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Corona-Impfungen Wie überzeugt man Mitarbeiter von der Spritze?

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Wie deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter zum Impfen bewegen können

Inka Müller-Seubert kennt ähnliche Überlegungen auch für Deutschland, Arbeitnehmer für den Impfnachweis zu belohnen. Denn das helfe Betrieben, besser einzuschätzen, wer sich im Unternehmen bei wem anstecken kann und die dazu passenden Hygiene- und Schutzkonzepte zu planen. Sollte eine Impfung dazu führen, dass Geimpfte niemanden mehr anstecken, sie also eine so genannte sterile Immunität auslöst, könnten viele der aktuellen Einschränkungen im Betrieb sogar aufgehoben werden. 

Aber nicht jede Prämie sei gleich sinnvoll, um die Mitarbeiter dazu zu bewegen, ihren Impfstatus zu offenbaren, so die Anwältin. Bei Sachgeschenken seien die zu bevorzugen, die die Arbeitnehmer direkt nutzen können – also lieber ein Präsentkorb als ein Restaurantgutschein, während die Gastronomie noch geschlossen ist. Zusätzliche Urlaubstage als Anreiz seien zwar eine gute Idee, allerdings wären auch diese zu Pandemiezeiten eher wenig hilfreich, weil sie kaum genutzt werden könnten.

Cash ist König

„Momentan ist ein finanzieller Anreiz am effektivsten“, sagt Müller-Seubert, „Die Höhe des Anreizes hängt davon ab, wie hoch das Interesse des Arbeitgebers an der Impfung ist, und natürlich auch von seinen finanziellen Spielräumen.“ Eine gesetzliche Obergrenze gebe es aber nicht.



Es stellt sich eine juristische Frage: Ist die Prämie zu hoch, könnte man argumentieren, dass eine Impfung und der folgende Nachweis gegenüber dem Arbeitgeber doch nicht mehr ganz so freiwillig geschieht. Natürlich steht es jedem frei, sensible Informationen wie den Impfstatus dem Arbeitgeber gegenüber offenzulegen – oder eben nicht. „Es sei denn, dieser Vorteil ist so groß, dass es völlig unvernünftig wäre, diese Einwilligung nicht zu erteilen“, sagt Müller-Seubert. Eine Prämie von einem Monatsgehalt dürfte diese Grenze aber noch nicht sprengen.

Als Zielgruppe für eine solche Zahlung sieht Müller-Seubert aber nicht die überzeugten Impfgegner. „Die interessante Gruppe ist die der Unentschlossenen“, so die Anwältin. Bei diesen sei die Chancen am größten, durch eine Prämie die Impfbereitschaft zu steigern.

Hilfreich oder falsches Signal?

Die Idee, Menschen Geld zu zahlen, damit sie sich impfen, hat Julian Savulescu schon im vergangenen Jahr skizziert. Der Professor am Oxford Uehiro Centre for Practical Ethics schrieb in einem Debattenbeitrag: „Solange wir die Grenzen unseres Vertrauens in Bezug auf die Risiken und den Nutzen eines Impfstoffs korrekt vermitteln, liegt es am Einzelnen, zu beurteilen, ob sich die Zahlung lohnt.“ Savulescu gibt aber zu bedenken, dass eine Art Bezahlung für die Impfung auch ein falsches Signal senden könne: Dass die Impfung an sich gefährlich sei.

Eine Forschergruppe um Cynthia Cryder und George Loewenstein kam in einer Serie von Experimenten zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Forscher beschrieben ihren Probanden dazu klinische Studien einer bislang unbekannten medizinischen Prozedur. Diese unterschieden sich vor allem in der Entschädigung, die die Teilnehmer dafür bekamen. Die Probanden sollten dann beurteilen, wie gefährlich die jeweiligen Studien für die Beteiligten sein würden.

Freiheit statt finanzielle Anreize

Das Ergebnis: Je höher die Entschädigung für eine Teilnahme, desto höher wurde das Risiko wahrgenommen. Menschen dafür zu bezahlen, geimpft zu werden, könnte sie auf eine ähnliche Weise zu dem Schluss führen, dass eine Impfung riskanter ist, als sie das ohne die Bezahlung annehmen würden, schreiben die Autoren in einem Gastbeitrag in der „New York Times“. Stattdessen empfehlen nicht nur Cryder und Loewenstein, sondern auch der Oxford-Ethiker Savulescu, statt finanzieller Anreize eine andere Form der Belohnung: mehr Freiheiten für Geimpfte, sei es zu reisen, ins Kino zu gehen oder einfach nur (ebenfalls geimpfte) Freunde ohne Beschränkungen treffen zu können.

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Im St. Franziskus Hospital in Münster kann man sich in diesem Jahr die Grübelei über die richtigen Anreize sparen. In einer ersten Umfrage unter den Mitarbeitenden im Dezember, heißt es dort, zeigten sich mehr als 75 Prozent bereit, sich gegen Corona impfen zu lassen. Seit dem Start der Impfungen gehen die Verantwortlichen sogar von einer Bereitschaft von rund 85 Prozent aus. Zur Not gäbe es mit den Pommes-Gutscheinen aber ein mittlerweile bewährtes Mittel.

Mehr zum Thema: Die Impfbereitschaft ist in Medizin- und Pflegeberufen teilweise gering. Eine Impfpflicht wird diskutiert. Aber welche Handhabe bleibt Arbeitgebern? Ein Interview mit dem Arbeitsrechtler Matthew Devey.

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