viel Reisen, aufsteigen, Partner werden“, sagt Deutsch. Bevor sie und Schmidt 2014 Klaiton gründeten, sei sie eine Stufe unterhalb des heißbegehrten Status „Partner“ gewesen – habe ihr Privatleben aber nicht noch mehr beschneiden wollen. Teilzeit sei damals in der Branche undenkbar gewesen.

Auch Jan Schächtele und Christoph Hardt hatten nach sieben Jahren bei McKinsey die Nase voll von 80-Stunden-Wochen. Sie gründeten Ende 2014 Comatch, ein Start-up, das selbstständige Unternehmensberater und Firmen zusammenbringt. Die meisten Berater, die dort ihre Dienste anbieten, waren vorher bei großen Häusern wie McKinsey, Boston Consulting Group, Accenture oder Capgemini beschäftigt.

Ihr Unternehmen, erklären Deutsch und Schmidt, funktioniere wie Parship – allerdings anonymisiert. Unternehmen schreiben ein Projekt aus, auf das Berater sich bewerben können. So funktioniert auch Comatch. „Wir ermöglichen kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Top-Beratern zu fairen Preisen“, sagt Hardt. Einziger Unterschied: Bei Klaiton berät ein Team den Auftraggeber, bevor der sein Projekt auf der Plattform einstellt. „Wir beraten den Kunden, bevor es zur Vermittlung kommt, denn nicht jeder weiß genau, welche Unterstützung er braucht – und manche brauchen überhaupt keinen Berater“, sagt Deutsch.

Neue Konkurrenz aus dem Internet – das kennen auch die Kunden der etablierten Beratungen gut. BDU-Chef Strehlau betrachtet die Entwicklung aus zwei Blickwinkeln: „Plattformen wie Comatch sind auf der einen Seite eine phantastische Chance, um flexibel an Freelancer heranzukommen. Für Unternehmen ist das super.“

Er sehe jedoch auch die Gefahr, dass gerade junge Kollegen, die nicht aus großen Häusern wie McKinsey oder Roland Berger kommen, ihre Dienstleistung unter Wert verkauften. Bei Comatch beispielsweise bieten die Berater für durchschnittlich 800 bis 1500 Euro pro Tag ihre Dienste an. „Das mag viel klingen, aber wenn man überlegt, dass die Kollegen oft keine volle Auslastung haben, sondern vielleicht nur an 100 Tagen arbeiten und Sozialabgaben, Rente, Versicherung, Steuern und Akquisitionskosten noch dazu kommen, ist das gar nicht mehr so viel – vor allem ist es deutlich weniger, als ein angestellter Berater verdient“, erläutert Strehlau.

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