Berühmte letzte Worte

Was Guido Westerwelle von Marina Abramovic lernen kann

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Mache nicht Deine Arbeit, sondern arbeite an Dir

"Sie kann für lange Zeit still sitzen, fast nichts tun oder irgendetwas lange tun. Die meisten Menschen können das nicht." - (00:22:00)
Konnten Sie das schon früher nicht? Gerade als Manager? Haben Sie sich da nutzlos gefühlt? Fanden Sie Langeweile unerträglich?
"Ich könnte mir vorstellen, dass es unerträglich ist. ... Das wird sie umbringen, dachte ich." - (00:20:00)
Natürlich ist es unerträglich - aber es bringt uns nicht um! Und Langeweile ist ein Segen. Nur in der Langeweile haben wir den Kopf frei, um Neues zu kreieren.
"Sie macht dieses Stück ihres Lebens zu einem Wert." - (01:11:00)
Folgen Sie Marina, was könnten Sie selbst aus der Beschäftigung mit der Krankheit ziehen? Bekommt Ihr Leben nicht plötzlich einen neuen Sinn?

Was an den Krebs-Mythen dran ist
Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen hat sich laut eines Expertenberichts seit 1970 fast verdoppelt Quelle: dpa
Krebs ist ansteckendDieses Vorurteil hält sich standhaft. Dabei ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, dass Krebs weder über den normalen Umgang mit Patienten noch über die Pflege, nicht einmal über Sex, übertragen werden kann. Denn Patienten scheiden die Krebszellen nicht aus. Kommt ein Mensch versehentlich mit Tumorgewebe direkt in Berührung, erkennt das Immunsystem die fremden Körperzellen und eliminiert sie. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass dieser Schutzmechanismus sogar funktioniert, wenn man eine Bluttransfusion mit dem Blut eines Krebskranken verabreicht bekommt. Quelle: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Quelle: dpa/dpaweb
Abtreibung löst Brustkrebs ausDieses Gerücht ist eine echte Belastung für alle Frauen, die sich im Laufe ihres Lebens einmal gegen ein Kind entscheiden mussten. Ausgangspunkt ist eine Studie aus den USA, die weltweit in den Medien zitiert wurde. Diese legte nahe, dass Abtreibungen das Risiko für ein Mammakarzinom erhöhe. Kritiker bemängelten, dass mit der Studie keine Krebshäufung unter betroffenen Frauen nachgewiesen werden konnte. Auch ließe sich gar nicht ablesen, dass Abtreibung und Brustkrebs ursächlich etwas miteinander zu tun hätten. Mittlerweile wurden fundierte Studien durchgeführt, die zeigen, dass Schwangerschaftsabbrüche und auch ungewollte Fehlgeburten als Risiko für Brustkrebs relativ sicher ausgeschlossen werden können. Quelle: dpa
Zu enge BHs verursachen BrustkrebsAuch diesen Mythos schürte ein Buch aus den USA. Darin hieß es, dass das Abklemmen der Lymphbahnen dazu führe, dass der Stoffwechsel nicht gut funktioniere und Schadstoffe nicht abwandern könnten. Ein Beweis oder eine wissenschaftliche Quelle für diese Behauptung konnten die Autoren jedoch nicht liefern. Inzwischen ist klar: Das Tragen von Büstenhaltern beeinflusst das Brustkrebsrisiko nicht, egal ob zu eng oder gut passend, mit Bügel oder ohne. Quelle: dpa
Viele Lebensmittel sind für Krebspatienten giftigSo viele Ratschläge Freunde und Bekannte auch auf den Lippen haben, eine sogenannte "Krebsdiät" gibt es nicht. Häufig wird vor Kartoffeln, Tomaten oder Schweinefleisch gewarnt, die angeblich giftig für Krebspatienten seien. Tatsächlich enthalten die Nachtschattengewächse Kartoffeln und Tomaten in ihren grünen Pflanzenteilen das schwach giftige Solanin. Krebs fördert dieser Stoff jedoch nicht. Das Gerücht, Schweinefleisch sei schädlich, scheint eher einen weltanschaulichen oder religiösen Hintergrund zu haben. Wissenschaftliche Belege, dass das Fleisch ungesund ist, gibt es jedenfalls nicht. Quelle: dpa
Krebsrisiko steigt nach einer SterilisationFührt eine Durchtrennung der Eileiter oder Samenstränge zur Empfängnisverhütung zu Krebs? Hierauf ist die Antwort nicht so eindeutig zu geben. Bei Frauen konnte die Vermutung, eine Unterbindung der Eileiter führe zu Eierstockkrebs, bislang nicht durch Studien belegt werden. Bei Männern sieht die Sache etwas anders aus: Jahrelang galt eine Vasektomie als ungefährlich. Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, scheint tatsächlich nicht anzusteigen. Bei Prostatakrebs hingegen sehen die Wissenschaftler noch offene Fragen. Eine US-Studie die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde und 50.000 Männer über einen Zeitraum von 24 Jahren beobachtete, wies auf einen leichten Anstieg aggressiver Prostatakarzinome nach einer Vasektomie hin. Der Mechanismus dahinter ist aber noch unklar. Quelle: dpa
Übergewicht macht krebskrankEs gibt Studien, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob es einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Körpergewicht und Brustkrebs gibt. Und tatsächlich müssen Frauen, die nach den Wechseljahren deutlich übergewichtig sind, mit einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit leben. Für jüngere Frauen wurde dieser Zusammenhang bisher nicht bestätigt. Laut dem Krebsinformationsdienst laufen hierzu aktuell noch weitere Studien. Quelle: dpa
Verletzungen können Zellveränderungen auslösenBisher gibt es keinen Beleg dafür, dass Traumata des Gewebes wie Stöße, Schläge, Blutergüsse oder Quetschungen Krebs fördern. Ausgenommen sind Menschen, die lange Jahre unter einem Lymphödem leiden - einer chronischen Gewebeschwellung durch Flüssigkeitseinlagerung. Dadurch steigt das Risiko einer Form von Weichteiltumoren. Diese Tumore sind jedoch sehr selten. Quelle: dpa/dpaweb
Zucker füttert den Krebs"Verzichte bloß auf Zucker!" Diesen Ratschlag hören krebskranke Menschen oft. Denn Zucker ist der Energielieferant schlechthin für unsere Zellen. Die Beobachtung des Energiestoffwechsels von Tumorzellen und ob sich dieser von gesunden Zellen unterscheidet, ist eine wichtige Frage der Krebsforschung. Bislang gibt es keine Studienergebnisse, die diese Theorie klar be- oder widerlegen könnten. Für eine zuckerfreie Ernährung von Krebspatienten fehlt daher die wissenschaftliche Grundlage. Krebsforscher warnen im Gegenteil vor allzu strengen Diäten, um den Körper und den Appetit, der ohnehin unter der Krankheit und der Therapie leidet, nicht zu überfordern. Quelle: dpa
HPV-Impfung kann Krebs auslösenDie Befürchtung tauchte bereits vor acht Jahren auf. Damals wurde ein Impfstoff gegen sogenannten humanen Papillomviren (HPV) auf den Markt gebracht. Diese Erreger sind an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt und an weiteren Tumoren im Intimbereich bei Frauen und Männern. Seit einiger Zeit weiß man, dass sie auch bei Krebs im Mund-Rachen-Raum eine Rolle spielen.  In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen. Experten gehen davon aus, dass nicht nur Mädchen, sondern auch erwachsene Frauen, Jungen und Männer von einer Impfung profitieren: Sie kann vor vielen, wenn auch nicht allen virusbedingten Zellveränderungen bewahren, die langfristig zu Krebs führen. Das Impfen selbst kann keine HPV-Infektion hervorrufen. Voraussetzung für eine Ansteckung wäre, dass der Impfstoff Erbmaterial der Papillomviren enthielte. Dies ist aber nicht der Fall. Quelle: dapd
Wer fünf Jahre krebsfrei ist, ist geheilt Quelle: dpa


