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Demografie Generation Silberfuchs

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Calaminus Quelle: Peter Stumpf für WirtschaftsWoche

Softwarehersteller SAP arbeitet zum Beispiel aktuell an Strategien, um „die demografischen Herausforderungen zu meistern“. Die Deutsche Bank bietet einen regelmäßigen „Gesundheitscheck 40+“, die Deutsche Post stellt älteren Briefzustellern Elektro-Fahrräder und Vakuumhebehilfen zur Verfügung.

Volkswagen wiederum hat innerhalb seiner Belegschaft sogenannte Berufsfamilien gegründet, in denen Jungfacharbeiter nach der Berufsausbildung einen erfahrenen, meist älteren Paten an die Seite gestellt bekommen, sodass beide Altersgruppen voneinander profitieren. Außerdem soll ein konzerninterner „Senior-Experten-Service“ auch weltweit den konzerninternen Wissenstransfer sicherstellen.

Zuverlässig und erfahren

„Immer mehr Menschen erreichen gesund den Ruhestand“, sagt VW-Personalvorstand Horst Neumann. „Wir möchten diese Menschen beim Übergang in den dritten Lebensabschnitt unterstützen, denn diese Silberfüchse verbinden Zuverlässigkeit mit reicher Praxiserfahrung.“

Auch die Lufthansa will „gerade auch älteren Mitarbeitern“ die Chance geben, noch einmal neue Bereiche kennenzulernen, um ihre Erfahrungen einzubringen. Gleichzeitig versucht das Unternehmen mit Gesundheitswochen und Sportkursen den Grundstein dafür zu legen, dass die Mitarbeiter „für die sich abzeichnende Verlängerung ihrer Berufsbiografien fit sind“.

Dass Arbeitsdichte und einseitige körperliche Belastung auch im Labor zugenommen haben, hat Brigitte Calaminus am eigenen Leib erfahren: Weil das tägliche Stehen am Labortisch und das Hantieren mit ausgestreckten Armen an den Apparaturen aufs Rückgrat drückte, musste die 61-jährige Chemotechnikerin, die beim Konsumgüterhersteller Henkel an der Entwicklung neuer Klebstoffe mitarbeitet, an der Halswirbelsäule operiert werden.

Investition in die Zukunft

An Frühverrentung dachten aber weder Henkel noch die Mitarbeiterin. Das Unternehmen leistet sich vielmehr einen ärztlichen Dienst, der Mitarbeiter bei der Rehabilitation unterstützt: Verhandlungen mit den Krankenkassen über Kostenübernahme gehören dazu wie eine Physiotherapeutin auf dem Werksgelände. Inzwischen steht Calaminus wieder ganztags im Labor. Und hat, auf Rat einer Ergonomie-Expertin, ihren PC anders aufgestellt.

„Je weniger die persönlichen Belastungen am Arbeitsplatz zu den eigenen Stärken passen, desto weniger lange kann ein Mensch in einer solchen Situation arbeiten“, sagt Antonius Reifferscheid, Leiter des Werksärztlichen Dienstes bei Henkel.

War beim Konsumgüterkonzern früher Unfallverhütung das Topthema, haben heute psychosoziale Faktoren und Ergonomie in seiner Abteilung Vorrang. In einem Pilotprojekt macht Henkel Sicherheitsfachkräfte zu Ergonomie-Spezialisten, die die Kollegen auf falsche Sitzhöhe, verkrampfte Haltung oder die richtige Brille für den PC aufmerksam machen.

„Investition in die Zukunft“ nennt Goetz Gageik, Personalleiter Henkel Deutschland, die betriebliche Gesundheitsförderung, mit der „die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhalten und krankheitsbedingte Kosten“ sinken sollen.

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