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Fachkräftemangel Ausländische Akademiker finden Deutschland wenig attraktiv

Ausländische Akademiker sind laut einer aktuellen Studie in Deutschland oft nicht in Jobs tätig, die ihrem Qualifikationsniveau entsprechen. Quelle: imago images

Deutschland braucht Fachkräfte aus dem Ausland, bietet zuwanderungswilligen Akademikern einer Studie zufolge aber nur mäßige Rahmenbedingungen. Attraktiv geht anders. Wie groß das Problem ist, zeigt eine neue Umfrage.

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Der Fachkräftemangel ist für Unternehmen in Deutschland ein großes Problem. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vor einem Spitzentreffen im Kanzleramt an diesem Montag gaben 56 Prozent der Firmen an, dass dies das größte Geschäftsrisiko darstelle. Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.

Eine Ursache könnte in der mangelnden Attraktivität Deutschlands für zuwanderungswillige Akademiker liegen. Das deutet zumindest eine gemeinsame Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an. Demnach landet die Bundesrepublik bei der Attraktivität unter den mehr als 30 OECD-Industrieländern nur auf Rang zwölf. Das größte Defizit liege in den eher schlechten beruflichen Chancen hierzulande – besonders, wenn die Zugewanderten einen akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Ländern mitbringen. Bei Zuwanderern, die ein Unternehmen gründen wollen, landet Deutschland dagegen auf einem guten sechsten Platz in dem Ranking. Schaut man auf die – um Steuern und Preisniveau bereinigten – Löhne, sei Deutschland mit Rang 25 aber wiederum wenig attraktiv.

Die Arbeitslosenquote für zugewanderte Akademiker liege mit sieben Prozent leicht über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Weiteres Manko laut Analyse: Die ausländischen Akademiker sind oft nicht in Jobs tätig, die ihrem Qualifikationsniveau entsprechen. Das sei auch negativ für die Volkswirtschaft und halte andere gut ausgebildete Menschen davon ab, nach Deutschland zu kommen, betonte die Bertelsmann-Stiftung .

Bundesregierung, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften kommen am Montag im Kanzleramt zu einem Spitzentreffen zusammen. Dabei geht es darum, wie das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz schnell wirken kann. Es tritt am 1. März 2020 in Kraft und soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen. Die Fachminister der Regierung wollen sich zusammen mit Wirtschaft und Gewerkschaften im Kanzleramt darüber austauschen, wie das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz schnell greifen kann. Es tritt ab März in Kraft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor dem Spitzentreffen betont, dass Deutschland auf gut qualifizierte Fachkräfte auch aus dem Nicht-EU-Ausland angewiesen sei. Das im kommenden März in Kraft tretende Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll ihnen den Weg nach Deutschland erleichtern. Vor allem bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen brauche es in dem Gesetz aber Verbesserungen, forderte OECD-Experte Thomas Liebig.

Zuwanderungswilligen Akademikern bietet Deutschland einer anderen Studie zufolge nur mäßige Rahmenbedingungen. Bei der Attraktivität lande die Bundesrepublik unter den mehr als 30 OECD-Industrieländern nur auf Rang zwölf, heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, bezeichnete das Fachkräfteeinwanderungsgesetz als „gutes Gesetz“. In der „Passauer Neuen Presse“ (Montag) forderte er aber eine „rasche und unbürokratische“ Umsetzung – also in der Praxis zum Beispiel schnellere Visa-Verfahren. „Aktuell gehen wir davon aus, dass im Handwerk etwa eine Viertel Million Stellen unbesetzt bleiben müssen, da die Betriebe keine geeigneten und zum Teil nicht entsprechend qualifizierten Mitarbeiter finden.“

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, kündigte weitere Partnerabkommen mit anderen Ländern über die gezielte Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland an. „Die Bundesagentur wird weitere Partnerabkommen über die vereinfachte Arbeitsmigration nach Deutschland mit anderen Ländern abschließen, wie wir sie beispielsweise schon mit den Philippinen oder Mexiko haben“, sagte Scheele der „Rheinischen Post“ (Montag). Hier gehe es vor allem um Berufe im Gesundheitssektor.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will bei den Bemühungen gegen den Fachkräftemangel auch die Firmen in die Pflicht nehmen. „Ich glaube, wir müssen mit der deutschen Wirtschaft darüber sprechen, was die Wirtschaft selbst macht“, sagte der SPD-Politiker in der ARD mit Blick auf den Fachkräftegipfel im Kanzleramt am Montag. „Sie braucht eine Anwerbestrategie. Sie muss uns sagen, in welchen Ländern sie für welche Branchen auch Fachkräfte anwerben will.“ Das müsse man dann unterstützen, etwa durch eine unbürokratischere Visumserteilung. „Das heißt, die Wirtschaft muss erst mal aktiv werden. Und wir müssen bürokratische Hürden wegschaffen.“ Er sei zuversichtlich, dass dies gelinge, sagte Heil laut Manuskript zu der am Sonntag ausgestrahlten Sendung „Bericht aus Berlin“.

Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat den Abbau bürokratischer Hürden bei der Anwerbung gut ausgebildeter Zuwanderer gefordert.

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