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Burnout-Experte Sprenger im Interview "Männer betrifft es stärker"

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Dennoch erleidet nicht jeder, der im Job immer Vollgas gibt, später einen Burnout.

Nein, es kommen beim Einzelnen immer mehrere Dinge zusammen: Einerseits die äußere Arbeitsbelastung. Diese ist bei vielen Menschen sehr hoch. Der zweite Faktor sind die Gestaltungsmöglichkeiten im Job. Wichtig ist hierbei die eigene Wahrnehmung. Ich kenne Patienten, die viel Freiheit im Job hatten, dies aber gar nicht so empfanden.

Sind diejenigen, die mehr Freiheit im Arbeitsalltag haben, weniger gefährdet?

Definitiv. Die Selbstbestimmung scheint ein wichtiger Schutz vor dem Ausbrennen zu sein. Psychologische Studien haben gezeigt, dass es eines der seelischen Grundbedürfnisse ist, die Lebensumstände so weit wie möglich selbst zu kontrollieren.

Dennoch schützt das nicht vor Stress im Job...

...nein, aber die Frage ist, wie man damit umgeht. Manche blühen unter Stress auf, andere brechen irgendwann zusammen. Jeder Organismus reagiert bei Stress zunächst gleich: Der Blutdruck steigt, es werden Stresshormone ausgeschüttet. Was jemand allerdings als Stress empfindet, ist hochgradig verschieden. Daher ist das Wichtigste, zuerst die persönlichen Stressfaktoren zu identifizieren.

Und wenn man das herausgefunden hat?

Dann kann ich den bewussten Umgang mit meinen Stressfaktoren einüben. Also etwa entsprechende Situationen vermeiden, falls das geht, oder Entspannungsübungen absolvieren.

Was raten Sie Menschen, die dennoch erste Burnout-Symptome bemerken?

Genügend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.

Also eigentlich triviale Dinge...

...sehr trivial, ja. Es erstaunt mich immer wieder, dass viele Menschen sich überhaupt nicht mehr um diese Sachen kümmern. Ungesunde Verhaltensweisen wie beispielsweise wenig Schlaf, lange Arbeitszeiten und permanente Höchstleistung gelten vielen als Ideale.

Umdenken und der Burnout ist abgewendet?

Das ist die gute Nachricht: Aus dem Burn‧out kommt jeder mit einfachen, kleinen Schritten wieder heraus. Das Schwierige ist, den Patienten klarzumachen, dass sie etwas ändern müssen.

Ein Patient bleibt bei Ihnen im Durchschnitt sechs Wochen. Wie viele der Betroffenen kommen ein zweites Mal?

Wenige. Wer das Problem erkannt und verinnerlicht hat, wird selten rückfällig.

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