Die Zahlenfrau
Online Creator als Entrepreneure unserer Zeit und Nerds als Lösung für den Fachkräftemangel? Quelle: REUTERS

Online Creator sind die Entrepreneure unserer Zeit

Der Fachkräftemangel ist besonders im Digitalsektor spürbar. Die Lösung? Die Digitalkompetenzen von Kindern und Jugendlichen fördern.

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The „Fachkräftemangel“ is real! Vor allem im digitalen Kontext dürfte es heftig werden: In Deutschland werden allein in den kommenden fünf Jahren etwa 700.000 Personen mehr mit technologischen Spezialkenntnissen benötigt werden. Das besagt ein Diskussionspapier des Deutschen Stifterverbandes in Kooperation mit McKinsey. Besonders gefragt: Datenanalyse, KI, sowie Hardware- und Robotik-Entwicklung.

Die große Überraschung: Tech ist gekommen, um zu bleiben.

Ich kann daher nicht verstehen, dass wir dieses Thema in unserem Land überhaupt noch diskutieren müssen. Die Digitalisierung wird nicht mehr verschwinden und somit brauchen die zukünftigen Arbeitnehmer – und das sind alle Kinder und Jugendlichen in unseren Schulen – auch digitale Fähigkeiten oder zumindest das Verständnis dafür. Denn digitale Prozesse und Technologien haben mittlerweile in fast jeden Bereich unseres Lebens und unserer Arbeit Einzug erhalten.

Nun bietet einerseits unser Schulsystem noch viel zu wenig digitale Lehre, so dass Schüler und Schülerinnen sich das Know-how anderweitig beibringen müssen. Es gibt allerdings Möglichkeiten, dies zu tun. Dazu gleich mehr. Eine zweite Herausforderung, die ich allerdings auch sehe: Oft scheitert die Wissbegierde von Kindern und Jugendlichen an „modernen“ Themen wie Web 3.0, Creator Economy oder NFT noch am Mindset der Eltern oder am Mindset der Mitschüler, die diese Themen noch nicht als den nächsten „heißen Scheiß“ erkannt haben.

Außerschulische Lösung für digitale Themen: Startup Teens

Wer mich kennt, weiß, dass ich Gesellschafterin bei der Non-Profit Initiative Startup Teens bin. Daher überrascht es sicher wenig, dass ich immer ganz genau verfolge, was sich bei Startup Teens so tut und was die aktuellen Themen sind. Dabei hat mich ein LinkedIn Post von Corinna Tappe, Geschäftsleiterin in Bayern, sehr nachdenklich gemacht.

Sie schrieb von einem Gespräch mit Yannik, der „über viele Jahre von seinen Mitschülern gemobbt wurde, voller Angst jeden Morgen aufgestanden und mit Bauchschmerzen in die Schule gegangen ist. Alles fing an, als er während seiner Schulzeit nicht mit dem Mainstream mitging, sondern seiner Leidenschaft nachging und Videos produzierte.“

Corinna schreibt weiter: „Keiner seiner Mitschüler hatte damals mit seinem Hobby etwas anfangen können und sie haben ihn daraufhin kollektiv als „Anders“ abgestempelt und ihn zum Außenseiter gemacht. Daraufhin folgte eine lange Zeit der Isolation und der Angst.

Erst Jahre später wurde aus dieser Angst seine größte Stärke und er konnte den Teufelskreislauf beenden. Er hat sich mit diesem Herzensthema mittlerweile sogar selbstständig gemacht, ist der jüngste zertifizierte Mobbingfrei Coach und hat mit seinem Online-Programm schon so vielen Schülern helfen können.“

Yannicks Motto: „Anders ist das neue Cool“. Was für ein tolles Motto für einen 23-Jährigen. Wow!

Als ich das gelesen habe, war mein erster Instinkt: Diese Story muss ich weitererzählen, denn genau das ist ein Thema, das junge Menschen oft davon abhält, ihrer Passion nachzugehen – wenn sie dadurch nämlich als „Nerd“ oder als „Outsider“ abgestempelt und im schlimmsten Fall sogar gemobbt werden. Ich bin ganz offen, die Nerds von heute sind meiner Meinung nach die Top-Expertinnen und Experten von morgen. Und das bedeutet auch: Liebe Eltern, Eure Kinder wollen coden, oder YouTuber werden? Befasst euch bitte mal konkret mit dem Thema, bevor ich es ihnen ausredet. Es müssen echt nicht alle eure Kinder Jura oder BWL studieren, oder?

