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Erschöpfungssyndrom Wie Burnout beginnt und wie Sie vorbeugen können

Die Deutschen fühlen sich gestresst wie nie. Bei einigen endet das im Burnout. Wie Sie der Erschöpfung vorbeugen.

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Ein Warnsignal: Von der Arbeit zu träumen Quelle: Illustration: Nicholas Blechmann

Sorgen um den Arbeitsplatz, Konflikte im Büro, Probleme im Privatleben – die Deutschen sind gestresst wie nie. Aktuell fühlen sich 75 Prozent der Arbeitnehmer übermäßig belastet, ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK in diesem Jahr. 29,7 Prozent klagen über häufige Kopfschmerzen, 26,7 Prozent können schlecht schlafen. Zehn Prozent glauben gar, wegen des hohen Stresspegels irgendwann umzukippen. Endstation: Burnout-Syndrom. Die Patienten der Kliniken und Therapeuten sind nicht mehr nur Top-Manager: „Alle Schichten und Branchen sind betroffen“, sagt Bernd Sprenger, Chefarzt der Oberbergklinik in Brandenburg (siehe Interview Seite 136). Das Problem: Man erkennt das Ausbrennen häufig erst, wenn es bereits zu spät ist. Umso wichtiger ist es, auf Warnsignale des Körpers zu hören und rechtzeitig gegenzusteuern.»

1 Nährboden

Nicht die Faulen erleiden ein Burnout, sondern viel öfter Engagierte und Leistungsträger. Etwa ein Viertel der deutschen Führungskräfte fühlt sich körperlich und seelisch erschöpft, ergab eine Umfrage des Online-Stellenmarktes Stepstone im vergangenen Jahr. Nicht selten werden sie zu Märtyrern ihres eigenen Anspruchs. Vor allem, wenn sie zu Perfektionismus neigen. Gefährdet sind ebenso jene, die sich unentbehrlich fühlen oder abhängig machen vom Lob anderer. Sie sollten Ihre Einstellung zum Job dringend überdenken (siehe auch Punkt 10).

2 Warnsignale

Ihr Ehrgeiz und Engagement wirken sich bereits auf das Privatleben aus: Nach der Arbeit können Sie kaum noch abschalten, sämtliche Gedanken schwirren um den vergangenen Tag. Vor dem Schlafen checken Sie noch die Büro-E-Mails und die Handy-Mailbox. Typisch: Fast jeder zweite Berufstätige kann nach Angaben des Branchenverbands Bitkom nur wenige Stunden auf sein Handy verzichten. Anschließend können Sie schlecht einschlafen, weil Sie über den nächsten Tag, die Aufgaben und Probleme brüten. Laut einer aktuellen Umfrage des Forschungsinstituts IWD beklagen derzeit 14,8 Prozent der Manager Schlafstörungen. Sie müssen dringend einen Gang runterschalten! Pflegen Sie sich und Ihre Gesundheit – etwa durch Sport am Feierabend (siehe auch Punkt 8).

3 Stimmungswandel

Sie stehen morgens mit schlechter Laune auf und denken mit Schrecken an den kommenden Tag. Sie haben Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen und anderen über längere Zeit zuzuhören. Die Fehler im Job häufen sich. Falls Ihnen doch etwas gelingt, können Sie sich darüber kaum freuen. Falls das nur eine vorübergehende Phase ist: okay. Sobald dieser Zustand jedoch chronisch wird, sollten Sie etwas dagegen unternehmen (siehe auch Punkt 9).

Zehn Prozent der Deutschen glauben, eines Tages stressbedingt umzukippen

4 Rückzug

Sie spüren, wie Sie physisch und psychisch abbauen. Sie werden zunehmend launisch und unvermittelt laut: Schon der kleinste Anlass lässt Sie explodieren. Sie bemitleiden sich und fürchten um Ihren Arbeitsplatz. Viele geben in dieser Phase geliebte Hobbys auf: Nach Angaben des Instituts Arbeit und Qualifikation schränken heute schon 55 Prozent der Mitarbeiter in der IT-Branche für den Job ihre Freizeitaktivitäten ein. Sie müssen Ihr Sozialverhalten überdenken: Beenden Sie Ihre geistige Emigration, suchen Sie den Kontakt zu Kollegen (siehe auch Punkt 7b).

5 Körperreaktionen

Druck und Stress kann der Körper nicht länger kompensieren. 64,8 Prozent der Manager leiden bereits an Kopfschmerzen, 32,8 Prozent an Rückenschmerzen, so eine Umfrage des Forschungsinstituts IWD. Typisch: Schon beim Aufstehen sind Ihre Muskeln verspannt. Die Kopfschmerzen bekommen Sie mit Tabletten kaum noch in den Griff. Schlafprobleme bekämpfen Sie längst mit Alkohol, Müdigkeit mit Kaffee, Nervosität mit Zigaretten. Viele lassen sich jetzt krankschreiben: Nach Berechnungen der Techniker Krankenkasse fehlten die Deutschen 2007 über acht Millionen Arbeitstage wegen Überforderung oder Ermüdung. Obacht! Sie zehren bereits von der Substanz.

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