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Laptop und Leere im Klassenzimmer: Karin Bitter, Lehrerin an der Comenius Grundschule in Oranienburg, unterrichtet ihre Schüler derzeit per Videokonferenz. Quelle: dpa

Revolutioniert Covid-19 das Schulwesen?

Rund 10,9 Millionen Kinder und Jugendliche gehen in Deutschland zur Schule – oder besser gesagt: derzeit nicht. Meine Tochter ist eine davon und wird Teil des größten Experiments für Bildungstechnologie der Geschichte.

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Am Abend des 6. März bekam ich eine Mail von der Direktorin der Bonn International School. Ein Kind sei nach einem Skiurlaub in Tirol positiv auf Covid-19 getestet worden. Die Schule solle für zwei Wochen geschlossen bleiben. Auch für meine Tochter. 

Einige Kinder, hieß es in der Mail, müssten in Quarantäne gehen. Innerhalb von fünf Tagen hatte die Schulleiterin das Kollegium reorganisiert: Schon am 11. März öffnete pünktlich um 8.20 Uhr die Digital-Version der Bonner Privatschule. In ihrem allerersten Klassenchat erhielten die Kinder Instruktionen, wie sie vorübergehend von zu Hause aus lernen sollten. Niemand dachte damals an eine Dauerlösung. Jetzt, knapp vier Wochen später, stellen sich alle darauf, dass die virtuelle Schule ein dauerhaftes Provisorium wird.

Die Schule hat den Kindern Tablets zu Verfügung gestellt. Die Lehrkräfte unterrichten per Videokonferenz, über Google Doc und Chat. Jeden Tag. Meine Tochter hat, obwohl gerade mal elf Jahre alt, bereits ihr „Office“ designt, elektronische Briefe an ihre Freunde geschrieben und als Hausaufgabe mehrere Videos gedreht. Inzwischen haben Kinder wie Lehrkräfte reihum alle digital ihre Haustiere vorgestellt. So viel „Public Privacy“ war selten.

Nebenbei wurde die Bonn International School unverhofft Teil des weltweit größten Experiments für Bildungstechnologie in der Geschichte. Denn das, was hier experimentell im Kleinen passiert, ist Teil eines globalen Trends. Aufgrund der Coronapandemie sind mehr als 1,5 Milliarden Lernende in 165 Ländern von Schul- und Universitätsschließungen betroffen. Die Unesco hat deswegen eine globale Bildungskoalition ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Länder bei der Entwicklung und Koordinierung von innovativen Lösungen für den Fernunterricht zu unterstützen. Schlägt nach High-Tech, Fin-Tech und Prop-Tech nun die Stunde der Ed-Tech?

Rückkehr zu alten Methoden

Klar ist jedenfalls, dass die Pandemie unsere Vorstellung von Bildung im 21. Jahrhundert radikal in Frage stellt. Wurde gestern noch über Schulfächer „Digitalisierung“ und „Programmieren“ gesprochen, so geht es jetzt um völlig andere Dimensionen. Computer sind nicht mehr nur Unterrichtsstoff, sondern plötzlich ein selbstverständliches Werkzeug dafür. 

Revolutioniert Covid-19 das Schulwesen? Lehrer und Ed-Tech-Investoren weltweit haben da laut einer HolonIQ-Studie einige Zweifel: 91 Prozent der Bildungseinrichtungen sehen eher skeptisch in die nahe Zukunft. Gut möglich also, dass die Schulen bald schon wieder zu den Methoden zurückkehren, mit denen sie „schon immer“ gearbeitet haben.

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