Foodtrucks Aus dem Sternerestaurant in den Imbisswagen

Lieber Tacos und Currywurst statt Trüffel und Kaviar? Rosio Sánchez kochte in einem der besten Restaurants der Welt, nun verkauft sie ihr eigenes Luxus-Fast Food. So wie viele deutsche Sterneköche.

Hauptsache, die Zutaten stimmen: Sternekoch Stromberg vor seiner Imbissbude. Quelle: Presse

Vom Himmel auf die Erde. So hört sich die Karriere von Rosio Sánchez vermeintlich an. Fünf Jahre lang arbeitete sie in der Patisserie in einem der bekanntesten Restaurants der Welt. Das Noma in Kopenhagen ist stilbildend. Weil es wie kein anderes Haus den Siegeszug der skandinavischen Küche in der Haute Cuisine repräsentiert – und gleichzeitig den Hype um spanische Avantgardeköche beendete.

Die Gäste rangeln um die Plätze, Restaurantkritiker jubeln seit Jahren über Gerichte mit Moosen, Farnen und lebenden Fischen, die sich René Redzepi und sein Team einfallen lassen. Sánchez war zuletzt zwei Jahre in der Entwicklungsküche, die an künftigen Speisen tüftelt.

Edel-Tacos und großartige Zutaten

Nun also Tacos – aber natürlich nicht irgendwelche. Sánchez verkauft Tacos aus Maismehl, gefüllt mit sanft geschmortem Schweinebauch, knuspriger Kabeljau-Haut oder karamellisierter Rinderzunge – und zwar aus einem Imbisswagen, der vor der Kopenhagener Markthalle Torvehallerne steht. Die Tochter mexikanischer Eltern sieht das nicht als Abstieg, im Gegenteil. Als ehemalige Mitarbeiterin eines Gourmetrestaurants hat sie weiter hohe Ansprüche: „Ohne großartige Zutaten bekommt man kein großartiges Gericht“, sagte sie kürzlich der australischen Tageszeitung „The Australian“.

Die Idee, auch auf kleinem Raum vermeintlich profane Speisen in bester Qualität anzubieten, verfolgen weltweit immer mehr Gastronomen. Zu den Streetfood-Festivals der rollenden Restaurants treffen sich Menschen, denen die Herkunft der Produkte und die Qualität der Zubereitung wichtig ist. Gleichzeitig missfällt ihnen das starre Korsett eines Dinners im Sternerestaurant. Hierzulande geben sich die Betreiber der Foodtrucks Namen wie Bacon Bomber, Die intolerante Isi, Hackbaron oder Laugenbekenntnis.

Die wertvollsten Fast-Food-Marken

Auch erfolgreiche Köche wollen sich mit aufwendigen Zubereitungen und guten Zutaten von der Imbisskultur mit ranzigem Fett und billiger Wurst abheben. Zum Beispiel Fernsehkoch Mario Kotaska, der gerne mit seinem Currywurst-Imbissanhänger vorfährt, auf dem „bratwerk“ steht. Oder Holger Stromberg. Der ehemalige Sternekoch aus Waltrop verköstigt die Fußballer der Nationalmannschaft und betreibt ein Cateringunternehmen.

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Außerdem hat Stromberg schon vor sechs Jahren neben seinem damaligen Restaurant G-Munich ein altes Pförtnerhaus zu einer Currywurstbude umgebaut. Curry 73 nennt sich Strombergs Version des Imbisses. „Kein Gericht ist ungesund“, sagt Stromberg. Wichtig sei der Wille, die bestmöglichen Zutaten zu verwenden – egal, ob für die Wurst oder die Soße.

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Rosio Sánchez begab sich für ihre Zutaten an die Quelle, in den mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Dort entdeckte sie intensive Aromen, von Chilis bis hin zu Schokolade. Zurück in Kopenhagen, suchte Sánchez ein Jahr lang nach dem besten Mais. Heute mahlt sie auf einer aus Mexiko importierten Maismühle täglich frisch die Körner für den Taco-Teig. „Wenn ein Mexikaner hier bei mir einen Taco isst, soll er ihm ein wenig wie zu Hause schmecken“, sagt Sánchez.

Aufwand betreibt auch Frank Buchholz. Der Koch, regelmäßig Gast im ARD-Buffet, betreibt in Mainz sein mit einem Michelinstern ausgezeichnetes Restaurant. In diesem Jahr hat er sich mit seinem „Wild Dog“ einen Wunsch erfüllt und einen Foodtruck gekauft. Dafür ließ er einen Anhänger der ostdeutschen Marke Nagetusch, Jahrgang 1973, umbauen und mit allem ausstatten, was er für die Bewirtung von bis zu 200 hungrigen Mägen benötigt. Inklusive einem Kohlegrill, der vor dem Wagen aufgebaut wird.

Rosio Sánchez behauptet ihren Platz inzwischen täglich. Einer ihrer größten Fans ist ihr ehemaliger Chef René Redzepi. „Für mich ist es die Wiedergeburt einer Küche, die weltweit existiert, die wir in ihrer wahren Form aber erst entdecken müssen.“

Doch Redzepi spricht nicht nur warme Worte. Zwei Wochen vor der Eröffnung des Taco-Lädchens stand er mit Sánchez in der Küche – um seiner ehemaligen Mitarbeiterin beim Kochen zu helfen.

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