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Fachkräftemangel "Unternehmen werden ihren Nachwuchs mit Apple-Computern locken"

In Zukunft werden viele Unternehmen ihren jungen Mitarbeitern erlauben, den eigenen Computer mitzubringen, sagt Computacenter Deutschland-Chef Oliver Tuszik im Gespräch mit wiwo.de.

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Oliver Tuszik, Chief Executive Officer von Computacenter Deutschland Quelle: PR

wiwo.de: Herr Tuszik, am Montag haben Sie angekündigt, die Geschäftskundensparte des deutschen Apple-Händlers Gravis zu kaufen. Was haben Sie mit der Gravis-Tochter HSD-Consult vor?

Oliver Tuszik: Apple mit iPad, iPhone aber auch mit den MacBooks erreicht mehr und mehr die Großunternehmen. Es gibt deshalb einen sehr hohen Bedarf, diese Geräte sicher in deren Unternehmensinfrastruktur zu integrieren. Dieser Trend ist nicht nur ein Gefühl. Die Anzahl solcher Aufträge nimmt rapide zu. Das hat zwei Gründe: Die Unternehmen müssen dem Druck ihrer Mitarbeiter nachgeben, die gerne Apple-Produkte im Job benutzen wollen. Zudem erkennen sie, dass ihre Kunden immer mehr über Apps auf iPad oder iPhone kommunizieren und sich hier ein ganz neuer Markt ergibt.

Können Sie Apple-Know-how nicht aus eigener Kraft aufbauen?

Das könnten wir natürlich selbst. Aber es würde viel länger dauern. Das Geschäft mit Apple-Produkten passiert allerdings jetzt und es gibt den Bedarf jetzt bei unseren Kunden. Sie verlangen, dass wir das können. Zudem beschäftigt sich HSD seit 25 Jahren mit Apple-Integration und hat eine langfristige Beziehung zu Apple. Das alles kann man nicht ersetzen. Wir dagegen können HSD eine flächendeckende Organisation, die notwendigen Skills und Erfahrungen und den Zugang zu großen Kunden bieten, vielen deutschen Großkonzernen.

Alle reden über iPad und iPhone. Wie ist die Nachfrage bei Apple-Rechnern?

Der Druck kommt eindeutig von den mobilen Geräten, also iPhone und besonders dem iPad. Allerdings glaube ich, dass wir in Zukunft mehr Nachfrage für Apples Macintosh-Rechner aus den Unternehmen erleben werden.

Warum?

In Schulen und Universitäten sind die Mac-Systeme eindeutig dominierend. Und die Schüler und Studenten von heute sind diejenigen, die in ein paar Jahren in den Unternehmen arbeiten sollen. Also wird in den Unternehmen auch der Bedarf an Apple-Rechnern steigen.

Sie meinen, die Unternehmen kaufen die Systeme, die ihre Mitarbeiter wollen?

Es gibt einen entsprechenden Trend. Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern neuerdings, ihren eigenen Rechner mitzubringen. Dazu geben sie ihnen einfach eine pauschale Summe, wofür sie sich ein Gerät ihrer Wahl aussuchen können. Der Konsument entscheidet also künftig mit, welche Systeme Unternehmen einsetzen. Hier könnten wir dann auch wieder mit dem Händler Gravis kooperieren, der den Nutzern die Geräte im Laden verkauft.

Das gibt es vielleicht in den USA, aber in Europa?

Wir glauben nicht, dass es so schnell und radikal wie in den USA passieren wird, aber wir sehen einen großen Treiber: Den Fachkräftemangel. Die Unternehmen werden alles tun, um junge Menschen zu begeistern. Schon jetzt sieht man den Trend, dass sich die Unternehmen bei Hochschulabsolventen bewerben, nicht umgekehrt. Das Leben und Arbeiten im Unternehmen muss interessant sein, und dazu gehört auch, dass Leute auf einem Mac arbeiten dürfen, wenn sie das wollen. Das wird zwar für die Unternehmen teurer, ist aber beim Kampf um Talente eine wichtige Waffe.

Googles mobiles Betriebssystem Android ist gerade dabei, bei den Verbrauchern Apples iOS zu überholen. Werden sie hier auch einsteigen?

Wir bauen hier bereits Kompetenzen auf. Allerdings sehen wir momentan bei unseren deutschen Kunden noch kein Android, in keiner Form. Ein Grund dürfte sein, dass die Einführung von Apple-Hardware oft durch Manager der Unternehmen getrieben wird, weil sie diese auch privat nutzen. Diese Manager haben privat keine Android-Geräte. Ich glaube aber, dass sich dies in ein bis zwei Jahren ändern wird.

Wie sind Sie im Ausland in Sachen Apple aufgestellt?

Unsere englischen und französischen Kollegen waren da schon weiter. In keinem Land sind wir aber so stark aufgestellt, wie hier jetzt mit HSD. Wir werden HSD auch europaweit nutzen. Schließlich denken unsere Kunden nicht lokal, sie wollen die Systeme auch in England, Frankreich oder irgendwo anders auf der Welt einsetzen. Das ist eine Chance. Einen europaweiten Systemintegrator für Apple-Produkte gibt es noch nicht.

Das klingt, als müssten Sie bei HSD das Personal aufstocken?

Wir müssen und werden den Personalbestand definitiv erhöhen. Wir haben da schon einiges vorbereitet, damit wir hier schnell weitere Mitarbeiter hineinsetzen können, etwa mithilfe von Trainee-Programmen. Zum Glück bildet HSD selbst aus und hat zertifizierte Ausbilder. Aber selbst so wird es eine Herausforderung, den zukünftigen Bedarf zu decken.

Wie lange wird der Apple-Boom noch anhalten?

Ich bin überzeugt, noch mindestens ein Jahr, wenn nicht zwei. Und danach wird auch nur der Marktanteil von Apple schrumpfen. Der Markt selbst wird aber rasant wachsen, vor allem der für Tablett-Rechner.

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