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Frauenpolitik Quote opfert Gleichberechtigung

Deutschland einig Quotenland. Die Gleichstellung der Geschlechter wird mit den ewig gleichen Schein-Argumenten zu einem Dogma erhoben. Die Gesellschaft bezahlt dafür mit dem Verlust des Verfassungsprinzips der Gleichberechtigung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kreise führender Frauen im Kanzleramt am 7. Mai 2013. Quelle: AP

 

Angekündigt war eine Podiumsdiskussion über Frauenförderung. Aber diskutiert wurde am Dienstag beim Brunch der Personalberatung PEAG im Düsseldorfer Ständehaus nicht. Auf dem Podium saßen die nordrhein-westfälische Ministerin für Emanzipation Barbara Steffens von den Grünen und die Vizepräsidentin der Westfälischen Hochschule Katrin Hansen. Und die waren sich einig: Wir brauchen Frauenquoten. Auch die moderierende Handelsblatt-Redakteurin wollte sich offensichtlich gar nicht vorstellen, dass irgendjemand etwas gegen Quoten haben könnte. So war das Gespräch, was Gespräche über dieses Thema in Deutschland fast immer sind: ein kollektiver Monolog, in dem die Sinnhaftigkeit der Quote nicht begründet, sondern vorausgesetzt wird.

Steffens und Hansen spulten professionell dieselben Argumente ab, die auch beim fast zeitgleich stattfindenden „Frauengipfel“ im Bundeskanzleramt zu hören waren: Die Quote ist überfällig, weil die bisherigen freiwilligen Maßnahmen der Unternehmen zur Frauenförderung nicht oder zu langsam wirken. NRW-Emanzipationsministerin Steffens: „Ohne Quote werden wir es erst schaffen, wenn es zu spät ist.“ Und Hansen assistierte: „Es gibt kein Unternehmen mehr, in dem man sich keine Gedanken über Frauenförderung macht. Aber es ist die Frage, wie schnell das greift.“

Zu langsam? Der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der 160 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX notierten Unternehmen ist zwischen Januar 2011 und März 2013 von 6,5 auf 11,1 Prozent gestiegen. Das ist in nur zwei Jahren ein Anstieg um rund 80 Prozent, zum Jahresende kann man möglicherweise von einer Verdopplung sprechen. Doch die einflussreiche Pressure-Group „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAr) spricht lieber von „4,6 Prozentpunkten“, die „nur eine marginale Verbesserung“ seien.

