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Erfolgsrezepte eines Schlagerstars Das Geschäftsmodell Helene Fischer

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Junge Sängerin

Auch in diesem Sinne taucht Helene Fischer zum perfekten Zeitpunkt auf der Bühne auf: 2005, im Jahr ihres ersten TV-Auftritts, stirbt Papst Johannes Paul, die Auswirkungen des Tsunamis in Südostasien halten die Welt in Atem, Wirbelsturm Katrina zerstört in den USA eine Fläche von der Größe Großbritanniens. Und in Deutschland will Uwe Kanthak den Schlager retten. „Fischers Duett mit Florian Silbereisen beim ,Hochzeitsfest der Volksmusik‘ war absolut entscheidend für ihre Karriere“, sagt Martin Lücke, Professor für Musikmanagement. „Das hat ihr die nötige Medienpräsenz verschafft.“

Und die wird in der Schlagerbranche seit Jahrzehnten über den gleichen Kanal generiert: „Die Feste der Volksmusik-Shows haben inzwischen mehr langlebige Stars hervorgebracht als die wöchentlich ausgestrahlten Castingshows“, sagt Michael Jürgens, Erfinder des TV-Formats und Manager von Fischers Lebensgefährten Florian Silbereisen.

Warum ausgerechnet die damals völlig unbekannte Fischer einen Auftritt beim Hochzeitsfest bekommt? Manager Kanthak soll aus dem Umfeld des ARD-Senders MDR erfahren haben, dass für die Sendung noch eine junge Sängerin gesucht werde. TV-Mann Jürgens vertraut Kanthaks Vorschlag – und wird belohnt: Die Sängerin kommt so gut beim Publikum an, dass sie direkt für die nächste Tournee verpflichtet wird. Vom Herbst 2005 bis Frühjahr 2006 tingelt Fischer mit dem Volksmusikfest durch die Republik. Die Show gastiert in 53 Orten, jeder Auftritt ist bis zum letzten Platz ausgebucht.

Die Köpfe hinter Universal Music

Supermarkt-Eröffnungen, Einkaufszentren, Volksfeste

Fischer nutzt ihre erste Bekanntheit, um zwischen den Volksmusik-Auftritten bei Supermarkt-Eröffnungen, in Einkaufszentren und auf Volksfesten zu singen. „Klassischer Direktvertrieb“, nennt Marken-Experte Karsten Kilian von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt das. So wie sich auch Phil Knight anfangs nicht zu schade war, seine neuen Sportschuhe direkt aus dem Kofferraum zu verkaufen. Und aus seinem Ein-Mann-Vertrieb den Milliardenkonzern Nike entwickelte.

Während Fischer über Land tingelt, fädelt Manager Kanthak den nächsten Coup ein, um aus der talentierten Sängerin einen dauerhaften Verkaufsschlager zu formen: einen Plattenvertrag mit EMI, damals eines der größten Labels der Welt. Das wurde inzwischen von Universal geschluckt – heute ist Fischer dort unter Vertrag.

Etwa ein Euro pro verkauftem Tonträger

„Kanthak ist in der Branche extrem gut vernetzt“, sagt Schlagerpromoter Sepp Adlmann. Das zeigt sich auch bei der Auswahl des Teams, das der Manager für die Produktion des ersten Albums an Bord holt: Produzent wird Jean Frankfurter, der schon mit Schlagestars wie Patrick Lindner und Michelle arbeitete.

Die passenden Texte liefern Kanthaks Ex-Ehefrau Kristina Bach und Schlager-Urgestein Irma Holder, die schon die richtigen Worte für Udo Jürgens fand. „Wenn ein großes Talent zur richtigen Zeit auf das richtige Team und den richtigen Markt stößt, ist der Erfolg programmierbar“, sagt Markenprofi Krumrey.

Schon Fischers erstes Album spülte Geld in die Kassen – auch ihre eigenen: Laut Branchenexperten bekommt die Sängerin etwa einen Euro pro verkauften Tonträger, bei den Downloads fließen um die 20 Prozent auf ihr Konto. Insgesamt hat Fischer bis heute mehr als neun Millionen Platten verkauft.

Stolze Summen – doch im Zeitalter von Internet und Streamingdiensten wird Reibach vor allem mit dem Live-Geschäft gemacht. Schätzungen zufolge bekommt Fischer pro verkaufte Eintrittskarte zwischen 15 und 20 Euro. Auf ihrer Tournee zum aktuellen Album Farbenspiel wird die Sängerin bis Juli 2015 knapp 50 Konzerte absolviert haben.

Bis zu einer Million Zuschauer werden dann in die größten Hallen und Stadien Deutschlands geströmt sein, die Tournee dürfte um die 60 Millionen Euro einbringen. Hinzu kommt: „Für ein Privat-Konzert nimmt Fischer um die 250.000 Euro, für einen TV-Auftritt wird ein Honorar von rund 25.000 Euro fällig“, sagt Michael Laschet, der Prominente für TV, Veranstaltungen und Werbung vermittelt.

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