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Berühmte Namen Raus aus dem Schatten der Eltern

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Albert Steigenberger, Spross der Steigenberger-Gruppe Quelle: Rüdiger Nehmzow für WirtschaftsWoche

Jeder will als Individuum wahrgenommen werden, sich nicht im ständigen Vergleich mit einem Vorgänger abarbeiten. Für die Träger großer Namen bedeutet das im Beruf oft „unglaubliche Mühe, deutlich zu machen: Ich habe das allein geschafft“, sagt Psychologe von Schlippe. Besonders, wenn eigene Talente und Neigungen sie in die Fußstapfen des Seniors treten lassen.

Kein Zufall, dass unter den Pionieren der New Economy zahlreiche Sprösslinge bekannter Manager auftauchten: Vor ihnen lag zur Jahrtausendwende ein „völlig neues Universum, wo man etwas aufbauen konnte, ohne im Schatten zu stehen“, erklärt Lars Wössner, Vorstandsmitglied beim E-Mail-Marketing-Anbieter Ecircle und Sohn von Ex-Bertelsmann-Chef Mark Wössner. Wie Wössner suchten auch andere in der Welt des Internets ihr Unternehmer-Gen unbelastet auszuleben. Max Cartellieri zum Beispiel, Filius des ehemaligen Deutsche-Bank-Vorstandsmitgliedes Ulrich Cartellieri, tat sich als Mitgründer des Meinungsportals Ciao.com hervor. Bruno Schick aus dem Autozulieferer-Clan Burgmaier Metalltechnik gewann für Surplex, einen Internet-Marktplatz für Gebrauchtmaschinen, zwei Tennisfreunde als Investoren: Lars Schlecker vom Drogeriemarkt-Imperium und Marc Schrempp, Sohn des ehemaligen DaimlerChrysler-Chefs.

Doch die Kritiker ließen nicht lange auf sich warten. Als „Reiche Söhne AG“ oder „Old Boys Network“ bezeichneten die Medien die jungen Gründer aus Unternehmerfamilien. Anonyme Brieferschreiber bezichtigten Jürgen Schrempp der Vetternwirtschaft: Der Autobauer verpflichte die Käufer ausrangierter DaimlerChrysler-Maschinen, das Startup Surplex einzuschalten, an dem der Sohn beteiligt ist. Der Vorwurf war schnell ausgeräumt, der Beigeschmack blieb – Marc Schrempp tauchte ab.

Aus Sorge vor dem Ruch der Protektion meiden einige der Jungunternehmer bis heute die Öffentlichkeit. Genauso wie Lars Schlecker lassen Michael Birkel aus der Nudel-Dynastie oder Benjamin Otto vom Versandhandelsriesen von ihren Pressesprechern ausrichten, sie hätten „kein Interesse“, über ihre beruflichen Tätigkeiten im Zusammenhang mit ihren Familiennamen zu sprechen.

Thomas Hundt, der Sohn des Arbeitgeberpräsidenten, betonte von Anfang an nachdrücklich, er gründe seine Existenz ohne Hilfe seines Vaters Dieter. Das Startkapital von 50.000 Mark sparte er mit seinem Geschäftspartner zusammen. „Ich hatte den tiefen Anspruch, es alleine hinzukriegen“, sagt Hundt junior. Auf die Standardfrage: „Sind Sie der Sohn?“ gab er die Standardantwort: „Nein, ich bin es selber.“

Studium und Startup waren für den heute 40-Jährigen wichtige Phasen im „Ablösungsprozess“. Im zweiten Semester warf er sein Maschinenbau-Studium in Stuttgart hin – ein Bruch mit der Familientradition sowie eine Absage an den Vater, der ihn gerne in seiner Nachfolge als Chef der Allgaier Werke gesehen hätte. „ Neun Monate vor meiner Geburt stand mein Studienfach fest“, scherzt Hundt. Doch im Ingenieurwesen fehlte ihm der gestalterische Aspekt. Stattdessen entschied er sich für die Architektur, in der Familie als „brotlos“ verpönt.

