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Drogen am Arbeitsplatz So pushen sich Manager nach oben

Drogen zur Leistungssteigerung werden in deutschen Unternehmen immer häufiger eingenommen. Oft geht der Missbrauch von Medikamenten oder die Einnahme illegaler Substanzen im Freizeitsport weiter.

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Mephedron-Tabletten, aus einem Amphetamin-Pulver gehören zu den Wirkstoffen, die auch am Arbeitsplatz eingenommen werden. Quelle: dpa

Es ist oft mindestens Missbrauch, in manchen Fällen strafbar – und immer häufiger anzutreffen: Drogen und leistungssteigernde Medikamente am Arbeitsplatz. Eine von der DAK in Auftrag gegebene Studie zufolge waren es 2008 knapp unter fünf Prozent aller Befragten, die angaben, bereits einmal Drogen oder Medikamente zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Im Jahr 2015 ergab die Studie unter 500 Befragten, dass die Zahl auf 6,7 Prozent gestiegen war.

In den seltensten Fällen sind es gleich harte, illegale Drogen wie Crystal Meth, die ein hohes Suchtpotenzial und erhebliche Nebenwirkungen haben.
Weit häufiger als Crystal oder Kokain sind, vor allem in Managerkreisen, legale, leistungssteigernde Medikamente, die zwar verschreibungspflichtig sind, aber relativ einfach beschaffen und zweckentfremdet werden können. In einer Handelsblatt-Umfrage gaben 2015 sieben Prozent der anonym befragten Führungskräfte zu, Medikamente regelmäßig zur Leistungssteigerung zu nehmen.

Ritalin: So verbreitet wie Wein und Bier?

Am weitesten verbreitet ist das konzentrationsfördernde Ritalin, das eigentlich zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen und Konzentrationsschwäche bei Kindern (ADHS) indiziert ist. „Es galt in vielen Konzernen lange als halblegaler Geheimtipp“, sagt ein Personalberater. Der Ritalin-Missbrauch sei seit einigen Jahren aber so weit verbreitet, dass man von Geheimtipp nicht mehr wirklich sprechen könne. Ebenfalls nicht selten als Leistungspusher eingesetzt wird Modafinil.

Die Drogen der Manager
Leistungspillen Quelle: dpa
BenzodiazepinePräparate wie Tavor, Valium oder Lexotanil, die zur Gruppe der Benzodiazepine gehören, sind schon lange in Managerkreisen im Einsatz. Es handelt sich um hochwirksame Beruhigungsmittel und Angstlöser. Vor allem Tavor ist in den Führungsetagen in den USA – aber zunehmend auch in Deutschland – weit verbreitet. Quelle: dpa
Ein Jugendlicher liegt 24.06.2010 in seinem Bett, auf dem Nachtisch liegen Schlaftabletten. Quelle: dpa
Ein Patient gähnt Quelle: dpa
Eine Packung des Medikaments Ritalin des Herstellers Novartis Quelle: dpa
Beschlagnahmte Mephedron-Tabletten, aus einem Amphetamin-Pulver, Quelle: dpa
Kokain Quelle: dpa

Über die USA – und besonders das hochleistungs-verherrlichende Silicon Valley sowie die New Yorker Wall Street – schwappte vor Jahren eine regelrechte Modafinil-Welle. Die US-Behörden reagierten mit verschärften Regeln, aber im Internet lässt sich das Medikament noch immer relativ einfach besorgen.

Auch an angelsächsischen Elite-Unis von Cambridge bis Harvards herrscht seit einigen Jahren eine regelrechte Modafinil-Epidemie. Je nach anonymer Umfrage geben bis zu ein Viertel der Studenten zu, vor Prüfungen damit zu dopen. Interessanterweise konzentriert sich die Diskussion in britischen und US-Medien darüber weniger auf Langzeitfolgen oder Gesundheitsschäden, sondern auf den moralischen Verstoß gegen das Gesetz des „Fair Play“: Wer Hirndoping betreibt, schummele.

Helferlein gegen Jetlag und Übermüdung

Beide Medikamente machen hellwach, steigern die Konzentration und damit scheinbar auch das Urteilsvermögen. Das Präparat Modafinil gilt bei Vielflieger-Managern als Helferlein gegen Jetlag und Übermüdung. Das Mittel ist eigentlich für Patienten gedacht, die an der relativ seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie leiden.

Die nächste Steigerungsstufe der rezeptpflichtigen Medikamente ist Aderall – nichts anderes als ein Amphetamin. Selbst Crystal Meth war in den 1920er und 30ern legal in Apotheken zu bekommen: Es wurde beispielsweise Kampffliegern im Zweiten Weltkrieg verschrieben, weil es euphorisch und wach macht, die Konzentrationsfähigkeit steigert, sowie ein Gefühl der Überlegenheit und Unverwundbarkeit vermittelt. In der Wehrmacht hieß die Droge „Panzerschokolade“. 

