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Ebbo Tücking "Heute gehört Fitness zum Dresscode der Macht"

Der Geschäftsführer der deutschlandweiten Maßschneidergeschäfte Cove & Co spricht über den Stil der Deutschland AG, den Rucksack von Anshu Jain und was das Einstecktuch mit der Finanzkrise zu tun hat.

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Adieu Tristesse!
Die Hemdenmode zeigt sich in dieser Saison besonders farbenfroh. Auch Pastelltöne dürfen nicht fehlen. Quelle: Digel
Hemden aus Denim sind ein Trendthema in dieser Saison. Sie eignen sich jedoch eher für die modische Spitze. Quelle: Cinque
Der Look wirkt besonders harmonisch, wenn sich die Farbe der Krawatte im Hemd wiederfindet. Quelle: Eterna
Grün feiert ein Comeback in dieser Saison und macht auch vor der Hemdenmode keinen Halt. Quelle: Boss
Farbenfrohe Muster in Hemden und Krawatten machen Lust auf den Frühling. Quelle: Eton
Weiße Hemden zählen weiterhin zu den Klassikern. Sie eignen sich besonders unter farbenfrohen Anzügen. Quelle: Cinque
In der Freizeitmode darf getragen werden, was gefällt. Bei diesem Modell liegt der Fokus auf auffälligen Applikationen und Stickereien. Quelle: Camp David

WirtschaftsWoche: Herr Tücking, Sie tragen heute einen mittelblauen Einreiher, zwei Knöpfe, weißes Hemd, gestreifte Krawatte, weißes Einstecktuch, Manschettenknöpfe und braune Oxford-Schnürschuhe – auf einer Skala von eins bis zehn: Wie mächtig sind Sie?

Tücking: Also ich belege mit Sicherheit keine zehn auf der Skala, dafür bin ich zu modisch angezogen. Als Chef eines Dax-Konzerns kleidet man sich anders.

Und wie?

Ein brauner Schuh zum Beispiel ist auf der Vorstandsetage nicht gern gesehen, dort trägt man traditionell schwarz. Der Schuh ist generell sehr wichtig. Er sollte immer rahmengenäht sein und einen klassischen Schnitt haben, etwa einen Monk, Cap Toe oder Half Brogue. Dazu einen schmal geschnittenen Einreiher, eine seidene Krawatte, Manschetten-Knöpfe – das ist der moderne Dresscode der Mächtigen.

So kleiden Sie sich richtig

Und was ist mit Managern à la Martin Winterkorn, der immer noch am liebsten weit geschnittene Zweireiher mit Nadelstreifen trägt?

Früher, etwa zu Zeiten der Deutschland AG, waren die Manager sicherlich noch ganz anders gekleidet. Aber das klischeehafte Bild des dickbäuchigen Unternehmenslenkers mit fetter Zigarre ist überholt. Heute gehört eine gewisse Fitness zum Dresscode der Macht. Dadurch sind die Anzüge heute körperbetonter und sportlicher geschnitten. So kann auch ein Zweireiher modern wirken. Aber egal ob Ein- oder Zweireiher: Der Anzug muss perfekt sitzen, die Umschlagmanschette muss exakt 1,5 Zentimeter unter dem Jackenärmel hervorschauen, der Krawattenknoten muss korrekt gebunden sein. Ich erkenne am Knoten sofort, ob der Träger geübt ist oder den Binder nur mit Wiederwillen trägt.

Zur Person

Welche modischen Fehltritte gilt es noch zu vermeiden?

Der bekannteste Fauxpas ist sicherlich Socken statt Strümpfe zum Anzug zu tragen. Ein nacktes Männerbein ist auf der Chefetage tabu. Ebenfalls zu vermeiden sind Hemden mit Brusttasche, vor allem um darin Zigaretten oder Stifte zu lagern.

"Es gelten andere Statussymbole als früher"

Welcher Manager verkörpert einen zeitgemäßen Dresscode der Macht?

Ich finde der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, ist ein gutes Beispiel. Er hat einen sehr angelsächsisch geprägten Stil. Wer einmal in London bei einer Investmentbank gearbeitet hat, der wird nie mehr mit einem geklebten Schuh rumlaufen.

Das bedeuten Dresscodes für Männer
Stufe 1: Baseline Casual für MännerDie Zeiten, in denen Anzug tragen Pflicht war, sind lange vorbei. Viele Unternehmen setzen jetzt auf den „Baseline Casual“-Look. Also: Hübsche T-Shirts oder Polohemden, dunkle Jeans ohne Waschungen und geschmackvolle, nicht zu sportliche Sneaker. Aber Achtung: Folgen Sie immer der +1/-1 Regel. Sie können immer eine Stufe schicker gekleidet ins Büro kommen und am „Casual Friday“ oder zu anderen entspannteren Events auch mal eine Stufe weniger schick. Kleiden Sie sich dagegen gleich zwei Stufen schicker, wirkt das nur overdressed und überheblich. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtige Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Business CasualHier bleibt die Jeans im Kleiderschrank, dafür darf die Krawatte raus – bei Bedarf. Grundsätzlich ist ein Anzug mit Hemd und darüber eventuell ein feiner Strickpulli absolut ausreichend. Quelle: dpa
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtigen Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 5: Boardroom attire für Männer Schick, adrett und schwarz-weiß - diese drei Schlagworte sollten bei diesem Outfit im Vordergrund stehen. Als Mann kommen Sie um einen schwarzen oder dunkelgrauen Anzug nun nicht mehr herum. Auch die Qualität spielt jetzt eine große Rolle. Weißes Hemd und unifarbene Krawatte machen das Outfit komplett. Quelle: Peek&Cloppenburg
Black Tie / Cravate NoireDamit ist keine schwarze Krawatte, sondern eine schwarze Fliege gemeint – die zum Smoking getragen wird. Quelle: REUTERS
White Tie / Cravate BlancheHier tragen Männer Frack mit weißer Fliege.  Dies ist bei besonders festlichen Anlässen wie dem Wiener Opernball angesagt. Und was ist mit den Damen? >>Das bedeuten Dresscodes für Frauen Quelle: dpa