Der erste Schock legte sich schnell: Nach dem zügig erworbenen Diplom zieht Thomas Hundt mit einem Studienkollegen 1998 eine Agentur hoch, die beispielsweise für das Porsche-Museum multimediale Raumkonzepte realisiert. Inzwischen beschäftigt das Stuttgarter Unternehmen Jangled Nerves 30 Mitarbeiter. Den Stolz des Vaters spürt der Sohn, wenn der sich „interessehalber“ die Bilanzen anschaut. Was den Gründer zufrieden macht: Eine Architektur-Professur an der Stuttgarter Hochschule für Technik sowie Designpreise wie zuletzt der „Red Dot Grand Prix“ öffnen ihm die Tür fürs Neugeschäft – und „nicht der Name des Vaters“.

Klar kann der ein Startvorteil sein. Motto: Wer bereits einen guten Namen hat, muss ihn sich nicht erst mühevoll verdienen. Entscheidend, um damit glücklich zu werden: Diese Eintrittskarte als Möglichkeit nutzen, aber nicht dauerhaft darauf setzen, wissen Psychologen.

Die „Verdrahtung“ seines Vaters in der Wirtschaft habe die Gesprächsbereitschaft potenzieller Kunden gefördert, sagt Lars Wössner, 36. Doch danach „geht es knallhart darum: Überzeugt man oder nicht?“ Der Junior leitet das internationale Geschäft der Münchner Firma Ecircle. Der Senior und Ex-Bertelsmann-Chef Wössner wacht als Aufsichtsratsvorsitzender über den Dienstleister für digitales Dialogmarketing. Als „überschneidungs- und konfliktfrei“ beschreibt Lars Wössner die Zusammenarbeit. „Ich kann durchweg sagen: Da ist kein falsches Vitamin B im Spiel.“

Mit jeder Generation entspannt sich das Verhältnis zu einem prominenten Vorgänger. Patrick Adenauer zum Beispiel, Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers, setzt seinen Namen „gerne für das Amt als Präsident des Verbands ,Die Familienunternehmer – ASU‘ ein“. Der 47-Jährige ist aus Verbandssicht die ideale Besetzung: Als ein Adenauer findet er Gehör bei Politikern. Auf der anderen Seite vertritt er als Bauunternehmer, der mit seinem Bruder Paul einen 200-Mann-Betrieb leitet, glaubwürdig Unternehmer-Interessen.

Ganz pragmatisch geht Moritz Freiherr Knigge, Urahn des Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge, mit dem großen Namen um. „Ich trage ihn wie eine Marke“, sagt der 39-Jährige freimütig. Unter der führen der Betriebswirt und sein Kompagnon Michael Schellberg in Düsseldorf eine Unternehmensberatung mit Schwerpunkt „wertorientierte Mitarbeiterführung“. Grundlage ihrer Seminare ist Adolph Freiherr Knigges Hauptwerk „Über den Umgang mit Menschen“, veröffentlicht im Jahr 1788. Entgegen verbreiteter Meinung sei dies keine Benimmfibel, sagt der junge Knigge, sondern eher ein „hochaktueller Kommunikationsleitfaden“.

Entsprechend war es dem Urahnen auf der Suche nach einer Geschäftsidee „zu platt“, Etikette-Kurse zu geben – eine Idee seiner Geschwister. „Wer den klugen Knigge studiert hat, weiß: Das trifft es nicht“, betont Moritz Freiherr Knigge. Mit Anfragen, ob er richtige Tischmanieren beibringen kann, muss er als Unternehmensberater leben. Oder mit den prüfenden Blicken eines Gegenübers, wenn er im Restaurant durch seinen Milchkaffee rührt.

Zu Gelassenheit und Authentizität ermutigte schließlich sein weiser Vorfahr bereits im 18. Jahrhundert – großer Name hin oder her: „Sei nicht zu sehr ein Sklave der Meinungen andrer von Dir! Sei selbständig! Was kümmert Dich am Ende das Urteil der ganzen Welt, wenn Du tust, was Du sollst?“

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