Diese Aktien versetzen Anleger in Ekstase
In Mexiko ist Cannabis jetzt legal erhältlich. Quelle: dpa
StimmungsumschwungUS-Präsident Barack Obama hatte im Januar mit der Bemerkung für Aufsehen gesorgt, er halte Kiffen nicht für gefährlicher als das Trinken von Alkohol. Zugleich bezeichnete Obama, der in seiner Jugend selbst zum Joint griff, das Rauchen von Marihuana in einem Interview mit der Zeitschrift "The New Yorker" aber als "schlechte Idee" und "Laster". Laut einer Umfrage des Nachrichtensenders CNN von Anfang des Jahres spricht sich mittlerweile eine Mehrheit von 54 Prozent der US-Bürger für die Legalisierung von Marihuana aus. Quelle: AP
MedizinIn 18 US-Bundesstaaten darf das Rauschmittel für medizinische Zwecke verwendet werden. Die medizinischen Bedingungen sind allerdings unterschiedlich streng. Während viele Staaten Marihuana nur bei Krebs und anderen schweren Erkrankungen erlauben, kann es in Kalifornien schon für Rückenschmerzen verschrieben werden. Quelle: AP
Was Banken dürfenIm Februar 2014 steckte die Regierung in Washington einen engen Rahmen ab, in dem die Finanzinstitute Dienstleistungen für die Cannabis-Branche erbringen können. Die Banken müssen demnach genau darauf achten, dass ihre Kunden über die nötigen Lizenzen verfügen und sich an die gesetzlichen Auflagen halten.  Dazu gehört unter anderem das Verbot, Marihuana an Minderjährige zu verkaufen oder mit Drogenkartellen zusammenzuarbeiten. Außerdem müssen die Banken den Behörden über ihre Marihuana-Geschäfte regelmäßig Bericht erstatten und „verdächtige Aktivitäten“ melden. Quelle: dpa
CoffeeshopsBisher konnten ihre Geschäfte nur in bar abwickeln. Die neuen Regeln würden „größere finanzielle Transparenz in der Marihuana-Industrie fördern“ und „die Gefahren reiner Bargeschäfte abschwächen“, begründete die Direktorin der Strafverfolgungsbehörde des Finanzministeriums, Jennifer Shasky Calvery, die neuen Richtlinien. Quelle: AP
GeldquellePer Volksentscheid legte Colorado die Steuern auf Cannabis fest: Im Großhandel beträgt die Abgabe 15 Prozent, im Einzelhandel zehn Prozent. Außerdem müssen Konsumenten die übliche Mehrwertsteuer von 2,9 Prozent entrichten. Allein im Januar flossen so 2,9 Millionen Dollar an Steuern und knapp 600.000 Dollar an Gebühren in die Staatskasse. "Der erste Monat des Marihuana-Verkaufs hat den Erwartungen entsprochen", sagte die Leiterin der Steuerbehörde von Colorado, Barbara Brohl. Quelle: dpa
Börsengang in KanadaTweed Marijuana Inc. ist der erste börsengehandelte Marihuana-Hersteller Kanadas. Die Aktie hat beim Börsendebüt Anfang April im Vergleich zum Preis der am 7. März erfolgten Privatplatzierung deutlich zugelegt. Zum Börsenschluss in Toronto kostete sie am vergangenen Freitag 2,59 Kanada-Dollar. Bei der Privatplatzierung betrug der Preis 89 Cent. Damit lag das Plus bei 191 Prozent. Quelle: Screenshot

Ritalin nehmen Manager, aber auch Vertriebler, Techniker, sogar Auszubildende, gern in Stresssituationen: Vor einer wichtigen Präsentation oder der entscheidenden Vertragsverhandlung mit einem wichtigen Kunden, vor dem Vorstellungsgespräch oder einfach nur, wenn sich am Schreibtisch mal wieder die Projekte zu überschlagen drohen und man scheinbar keinen Ausweg findet. Die Überforderung bekämpfen mit der chemischen Geheimwaffe. Ritalin gibt das Gefühl, Abstand und Übersicht zu gewinnen, sich besser konzentrieren und damit bessere Entscheidungen treffen zu können. Das Problem: Wie bei illegalen Drogen gewöhnt das Gehirn sich daran; setzt man es ab, kommen Entzugserscheinungen wie Konzentrationsschwäche oder Depressionen um so stärker zum Tragen.  Die amerikanische Drogenbehörde DEA stuft Ritalin als ebenso gefährliche Droge ein wie Heroin und Kokain.

"Ritalin wirkt bei Menschen mit ADHS genauso wie bei Menschen ohne. Es blockiert die Freisetzung von Dopamin, dem Botenstoff, der unsere Impulse verstärkt. Nimmt man Ritalin, verspürt man keine Impulse mehr, nicht mehr den Drang, herumzulaufen, schlafen zu gehen, eine Pause zu machen, etwas essen zu wollen. "Man kann die ganze Zeit durcharbeiten", schreibt Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Uni Göttingen.

