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Entzauberte Mythen

Gesellschaft ist schöner als Geschenke

Belohnungen für Mitarbeiter greifen oft zu kurz. Dabei wäre es so für Unternehmen so einfach, Menschen dauerhaft für ihre Arbeit zu motivieren.

Die schrägsten und teuersten Rekorde rund ums Fest
Kostbarste Weihnachtsbäume Quelle: dpa
Höchster schwimmender Weihnachtsbaum Quelle: REUTERS
Imposantester WeihnachtsmannDer vielleicht imposanteste Weihnachtsmann war 2013 in einem Einkaufszentrum der brasilianischen Metropole São Paulo zu bestaunen: 20 Meter hoch, 7 Meter breit und 4 Meter dick - gefertigt aus Styropor und Glasfaser. Quelle: dpa
Berühmtester Weihnachtsklassiker Quelle: dpa
Meistverkaufte Single Quelle: dpa
Längster Lebkuchen Quelle: dpa
Weihnachtslämpchen Quelle: dpa

Es ist aber auch kompliziert. Das Weihnachtsfest ist vor allem mit Erwartungen überfrachtet. Doch während die Erwachsenen Zeit mit der Familie verbringen wollen, geht es für die Kinder vor allem um Geschenke: Sie geben nur das Nötigste und nehmen nach Kräften. Ein Prinzip, das in ähnlicher Form auch vielen Anreizsystemen zugrunde liegt. Wer etwas geleistet hat, bekommt anschließend einen Bonus. Und je höher dieser ausfällt, desto besser. So weit zumindest die Theorie.

Ohne Zweifel wirken hohe Belohnungen intensiv auf jene Regionen des Gehirns, die Glücksempfinden und Motivation steuern. Jeder Bonus führt zu einem kurzen Kick. Allerdings muss die Belohnung auch ein bisschen überraschend kommen. Das Weihnachtsgeld schon Monate im Voraus einzuplanen, spornt deswegen nur selten zu höheren Leistungen an.

Außerdem schwächt sich der Motivationseffekt von Boni schnell ab, Neuropsychologen sprechen vom „undermining effect“. Es scheint fast so, als würde eine regelmäßige Belohnung unseren inneren Antrieb untergraben. Am Anfang treibt ein Bonus in der Tat noch an, doch nach einiger Zeit gewöhnt sich unser Belohnungssystem daran. Fällt der Bonus weg, ist auch der innere Antrieb ruiniert – und umgekehrt muss man den Bonus immer mehr erhöhen, um dessen Wirkung konstant zu halten.

Zur Person

Kein Wunder, dass sich unser Gehirn so schnell an Belohnungen gewöhnt. Und das ist auch der Grund dafür, weshalb man sich selbst bei hohen Boni häufig unterbezahlt fühlt.

Es gibt jedoch eine Motivationsform, die sich nicht so leicht abnutzt. Diese können Sie an Weihnachten ebenfalls beobachten: soziale Kontakte. Eine angenehme Gesellschaft aktiviert das Gehirn weitaus vielfältiger als ein schnödes Geschenk. Denn ein geselliges Beisammensein ist immer wieder überraschend und nicht vorhersehbar. Eine Situation, die das Gehirn erst mal gern hat – zumindest, solange es harmonisch bleibt. Außerdem treibt uns die Gruppe an, was ebenfalls beim Geschenketausch deutlich wird: Wer ein Geschenk gibt, übt damit gleichzeitig ein bisschen Druck auf sein Gegenüber aus, sich gefälligst zu revanchieren. Auch wenn ein ständiges Geschenketauschen finanziell ein Nullsummenspiel bleiben mag, stärkt es den Zusammenhalt der Gruppe.

