Fehlzeiten Arbeitnehmer waren wieder häufiger krank

Im Durchschnitt fehlten 2011 kranke Arbeitnehmer in Deutschland 12,6 Tage - insgesamt sind das 460,6 Millionen Tage. Psychische Krankheiten haben deutlich zugenommen.

Wovon die Deutschen krank werden
Schlechte Nachrichten: Laut dem neusten Gesundheitsbericht der Techniker Krankenkasse fehlen die deutschen Erwerbstätigen immer häufiger im Job. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fehlzeiten bei den TK-Versicherten insgesamt um gut vier Prozent gestiegen. Jeder Beschäftigte war damit statistisch gesehen einen halben Tag mehr krankgeschrieben als 2010. Damit sind die Fehlzeiten seit 2006 insgesamt um über 20 Prozent gestiegen. Hauptursache ist laut Bericht die mobile Kommunikation. Durch das ständige „erreichbar sein“ könnten viele Werktätige nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden und lebten quasi auf „stand-by“ - mit teilweise schwerwiegenden Folgen. Wer besonders stark betroffen ist.
Der TK-Gesundheitsreport analysiert jährlich die Krankschreibungen und Arzneimitteldaten von 3,7 Millionen Erwerbstätigen. Insgesamt wurden dazu 403 Millionen Fehltage aus den Jahren 2000 bis 2011 ausgewertet. Auch die Bundespsychotherapeutenkammer hat auf die Zunahme der Fehlzeiten im Job wegen Burnout-Diagnosen hingewiesen. Demnach ist die Zahl der Fehltage seit dem Jahr 2004 um fast 1.400 Prozent gestiegen. Die TK forderte deshalb Maßnahmen zur gesünderen Arbeitsgestaltung. Dazu gehöre, die moderne Kommunikation so zu nutzen, dass sie die Gesundheit der Beschäftigten nicht nur belaste, sondern Arbeit auch gesünder gestalte, etwa durch Home-Office-Angebote, Telefon- und Videokonferenzen. Quelle: dpa
Steigend sind besonders die Fälle von psychischen Krankheiten. Demnach sind die psychisch bedingten Fehlzeiten seit 2006 um 61 Prozent gestiegen. Besonders Frauen sind den Angaben zufolge davon betroffen, was laut TK daran liegen dürfte, dass sie öfter in Dienstleistungsberufen tätig sind. Quelle: dpa
Krankheitsrisiko: Umzug. Arbeitnehmer, die zwischen 2009 und 2011 aus beruflichen Gründen in einen anderen Kreis zogen, waren 2011 mit 4,01 Fehltagen fast doppelt so lange wegen psychischer Störungen krankgeschrieben wie Menschen, die im Heimatkreis arbeiteten (2,11 Tage). Wer den Job häufiger wechselt, ist der Studie zufolge ebenfalls öfter von seelischen Störungen betroffen: Ab drei Wechseln erhöhte sich das Risiko für psychische Erkrankungen etwa auf das Doppelte. Quelle: dpa
Krankheitsrisiko: Pendeln. Im Vergleich zu Berufstätigen, die nah am Wohnort arbeiteten (1,92 Fehltage), waren Pendler (2,18 Fehltage) aufgrund psychischer Störungen 0,26 Tage länger krankgeschrieben. „Mobilität und Flexibilität gehen auf die Nerven“, erklärte eine TK-Sprecherin bei der Vorstellung des Berichts. Quelle: dpa
Indikator: Bildung. Erwerbstätige ohne Berufsausbildung haben mit durchschnittlich 19,7 Tagen deutlich mehr Fehltage als Studierte (5,7). Quelle: dpa
Am gesundheitschädlichsten: das Baugewerbe. Laut dem Report sind Erwerbstätige in Bau- und Holzberufen mit durchschnittlich 19,5 Tagen am häufigsten krankgemeldet. Grund ist, dass die Gefahr eines Arbeitsunfalls in diesen Berufen deutlich höher ist als etwa bei klassischen Büro-Jobs. Gleiches gilt auch für Berufe im Agrar- und Verkehrsbereich. Quelle: dpa
Frauen sind häufiger krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen. 2011 meldeten sich im Schnitt 50,5 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer mindestens ein Mal krank. Bei den Männern waren es nur 44,2 Prozent. Quelle: dpa
Auch bei Verschreibungen liegen die Frauen vorne, wie der Arzneimittelreport der Barmer GEK zeigt. Demnach entfielen auf 100 Frauen im vergangenen Jahr durchschnittlich 937 Verordnungen. Dieser Wert liegt 22,3 Prozent über dem der Männer, die 763 Mal ein Medikament verschrieben bekamen. Besonders auffällig ist der Unterschied bei Psychopharmaka. Weibliche Patienten erhalten laut Report zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka als Männer. Männer bekommen dafür öfter Herz-Kreislauf-Mittel. Quelle: dpa

Mit 12,6 Tagen waren deutsche Arbeitnehmer 2011 wieder länger krankgeschrieben als im Vorjahr. 2010 fehlten sie durchschnittlich 11,3 und im Jahr davor 12,8 Tage. Dies meldete die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in ihrem Jahresbericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit".

Absolut musste die deutsche Volkswirtschaft demnach 2011 auf rund 460 Millionen Arbeitstage verzichten. Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit waren dem Bericht zufolge wie auch in den vergangenen Jahren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie Rücken-, Gelenk- und Muskelbeschwerden. Diese werden entweder durch hohe körperliche Belastungen oder bewegungsarme und einseitige belastende Tätigkeiten hervorgerufen. Rund jeder fünfte Krankheitstag war auf diese Diagnose zurückzuführen.

Die zweithäufigste Ursache waren Atemwegserkrankungen , gefolgt von psychischen Erkrankungen. Vor allem letztere waren in in den vergangenen Jahren verantwortlich für einen starken Anstieg der Fehlzeiten. Die Zahl ging innerhalb von nur drei Jahren um 44 Prozent von 41 Millionen auf 59,2 Millionen (2011) nach oben.

Der jüngst vorgelegte „DAK-Gesundheitsreport“ meldet, bezogen auf die in der DAK Versicherten, dass 2012 mehr Beschäftigte als je zuvor wegen psychischer Leiden arbeitsunfähig geschrieben wurden. Die Fehltage daraus haben sich demnach zwischen 1997 und 2012 mehr als verdoppelt.

Die Krankentage von Arbeitnehmern haben Schätzungen der BAUA zufolge 2011 Produktionsausfälle von 46 Milliarden Euro verursacht, sieben Milliarden Euro mehr als 2011. Diese Zahl beruht auf der Multiplikation der 460,6 Millionen Krankheitstage mit dem Durchschnittsverdienst. Mit 80 Milliarden Euro liegt die entgangene Wertschöpfung, die die Arbeitnehmer dem Bericht zufolge hätten erzielen können, sogar noch deutlich höher.

Die Zahl der Arbeitsunfälle hat dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent abgenommen. Sie lag 2011 bei rund einer Million. 664 der Unfälle während der Arbeit endeten tödlich: 520 am Arbeitsplatz, 144 im Straßenverkehr. 400 Menschen starben bei 190 000 Unfällen auf dem Weg von und zur Arbeit.

An den Folgen berufsbedingter Krankheiten starben 2560 Menschen. Besonders deutlich war im Jahr 2011 ein Anstieg der Todesfälle bei Asbestfolgeerkrankungen. Gravierende Folgen hatten zudem schwere Erkrankungen wie Lungenkrebs, Silikose oder radioaktive Verseuchungen.

Mit Material von dpa

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