Wem ich übrigens auch unglaublich gern auf Social Media folge, ist Teo Pham. Er ist nämlich nicht nur neugierig, was es alles so an neuen Trends auf der Welt gibt, sondern er befasst sich auch mit den Themen und berichtet dann auf Social Media – und eben auch auf LinkedIn – darüber. Ein Thema, das er immer und immer wiederholt – weil wir es offenbar sehr oft hören müssen, bevor wir es glauben: Alle Berufstätigen, die etwas erreichen wollen, sollten Creator werden. Ich durfte Teo schon in meiner letzten Zahlenfrau-Kolumne rund um das Thema NFT befragen. Und auch für mein heutiges Thema habe ich ihm drei Fragen gestellt:

Miriam Wohlfarth: Wie schaffen wir es, ein grundlegendes Interesse für „neumodische“ Themen wie Web 3.0, Creator Economy oder Crypto zu schaffen?
Teo Pham: Junge Menschen haben heutzutage fantastische Möglichkeiten, als Creator ihre Leidenschaft mit ihrem Beruf zu verbinden. Auch wenn nicht jeder ein Mega-Influencer werden kann: Man lernt als Creator wertvolle Skills wie Content-Erstellung, Social Media und Entrepreneurship, die einem überall im Leben weiterhelfen. Und mit der Blockchain und NFTs haben Creator die Möglichkeit, einzigartige digitale Werke zu schaffen und davon wirtschaftlich zu profitieren. Und immer mehr Menschen schließen sich digitalen Communities oder sogenannten DAOs (Decentralized Autonomous Organizations) an, anstatt für klassische Unternehmen zu arbeiten, weil sie dort flexibler mit Gleichgesinnten arbeiten können.

Was können junge Kreative oder innovative Kids ihren „Kritikern“ entgegenbringen, damit ihre Passion oder Neugierde nicht gleich im Keim erstickt wird?
Man kann heutzutage auf zahlreiche Beispiele von Personen verweisen, die ihrer Passion gefolgt sind und mit „neuen“ Berufen sehr erfolgreich sind, ob als Gamer, Streamer, Podcaster oder Content Creator. Und es sind eben nicht nur die Mega-Stars, die man aus der Presse kennt: es entsteht eine „Creator Middle-Class“, also eine große Anzahl von Menschen, für die diese neuen Online-Berufe ganz normale Jobs sind, denen sie mit Begeisterung nachgehen und von denen sie gut leben können, ohne Millionen Follower haben zu müssen.

Wie erkennst du neue Trends und wie fängst du an, dich einzulesen und zu informieren?
Ich informiere mich sehr viel über Twitter, Podcasts und YouTube. Online Creator sind für mich eine große Inspiration, weil sie die Entrepreneure unserer Zeit sind. Und für meinen eigenen Trends-Podcast muss ich ohnehin täglich auf dem Laufenden bleiben. Und ganz wichtig: Wenn man neue Trends sieht, dann muss man sie auch selbst ausprobieren, um sie wirklich verstehen zu können. Das heißt beispielsweise im web3: Crypto-Wallet eröffnen, NFTs kaufen und einer aktiven Discord-Community beitreten.

Was soll ich sagen: Wir brauchen mehr Neugierde in unserer Gesellschaft, wir brauchen ein viel offeneres Mindset, denn unsere Welt und auch unsere Arbeitswelt dreht sich immer schneller. Es gibt andauernd neue Trends – ja, manche setzen sich nicht durch (Hallo Clubhouse!), aber viele Trends kommen, um zu bleiben. Und daraus entstehen neue Jobprofile. So wie Teo es beschreibt: Online Creator sind die Entrepreneure unserer Zeit – dem würde ich zustimmen. Sie erstellen Content, sie bauen sich Expertise rund um ihre Themen auf, wenn sie größer werden, arbeiten sie mit Brands zusammen und verdienen mit ihrem Content Geld. Sie bauen ihr eigenes Business.

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Und wir brauchen vor allem mehr Offenheit gegenüber unseren Kindern und Jugendlichen, denn sie werden auch mit diesen neuen Trends konfrontiert. Während sie für Erwachsene allerdings vielleicht nur peripher relevant sind, könnten sie für Kinder die Arbeitswelt von morgen bedeuten. Und diejenigen, die die richtigen Skills für die Zukunft lernen, werden dann auch die sein, die sich ihre Jobs aussuchen werden können. Denkt mal darüber nach, wenn euch das nächste Mal ein neuer Trend begegnet und ihr kopfschüttelnd denkt: Was ist das denn nun schon wieder. Probiert es doch einfach mal aus.

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