Digitale Abstinenz Herr Marrenbach schaltet das Internet aus

In einem Baden-Badener Luxushotel lässt sich nicht nur das Licht ausknipsen - sondern auch das Internet.

So hält die Erholung länger an
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Im Großen und im Ganzen neigen die Deutschen nicht unbedingt zu Dekadenz. Doch dieses Gesetz verliert offenbar seine Gültigkeit, sobald es ums Internet geht. Dann blättern Gutbetuchte gerne auch mal bis zu 3200 Euro pro Nacht hin, um in ihrem Hotelzimmer die Verbindung ins World Wide Web zu kappen „Das gönne ich mir jetzt“, hört man die gestressten Manager seufzen, wenn sie mit Wonne auf den Knopf neben dem Bett drücken.

Alle 15 Suiten des Baden-Badener Luxusspas Villa Stephanie, Teil des Brenners Park-Hotels, verfügen über einen solchen Schalter. Ein in die Wände eingearbeitetes Kupfernetz fängt nahezu sämtliche WLAN-Signale ab – auch dann, wenn der Zimmernachbar sein Internet angeknipst lässt. Mehr noch: Jedes einzelne Kabel des Hotels wurde dreifach mit Kupferdraht ummantelt. Legt ein Gast den Schalter um, verzichtet er nicht nur aufs Surfen, sondern „relaxt in komplett elektrosmogfreier Umgebung“, sagt Hoteldirektor Frank Marrenbach.

Trend aus dem Silicon Valley

Klingt skurril, ist aber weltweit längst Trend. Der Ursprung der „Digital Detox“-Bewegung befindet sich ausgerechnet im Start-up-Mekka Silicon Valley. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ergibt auf den zweiten Sinn. Levi Felix war einer der Ersten, der technikfreie Wochenenden für gestresste Großstädter anbot. Vor seiner zweiten Karriere als Prophet der Digital-Abstinenzler arbeitete er nämlich selbst als Vizechef eines erfolgreichen Start-ups, arbeitete rund um die Uhr und schlief im Büro. Kurz vor dem Burn-out nahm er eine Auszeit und dachte nach. Dabei kam er zum Schluss, dass sein inflationärer Gebrauch von Smartphone und Tablet schuld am Fast-Zusammenbruch sein müssen.

Im Geiste sieht man Herrn Marrenbach freudig nicken. „Die ständige Erreichbarkeit ist Fluch und Segen zugleich“, sagt er. „Wir haben es noch nicht geschafft, Smartphone und Co. auf gesunde Weise in unseren Alltag zu integrieren.“

Auf welche Bereiche wirkt sich die Digitalisierung im Arbeitsalltag aus?

Die Zahlen bestätigen ihn: Gerade den Digital Natives fällt es zunehmend schwer, zwischen Privatleben und Beruf zu trennen. Eine Google-Umfrage ergab, dass die meisten Smartphone-Besitzer ihr Gerät kaum aus der Hand geben. Ob Zuhause oder am Arbeitsplatz, unterwegs oder in der Schule: 67 Prozent surfen sogar im Restaurant.

Doch braucht es dafür tatsächlich einen Ausschaltknopf? Reicht es nicht, das Handy einfach dann und wann auszuschalten? „Das hat eine psychologische Funktion“, sagt Marrenbach. „Die Geste macht es zu einer bewussteren Entscheidung und hilft deshalb bei der digitalen Abstinenz.“

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Seine Gäste geben ihm recht. Rund die Hälfte nehme sich irgendwann im Verlauf ihres Aufenthalts eine Auszeit, schätzt der Hotelchef. Und er selbst? Wie schaltet jemand wie Herr Marrenbach ab, der sich selbst als durchaus technikaffin beschreibt und neben dem Smartphone auch noch ein Tablet, einen PC und einen Laptop sein Eigen nennt? „Ich versuche, mein Handy am Sonntag nicht anzufassen, aber es gelingt mir nicht immer“, sagt er.

Wäre das nicht schön, wenn Herr Marrenbach im heimischen Schlafzimmer einfach einen Knopf drücken könnte.

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