Die Wahrheit über unseren inneren Antrieb
Was treibt uns wirklich an?„Die uns eigene Motivation ist wie eine innere Maschine, die ein bestimmtes Produkt herstellt“, sagt die Autorin Mira Mühlenhof. Darauf sind wir fixiert und wir tun alles, um möglichst viel davon in unser Leben zu holen – jedoch ohne dass uns dieser Antrieb bewusst wäre. Das Phänomen dahinter ist der „blinde Fleck“. So gehören zu jedem unbewussten Persönlichkeitsmuster ein Selbstbild und daraus resultierend eine Stolperfalle. Für jeden, der dauerhaften Erfolg will, ist es unabdingbar, diese zerstörerische Kraft zu durchschauen und zu verwandeln - für mehr Authentizität und Leichtigkeit. Foto: Duracell Quelle: duracell.de
Streben nach dem BestenSie sehen sofort, was fehlerhaft ist, was korrigiert werden sollte, was noch besser geht. Ihre Anspruch macht Sie zum Reformer, Sie arbeiten stets am 100-prozentigen Ergebnis. Ihr Selbstbild: Ich mache es richtig. Die Falle: Ihre hohe innere Messlatte strengt andere an. Sie nörgeln und sind unlocker. Quelle: Fotolia
Helfen als GrundsatzIhnen fallen bei jeder Gelegenheit Menschen auf, die Ihre Hilfe benötigen. Sie unterstützen, wo und wann immer es geht. Dabei vernachlässigen Sie sich selbst und es fällt Ihnen schwer, auch mal etwas anzunehmen. Ihr Selbstbild: Ich helfe und bin liebenswürdig. Die Falle: Ihr Helfer-Syndrom grenzt an Manipulation. Sie helfen ungefragt. Das nervt. Quelle: Fotolia
Ich bin ein GewinnerMit ihrem Charme erobern Sie die Welt. Mit Ihren vielen Projekten und der leichten Art, sie umzusetzen, gehören Sie zu den Champions. Ihr Selbstbild: Ich bin erfolgreich. Die Falle: Sie mogeln sich durchs Leben, täuschen und blenden andere. Und vor allem sich selbst. Quelle: Getty Images
Die Perle liegt in der TiefeBloß nicht wie die Anderen sein – das ist Ihr Lebensmotto. Dennoch achten Sie darauf, was andere haben und was Ihnen fehlt. Das schürt Ihre Melancholie und Ihre Selbstzweifel. Ihr Selbstbild: Ich bin besonders. Die Falle: Ihr Leben ist ein immerwährendes Drama. Insbesondere für die anderen. Quelle: Getty Images
Professionalität reicht ausIhnen entgeht nichts, Sie sind bereits Fachmann auf Ihrem Gebiet. Dennoch forschen Sie unermüdlich nach neuen Erkenntnissen. Ihr Denkapparat arbeitet unermüdlich. Ihr Selbstbild: Ich blicke durch. Die Falle: Sie haben Angst vor Gefühlen. Wo bleibt das Zwischenmenschliche, das Herz? Quelle: Getty Images
Zu viel Neues muss nicht seinSie mögen Strukturen, Pläne und Strategien. Sie haben die Dinge gern in Ordnung, sind verlässlich und treu. My home is my castle. Ihr Selbstbild: Ich tue meine Pflicht. Die Falle: Sie können keine Entscheidungen treffen – aus der Befürchtung, es könnte die falsche sein. Sie sind ein kleiner Angsthase. Quelle: Fotolia

Warum deswegen nicht dieses Motivationssystem nutzen und Anreize umdrehen? Wer eine gute Leistung erbracht hat, könnte die Belohnung nicht persönlich erhalten, sondern die Kollegen bekommen sie. In der Schweiz machte man sich dieses Prinzip vor fünf Jahren zunutze, als man die Bürger zum Energiesparen animieren wollte.

Anstatt ein langweiliges Punktesammelsystem für gesparte Kilowattstunden zu installieren, bekamen die Kunden Bonuspunkte, wenn die Nachbarn fleißig sparten. Da man ständig sah, wie sehr sich die anderen beim Energiesparen bemühten, führte das zu einer positiven Form von Gruppendruck: Man bestärkte sich quasi gegenseitig in seiner Leistung – ohne autoritäre Überwachung von oben. Der Nachbar ist oft schon Kontrolle genug.

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