Über die Zeit und die Unentrinnbarkeit:
"Stell Dir die Zeit als ein großes unbewegliches Objekt vor, in dem Du gefangen bist." - (01:11:05)
Nehmen Sie sich die Zeit und stellen Sie alles infrage. Sie haben die Zeit. Ihr komplettes Leben, Denken, Handeln.
Denken Sie darüber nach, Ihr Leben zum besseren zu ändern, auch wenn es erstmal schmerzt.

Über die Umarmung des Schmerzes:
"Es gibt den Schmerz, aber der Schmerz ist wie ein Geheimnis.
Im Moment des Schmerzes kommst Du in einen anderen Bewusstseinszustand. Das Gefühl von Schönheit und bedingungsloser Liebe. Die Grenzen zwischen Dir und Deiner Umgebung lösen sich auf. Du hast dieses unglaubliche Gefühl von Leichtigkeit und Harmonie. Du fühlst Dich irgendwie heilig*. Ich kann es nicht erklären." - (01:15:26)
(* Ich verstehe nicht 'heilig', sondern 'als Ganzes'.)
Der Schmerz vergeht, aber die Leichtigkeit bleibt. So unglaublich sich das anhört.


Über die Konzentration auf das Wesentliche:
"The Artist ist present ist ein unglaublich mutiges Stück. Weil es scheitern kann." - (00:56:50)
Natürlich kann auch Ihre Therapie scheitern. Die Ärzte aber fühlen, dass Sie eher überleben, wenn Sie sich auf die Therapie konzentrieren, auch wenn es so furchtbar schwer fällt.
"Ich bin völlig konzentriert auf die Arbeit in den nächsten Monaten. Es sieht so einfach aus: Ich sitze auf einem Stuhl im Atrium. Aber so ist es nicht. Es ist sehr schwierig, weil man ein Fels sein muss.
Ich möchte eine Art von Ruhe inmitten der Hölle kreieren. Dafür muss ich in der richtigen geistigen Verfassung sein und mich mit allem einschränken." - (00:55:20)
Die Krebsstation kann die Hölle sein. Wenn Sie hier nicht einerseits abschalten und andererseits vollkommen fokussiert sein können, haben Sie verloren.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

"Ein Monat, ein Jahr, eine Woche ... Kümmere Dich nicht um die Details. Konzentriere Dich auf das große Ganze." - (01:21:44)
Das wichtigste Learning von der Krebsstation ist, gerade für Manager, Politiker und alle anderen, die sich im Job unersetzlich fühlen: Mache nicht Deine Arbeit, sondern arbeite an Dir.
Damit beginnt alles.

Folgen Sie krebsuzette auf Twitter: @krebsuzette

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