Equal Pay Day Ab heute verdienen auch Frauen wieder Geld

Demonstrantinnen mit DGB-Schildern fordern in Berlin

Der 18. März markiert symbolisch den Tag der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Nach neuester Statistik hat sich an dem Unterschied von 21 Prozent nichts geändert.

An diesem Sonntag ist rechnerisch der Tag, an dem Frauen in Deutschland beginnen, Geld zu verdienen. 77 Tage nach Jahresbeginn oder nachdem 21 Prozent des Jahres 2018 verstrichen sind. So hoch ist der unverändert gebliebene Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt kamen Frauen 2017 auf einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 16,59 Euro und bekamen damit 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen mit 21 Euro.

Während über den Wert von 21 Prozent mitunter gestritten wird – Gegner dieser Sichtweise führen an, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiteten und schlechter bezahlte Berufe freiwillig wählten – ist unstrittig, dass Deutschland im europäischen Vergleich damit auf den hinteren Plätzen landet. Im Women in Work Index des Beratungskonzerns Price Waterhouse Coopers landet Deutschland unter 33 OECD-Ländern in puncto Lohngleichheit auf dem fünftletzten Platz.

Auch innerhalb Deutschlands gibt es große Unterschiede. Laut Statistischem Bundesamt ist der sogenannte "unbereinigte Gender Pay Gap" im Westen um einen Punkt auf 22 Prozent gesunken, während er im Osten bei sieben Prozent verharrte.

Häufig zitierte Gründe für die ungleiche Entlohnung sind, dass Frauen und Männer oft in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig sind sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Zudem arbeiten Frauen häufiger als Männer in Teilzeit und sind öfter geringfügig beschäftigt. Hierdurch können laut Statistikamt rund drei Viertel der Verdienstunterschiede erklärt werden. Das verbleibende Viertel entspreche dem sogenannten "bereinigten Gender Pay Gap". Demnach verdienen Frauen im Schnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und ähnlicher Qualifikation pro Stunde sechs Prozent weniger als Männer.

Der Deutsche Juristinnenbund tritt dem entgegen und argumentiert, bei dem bereinigten Wert würden „Statistik und Recht unzulässig ineinander gesetzt“. Die ökonomischen Erklärungen für den Gender Pay Gap könnten die Unterschiede weder rechtfertigen noch legitimieren. Ein „geringeres Stundenentgelt für Teilzeitbeschäftigte oder von Personen mit Erwerbsunterbrechungen“ sei diskriminierend. Mit der Behauptung, Frauen forderten einfach zu wenig Lohn, kämen Arbeitgeber nicht davon; sie müssten trotzdem den Grundsatz der Entgeltgleichheit beachten.

Goran Barić, Chef des Personaldienstleisters PageGroup in Deutschland, sagte der WirtschaftsWoche, Unternehmen müssten viel früher anfangen, gezielt Frauen auf ihrem Karriereweg zu fördern. „Zu oft stehen Frauen heute noch vor der Entscheidung Kind oder Karriere. Sowohl die Politik als auch die Unternehmen sind hier gefragt, Ideen zu entwickeln“, so Barić. „Wir brauchen frischen Wind und müssen das Übel bei der Wurzel packen. Das grundsätzliche Problem sind nicht die Gehälter, sondern nur der letzte Schritt in einem viel weitreichenderem Prozess. Denn die eigentliche Frage ist doch, wieso die bestbezahltesten Positionen in Unternehmen weiterhin zum Großteil von Männern besetzt werden.“ Grundsätzlich bedürfe es eines grundsätzlichen gesellschaftlichen Umdenkens: „Es sollte keine Seltenheit sein, dass Männer eine längere Elternzeit nehmen und Frauen zur Übernahme von Führungspositionen ermutigt werden. Bereits im Schul- und Vorschulalter muss damit begonnen werden, Kinder dazu zu ermutigen, ihren Beruf ohne Gender-Schranken im Kopf auszuwählen.“

Bisherige politische Maßnahmen wie die Frauenquote hätten bisher wenig verfangen, meint der PageGroup-Chef. „Die gesetzliche Frauenquote geht meiner Meinung nach in eine falsche Richtung. In einem Bewerbungsprozess ist ein Unternehmen nun faktisch aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, sich im Zweifelsfall immer für eine weibliche Kandidatin zu entscheiden, um eine Quote zu erfüllen. Das ist unternehmerisch nicht tragbar und sendet die falschen Signale.“ Frauen müssten lernen, sich selbst besser zu vermarkten. „Das heißt im übertragenen Sinne: zur Marke werden. Die aktive Kommunikation der eigenen Stärken und Erfolge schafft eine gute Basis für Gehaltsverhandlungen und trägt dazu bei, den eigenen Wert auch bei möglichen Arbeitgebern zu steigern.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%