Berufe und ihr Image Der gute Boss

Die Deutschen haben ihre Liebe zu Unternehmern entdeckt, so eine aktuelle Rangliste über das Image von Berufen. Das lässt hoffen für die Zukunft.

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Ärzte haben ein gutes Image Quelle: dpa

Ein Ziel ist für Bettina Würth nicht genug. Die Tochter des Schraubenkonzern-Gründers Roland Würth will als Beiratsvorsitzende nicht nur die Zukunft der Würth-Gruppe mitgestalten. Gleichzeitig gründete die gelernte Pädagogin am Firmensitz im schwäbischen Provinzstädtchen Künzelsau eine „Freie Schule“, um ein Zeichen zu setzen: für eine bessere Bildung der heranwachsenden Generation.

Ganz nebenbei bewirkt die Würth-Chefkontrolleurin so auch einen Imagewandel ihrer Zunft. Seit Jahren dreht sich der Ruf der Unternehmer und Unternehmerinnen in der Bevölkerung zum Positiven. Sie werden geschätzt für ihre Leistungen, ihren Mut — und ihr soziales Gewissen.

Das Image von Berufen ändert sich ständig: mal zum Positiven, mal zum Negativen. Unternehmer, Grundschullehrer und Ingenieure gewinnen aktuell im Ansehen; Manager, Journalisten, Politiker und Rechtsanwälte verlieren, wie eine Langzeitstudie des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach ermittelt hat. Seit den Sechzigerjahren legen die Marktforscher der deutschen Bevölkerung in regelmäßigen Abständen eine Liste von 17 Berufen vor, aus der die Befragten die fünf angesehensten Berufe auswählen.

An der Spitze der Beliebtheitsskala rangieren die Mediziner — mit weitem Abstand, und das seit Jahren. 78 Prozent der befragten Bundesbürger haben vor Ärzten die meiste Achtung. Pfarrer und Hochschulprofessoren landen auf den Plätzen zwei und drei. Das Renommee der Mediziner verbesserte sich sogar um sechs Prozentpunkte im Vergleich zu 2003. Auch das Bild der forschenden Hochschulprofessoren hat sich deutlich verändert — plus vier Prozent.

Doch vor allem der Aufstieg der Unternehmer ist beeindruckend. Über Jahrzehnte hinweg entwickelt sich ihr Image positiv. Anfang der Siebzigerjahre fand nicht einmal jeder Fünfte einen Firmenchef achtenswert, heute zieht fast jeder Dritte den Hut vor dessen Leistungen. Die Gründe: Insbesondere mittelständische Chefs engagieren sich sozial, gründen Betriebsgärten, integrieren ältere Mitarbeiter und bieten oft sicherere Arbeitsplätze als Konzerne.

Außerdem werden die Führungsetagen in Familienunternehmen zunehmend weiblicher. Prominente Beispiele gibt es viele: Neben Unternehmerin Würth etwa Eva-Catharina Cramer von der Brauerei Warsteiner, Nina Öger von Öger Tours und Nicola Leibinger-Kammüller vom Werkzeugmaschinenbauer Trumpf. Sie stehen auch für mehr Empathie in der Führung, bessere Kommunikation und Chancengleichheit.

Eine Begeisterung für das Unternehmertum haben auch die Erfolgsgeschichten von Internet-Unternehmen entfacht. Selbst Scheitern ist erlaubt. Auch für eine Festanstellung stehen den Ex-Unternehmern sogar „die Türen offen“, sagt Personalberater Klaus Leciejewski von KDL Consulting, weil selbst gescheiterte Gründer sich mit Engagement und Durchsetzungsvermögen hervorgetan haben. Nur der Einstieg in » Großunternehmen bleibe ihnen verwehrt: „Eine Konzerndenke verträgt sich nicht mit einer selbstständigen Denke.“

Auch bei der Jugend gilt Unternehmer sein inzwischen als sexy. Die Mehrheit der 15- bis 20-Jährigen hat eine gute Meinung von Firmenchefs, wie das Youth Entrepreneurship Barometer der Bertelsmann Stiftung voriges Jahr ermittelte. 16 Prozent von ihnen wollen sich später sogar selbstständig machen, 61 Prozent räumen noch ein, „eventuell“ ein eigenes Unternehmen zu gründen. Jene, deren Eltern bereits ein Unternehmen führen, sind zu 23 Prozent fest entschlossen, ihrem Beispiel zu folgen.

Wie Sebastian Koeppel, Juniorchef der Privatkelterei Beckers Bester. Seit seinem 14. Lebensjahr hat er in den Ferien im Unternehmen mitgearbeitet, das seine Urgroßmutter gründete. Zusammen mit vier Cousins und Cousinen bemühte er sich um die Nachfolge, die Wahl fiel auf ihn – auch wegen seines BWL-Studiums. Seit vorigem Jahr sitzt er mit zwei Onkeln und zwei familienfremden Managern an der Spitze. Und das, obwohl er schon früh mitbekommen hat, dass Unternehmertum nicht nur positiv gesehen wird: „Es ärgert mich, wenn Manager wie Zumwinkel oder Ackermann mit Familienunternehmern über einen Kamm geschoren werden“, sagt der 30-Jährige.

Dass sein Verhalten kritisch beobachtet wird, ist Koeppel bewusst; noch dazu in einem so kleinen Ort wie dem Firmensitz in Lütgenrode bei Göttingen. Von Neid will er nicht sprechen, aber es sei klar, dass er nicht mehr „so ausgelassen in der Stadt feiern gehen kann wie früher vielleicht“.

Die starke Bindung der Unternehmer an ihre örtliche Umgebung ist aber gerade ihr Erfolgsgeheimnis. Sie gehören mit technologischen Nischenprodukten oft zur Weltspitze und bieten gleichzeitig sichere Jobs in ihrer Heimat. So stehen sie „für Innovationen, die sie vorantreiben und tragen“, sagt Psychologe Hellmut Meinhof von der Managementagentur Europa der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung. Themen wie Liberalisierung der Märkte und Fortschritt der Gesellschaft werden deshalb „seit ein paar Jahren positiver gesehen“.

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