Anshu Jain trägt aber auch Rucksack statt Aktenkoffer. Ist das mit seiner Position zu vereinbaren?

Es gibt heute verschiedene Manager-Typen. Mittlerweile kommt der Vorstandsvorsitzende auf dem Mountainbike und mit kurzer Hose am Samstag zu uns in den Laden. Das wäre früher undenkbar gewesen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch den Manager vom Schlag des ehemaligen Linde-Chefs Wolfgang Reitzle, der nie ohne Manschettenknöpfe in die Öffentlichkeit treten würde und vermutlich rechtlich gegen ein Foto von ihm in Freizeitkleidung vorgehen würde. Reitzle interpretiert seinen Status eben konservativer, als beispielsweise der Henkel-Chef Kasper Rorsted oder der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann.

Hat der moderne Manager gar keine Statussymbole mehr?

Doch, aber es sind andere als früher und vor allem lassen sie sich nicht mehr so einfach erkennen. Zum Beispiel Zalando-Gründer Oliver Samwer – der ist milliardenschwer und trotzdem sehr leger gekleidet und mit dem Rad unterwegs. Aber das heißt nicht, dass diese Generation keine teuren Uhren oder Füllfederhalter mehr tragen. Aber sie haben die goldene Rolex gegen ein dezentes Modell aus einer kleinen Manufaktur eingetauscht.

Ist daran die Finanzkrise schuld?

In den vergangenen 15 Jahren gab es einige einschneidende Ereignisse, die sich auch auf den Stil der Manager ausgewirkt haben. Zu Zeiten des Neuen Markts war der Anzug total out, ähnlich wie ein Oliver Samwer heute mochte man es damals eher leger. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase, feierte der Anzug sein Comeback. Konservativ war wieder angesagt, Manager wollten sich auch optisch von den hippen Startup-Gründern absetzen. Dann kam die Finanzkrise und auf einmal waren typische Insignien der Macht, wie zum Beispiel das Einstecktuch, wieder total verpönt, weil es ein Symbol für den skrupellosen Zocker von der Wall Street war.

Und heute?

Heute ist die Finanzkrise scheinbar überwunden und gleichzeitig blüht die Kreativbranche auf, es schießen wieder vermehrt Startups aus dem Boden. Es geht also wieder beides: leger und seriös. Je nach Branche und Geschäftsmodell.

"Die Mächtigen wollen sich durch ihre Kleidung nicht angreifbar machen"

Welche Branche kauft bei Ihnen ein?

Unsere Kundschaft ist gemischter als die meisten denken. Klar kommen viele Manager, Anwälte, Banker und Unternehmensberater zu uns – die haben auch den größten Bedarf. Aber zu unseren Kunden zählen auch Werber und Architekten. Oder der Bräutigam, der sich für seine Hochzeit einen maßgeschneiderten Anzug wünscht. Viele gehen auch zum Maßschneider, weil sie aufgrund ihrer Größe oder des Körperumfangs eine besondere Passform benötigen.

Trends



Zu ihren Kunden gehört auch der ein oder andere Vorstand eines Dax-Konzerns. Was kaufen die bei Ihnen ein?

Die meisten wollen es unauffällig und kaufen deshalb gerne dunkelgraue Anzüge. Gerade die wirklich Mächtigen wollen sich durch ihre Kleidung nicht angreifbar machen. Extravaganzen leisten die sich nur in den Details – etwa in Form eines ungewöhnlichen Innenfutters.

Wie viel muss ein guter Anzug kosten?

Es gibt einige Qualitätsmerkmale, auf die man achten sollte. Zum Beispiel sollte auch der Anzug nicht geklebt, sondern genäht sein. Um die 800 Euro sollte man schon investieren.

Was für einen Anzug sollte jeder Mann besitzen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich, manchmal sogar von Stadt zu Stadt. In Großbritannien würde man sagen: er sollte dunkelblau sein. In Deutschland hingegen wird dunkelblau häufig mit Uniform gleichgesetzt – deshalb würde ich hierzulande zu einem dunkelgrauen Modell raten. Am besten einen schmal geschnittenen Einreiher mit zwei Knöpfen. Die Jacke sollte tailliert sein, das Hosenbein auch am Oberschenkel körpernah anliegen. Das Sakko trägt man übrigens heute kürzer als früher, es muss nicht mehr den Hintern komplett bedecken.

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