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Colorados Hanf-Tourismus Berauschend - Luxusurlaub beim Cannabis-Bauern

Der Cannabis-Tourismus in Colorado macht den nächsten Schritt. Schicke Boutiquen, Premium-Hotels und Lifestyle-Produkte setzen auf verwöhntes Publikum. Mit den Wahlen könnte der Markt nochmal sprunghaft wachsen.

Snoop Dogg hochqualitative Marihuana-Linie

Wenn sich Amerikaner bislang tradierte Auslandsmärkte vorknöpfen, sollte man das ernst nehmen. Die Landwirtschaft in den USA hat in der Vergangenheit mit Innovation und moderner Technologie schon ganze Branchen durcheinandergewirbelt. Wein aus Kalifornien durchbrach bereits Ende des 20. Jahrhunderts die Vorherrschaft europäischer Spitzenweine, derzeit schickt sich die Olivenöl-Branche erfolgreich an, mit großen Erntemaschinen und modernsten Extraktionsmethoden, zu den Spitzenqualitäten aus Italien, Spanien oder Griechenland aufzuschließen. Jetzt ist Erlebnistourismus rund um ein Agrarprodukt dran. Christian Hageseth aus Denver hat es allerdings etwas einfacher als die kalifornischen Wein- und Olivenbauern. Er konkurriert mit - in aller Regel unbekannten und heimlichtuenden - Cannabisbauern rund um den Globus.

Hageseth ist Geschäftsmann mit einem Profil bei LinkedIn, das ihn als „Founder & President, Inspiro; Founder & Chairman of the Board, Green Man Cannabis; Author "Big Weed"“ ausweist. Sein größtes Projekt soll 2017 öffnen: Die Cannabis Ranch. Der Vorzeigebau von American Cannabis Partner, einem weiteren Unternehmen von Hageseth, soll wie ein Weingut in Napa Valley wirken. Einladend, gastlich und mit der Möglichkeit, mehr über Cannabis zu fahren - mit Rundgängen durch die Produktion, Restaurant und Aussicht auf die Rocky Mountains für die geplanten 3000 Besucher täglich. Das ganze nur eine halbe Autostunde von Denver entfernt, das schon ohne Rausch den Zusatznamen „Mile High City“ trägt.

Colorados Cannabis-Tourismus

Die Cannabis Ranch ist das spektakulärste Projekt des noch immer jungen Cannabis-Tourismus in Colorado. Während in Deutschland die Polizei 2014 noch 2400 Fälle unerlaubten Cannabis-Anbaus meldete, bei denen zusammen mehr als 130.000 Pflanzen gefunden und zerstört wurden, arbeiten in Colorado Unternehmen daran, Cannabis touristisch auszuschlachten. Das amerikanische Reisemagazin Condé Nast Traveller, ansonsten bekannt für seine luxuriösen Reiseempfehlungen, veröffentlichte nun Reisetipps für Reisende, die sich nicht nur an Colorados einzigartiger Natur berauschen wollen.

Und andere Bundesstaaten könnten nachziehen. In Kalifornien ist der Konsum lediglich legal, wenn ein Arzt ein entsprechendes Rezept ausstellt. Was vor allem den Ärzten ein gutes Geschäft verschafft. Am 8. November wird aber parallel zur Wahl des US-Präsidenten in neun Bundesstaaten ebenfalls darüber abgestimmt, ob der Konsum legalisiert werden soll. Darunter ist auch Kalifornien, das den liberalsten Vorschlag zur Abstimmung stellt. Nevada, Arizona, Massachusetts und Maine stellen ebenfalls den legalen Besitz von geringen Mengen zur Wahl, während unter anderem Florida und Montana lediglich die medizinische Anwendung zur Abstimmung stellen.

Bislang fehlen die ganz großen Namen der Welt der Hotellerie, die ihren Gästen die nötigen Utensilien für den Konsum von Cannabis schon beim Einchecken zur Verfügung stellen. Der Anbieter http://coloradocannabistours.com/denver-hotel-bookings/#PremiumHotels hat jedoch zumindest einige Hotels im Angebot, die auch höheren Ansprüchen genügen. Rausch-Tourismus in organisierten Busfahrten oder auch in Stretch-Limousinen sind zwar noch das Gros des touristischen Angebots rund um Cannabis, doch immer mehr Angebote richten sich an Menschen, denen diese Art von Genuss nicht bekommt. Die Gäste, die über Cannabistours buchen, bekommen schon beim Einchecken Rauchapparate überreicht, mit denen sie das gekaufte Cannabis so konsumieren können, dass der Geruch keine anderen Gäste stört.

Blaubeerschokolade berauschte

In Colorado sind Kunden aus aller Welt willkommen. Wenn sie sich in Boutiquen wie die Silverpeak in dem Skisport-Dorado Aspen begeben, müssen sie schon genau hinschauen, ob es sich hier nicht um eine in moderner Holz-Innenarchitektur gehaltenen Parfümerie, Buchladen oder Concept-Store handelt. „Well dressed“ Mitarbeiter helfen dort den Besuchern bei der Auswahl der richtigen Sorte, denn Cannabis sei nicht gleich Cannabis, wie der Shop versichert.

Die Sorten heißen Querkle, NYC Diesel oder Critical Jack Herer. Ihre Namensgebung erinnert an die von Craft Beer, das in Colorado ebenfalls seit langem auf hohem Niveau gebraut wird. Die Beschreibungen der Eigenschaften erinnern an Verkostungsnotizen von Weinkritikern. Aromen wie Zitrus, Beeren oder Mango werden den Pflanzen attestiert und die Art des Rauschs umschrieben von euphorisch, schläfrig bis kreativ und energetisch.

Wie Kaffee oder Tee, nutzen Unternehmen die Basis Cannabis um weitere Genussmittel zu produzieren, die neben Rausch auch aromatischen Genuss versprechen. Der Rapper Snoop Dogg vertreibt unter dem Label Leafs by Snoop in 127 Geschäften in von Aspen über Boulder bis Denver Schokolade mit einem Cannabisanteil in Geschmacksrichtungen wie „Blueberries N Cream“. Weniger experimentierfreudige Kunden bekommen Snoops Wirktafel auch als schlichte Milchschokolade.

Das Unternehmen Dixies erweitert die Palette noch um Körpercremes, Minz-Tabletten und den sogenannten Elixirs, der Eistee Geschmacksrichtung Pfirsich enthält 90 Milligramm des Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol). Wer sich Sorgen um seine Gesundheit macht, darf bei dem Eistee aufatmen: Er enthält weniger Zucker als übliche Limonaden.

Diese und andere Fakten sollen Hageseth Kunden auf der Cannabis Ranch lernen. „Die Tour beginnt und endet in unserem Geschenke-Shop, so dass wir nicht nur Marihuana entmystifizieren, sondern auch mit unserer Marke bekannt machen“, sagte Hegesath in einem Interview mit der amerikanischen Webseite Inverse.com. Das einzige Detail, das Hageseth Ranch von den Vorbildern aus der Weinwelt wie die den Gütern von Robert Mondavi unterscheidet ist: Die Besucher dürfen auf der Ranch kein Marihuana verkosten. Der Verkauf und Erwerb ist zwar erlaubt: Es darf aber nur in den eigenen – wenn auch gemieteten – vier Wänden konsumiert werden.

 

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