Drogentest im Einstellungsgespräch

Warum der Medikamentenmissbrauch für Manager so verlockend ist, hat aber noch einen anderen Grund: Die Wirkung von Ritalin etwa ist zwar längst nicht so stark wie bei illegalen Substanzen wie Kokain oder Methamphetamin („Crystal Meth“). Bei manchen Menschen ist die Wirkung so schwach, dass sie es sofort wieder seinlassen. Dafür ist das Risiko, erwischt zu werden und sich damit eine Vorstrafe wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und damit das wahrscheinliche Karriere-Aus einzuhandeln, nicht gegeben.

 Es bleibt zwar ein Missbrauch. Doch die rezeptpflichtigen Medikamente lassen sich relativ einfach im Internet besorgen. Zahlreiche pseudo-Onlineapotheken bieten sie an, oft gekoppelt mit einer angeblichen Online-Diagnose durch einen Arzt. Die Päckchen werden, per Kreditkarte, PayPal oder Sofortüberweisung bezahlt, in unauffälligen Polster-Kuverts verschickt; das einzige Risiko ist, dass der Zoll sie abfängt und ein Ermittlungsverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. 

Drogentest beim Einstellungsgespräch

Viele Dax-Konzerne greifen auch deshalb bei neuen Mitarbeitern zu Drogentests. Bei Bayer ist dies seit 1997 gängige Praxis. Die neu einzustellenden Mitarbeiter müssen Urinproben abgeben, durch die sich der Konsum von Drogen nachweisen lässt. Von Beschäftigten unter Drogeneinfluss geht ein mögliches Risiko aus, argumentiert Bayer. Das Vorgehen sorgte prompt für Kritik. 2002 wurde Bayer mit dem „Big Brother Award“ ausgezeichnet, den der Datenschutz-Verein Digitalcourage vergibt. Das Argument der Jury: Wer den Bayer-Drogentest verweigere, habe schlechte Karten bei der Vergabe  der Ausbildungsplätze. Bayer betont dagegen, dass die Mitarbeiter im Vorfeld informiert werden und ihr schriftliches Einverständnis geben müssen. „Ein positiver Urintest ist allerdings kein alleiniges Entscheidungskriterium für die Ablehnung eines Bewerbers“, sagt ein Bayer- Sprecher.

Ebenso führt die BASF in Ludwigshafen routinemäßig Drogentests für neue Mitarbeiter durch. Dazu gibt es eine eigene Betriebsvereinbarung „Gegen Suchtmittelmissbrauch“. Zudem kommt ein Drogen-Check zum Einsatz, wenn ein Vorgesetzter glaubt, dass ein Mitarbeiter Drogen nimmt und die Arbeit dadurch beeinträchtigt wird. Bei Bewerbern um einen Ausbildungsplatz wird stichprobenartig ein Screening angesetzt.  

Beschäftigte, die Probleme mit Drogen haben, können sich in der Regel an die Beratungsstelle im jeweiligen Unternehmen wenden. Die Zahl der Beschäftigten, die sich mit Alkohol- oder Drogenproblemen an die Beratungsstellen wenden, sei  allerdings seit einigen Jahren rückläufig, heißt es bei Bayer.    

Leistungssteigernde Mittel auch im Hobby

Mit Feierabend endet der Missbrauch jedoch oft gar nicht – sondern beginnt erst recht. Der Leistungswille setzt sich vom Schreibtisch fort auf den Fahrradsattel. Für einen Artikel über Doping im Hobbysport befragte "Die Zeit" bei drei Triathlonwettbewerb anonym 3000 Teilnehmer. 13 Prozent gaben zu, bereits leistungssteigernde Mittel eingenommen zu haben.

In Arbeit
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Oft bewegen sich Hobbysportler unwissend in einer Grauzone. Medikamente, die frei verkäuflich sind und gegen Erkältung eingenommen werden, sind für Profisportler verboten. Wer es genau wissen möchte, prüft in der Medikamenten-Suche der Nada, ob die ihm verschriebene Arznei gar nicht oder nur im Wettkampf nicht erlaubt ist. Wer es lieber geheim halten möchte, hat so gut wie nichts zu befürchten. Drogentests bei den großen Marathons, Jedermannradrennen oder Triathlon-Wettbewerben finden praktisch nicht statt. Selten gelingt es den Dopingfahndern, Amateure der Einnahme von illegalen Substanzen zu überführen.

Für viele Sportler ist auch die Frage, wo Doping beginnt. So ist das Schmerzmittel Ibuprofen, das helfen kann, etwaige Schmerzen im Wettkampf auszublenden und so weiter teilnehmen zu können, nicht verboten. Gleichwohl verschafft sich derjenige, der ein Schmerzmittel einnimmt und so weiter seinen Körper belasten kann, einen Vorteil gegenüber den Teilnehmern, die das nicht tun.

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