Die IT-Girls der Wirtschaft
Marissa Mayer: Sie ist das wohl bekannteste IT-Girl der vergangenen Wochen. Ihr Wechsel von Google zu Yahoo sorgte in den Medien für Wirbel. Mitte Juli wurde bekannt, dass die 37-Jährige als neue Vorstandschefin das angeschlagene Internetportal wieder auf Kurs bringen soll. Doch auch in Deutschland gibt es Frauen mit Sinn für Technik… Quelle: REUTERS
Padma WarriorPadmasree Warrior ist die Technik-Chefin bei Cisco Systems. Zuvor arbeitete sie in gleicher Position bei Motorola. Studiert hat sie am Indian Institute of Technology in Delhi, ihren Master absolvierte sie an der Cornell University in Ithaka, New York. 1984 kam Warrior als eine der ersten Frauen im Unternehmen zu Motorola. 23 Jahre sollte sie innerhalb des Unternehmens die Karriereleiter nach oben klettern, ehe Cisco die gebürtige Inderin abwarb. Quelle: Jeff Singer für WirtschaftsWoche
Tami Reller (links) und Julie Larson-Green Beide übernehmen von ihrem Vorgänger Steven Sinofsky die Leitung der Windows-Sparte im Hause Microsoft. Die Mathematikerin Tami Reller ist seit 2001 an Board des Unternehmens und wird sich künftig um das Geschäft des Software-Flaggschiffes kümmern. Zuvor stand die Microsoft-Finanzchefin der Marketing-Abteilung vor. Larson-Green arbeitet länger beim Konzern aus Redmond; seit 1993 ist sie mit dabei. Bisher war sie vor allem für die graphischen Oberflächen der Windows- und Office-Softwareprodukte zuständig. Unter ihrer Ägide wurde das Design von Microsoft Office 2007 und Windows 7 und 8 runderneuert. In der neuen Position wird Larson Green nun die technischen Aspekte des Windows-Betriebssystems verantworten. Quelle: dpa
Hauke Stars: Ab Dezember 2012 ist die 45-Jährige bei der Deutschen Börse für Informationstechnologie zuständig. Damit steigt eine weitere Frau in einen der Dax-30-Vorstände auf. Stars verantwortete zuvor für das Geschäft des Computerherstellers Hewlett-Packard in der Schweiz. Quelle: HP
Regine Stachelhaus: Die Juristin ist seit Juni 2010 IT-Vorstand bei Eon. Auch sie sammelte erste Erfahrungen in diesem Bereich beim Computerhersteller Hewlett Packard. Dort arbeitet sie 24 Jahre und arbeitet sich bis zur Geschäftsführerin im Unternehmensbereich Drucker und Bildbearbeitung hoch. Quelle: Eon
Bettina Anders: Die studierte Mathematikerin kümmert sich bei der Ergo Versicherungsgruppe um die Fragen der Informationstechnologie. Seit Oktober 2007 ist sie Vorstandsmitglied. Zuvor war sie Vorsitzende der Geschäftsführung des IT-Dienstleisters der Versicherung. Quelle: ERGO Versicherungsgruppe AG
Martina Koederitz: Die gebürtige Schwäbin leitet seit Mai 2011 das Deutschlandgeschäft des IT-Konzerns IBM. Die Betriebswirtin hat zuvor verschiedene Stationen im Unternehmen durchlaufen. Unter anderem leitete sie die Vertriebsorganisation des Unternehmens. Quelle: IBM

Der künstlich geschaffene Zeitdruck – meist mit dem angeblichen Fachkräftemangel notdürftig begründet – ist eine der argumentativen Keulen, mit denen in kürzester Zeit in Deutschland ein Konsens herbeigeprügelt wurde. Die Quote ist auf dem besten Wege ein ebenso alternativloses Ziel der politischen und wirtschaftlichen Eliten in Deutschland zu werden wie die Rettung des Euro. Ebenso wie die Euroretter verkünden auch die Quotenpolitiker immer wieder dieselben Kampfbegriffe. Zu den wichtigsten gehören die so genannten „gläsernen Decken“, also von Männern installierte Strukturen, die Frauen angeblich den Aufstieg in Organisationen verwehren. Belege für die Existenz dieser ominösen Hindernisse sind nicht vorhanden, aber auch nicht notwendig, solange der Glaube an sie immer wieder herbeigebetet wird.

Nicht fehlen dürfen in jeder Quotenpredigt auch die Klagen über die zu bekämpfenden „Seilschaften“ der Männer in Führungspositionen und der Wunsch nach mehr „Netzwerken“ von aufstiegswilligen Frauen. Auf die Frage, was denn der Unterschied zwischen beiden sei, erklärte Emanzipationsministerin Steffens geduldig: Männer-Seilschaften seien gleichbedeutend mit Klüngel, also: „Wenn inkompetente Männer trotzdem nach oben kommen“. Die Netzwerke der Frauen hingegen seien „inhaltlich“ motiviert, es gehe darum, geeignete Kandidatinnen zu finden. Da mochte Hochschulvizepräsidentin Hansen nicht widersprechen. Sie bekannte freimütig, ihre Professur über das „Netzwerk Frauenforschung NRW“ bekommen zu haben. Mit Klüngel habe das selbstverständlich nichts zu tun. Hansens Kompetenz besteht unter anderem darin, dass sie nun Gender-Aspekte in alle Lehrveranstaltungen einfließen lassen kann.

"Qualifikation statt Quote"

Die mächtigsten Frauen im Business
Nancy McKinstry Quelle: Presse
Platz 14: Ho Ching Quelle: REUTERS
Platz 13: Sandra Peterson Quelle: Bayer CropScience AG
Platz 12: Ornella Barra Quelle: Presse
Platz 11: Maria Ramos Quelle: World Economic Forum
Marjorie Scardino Quelle: REUTERS
Annika Falkengren Quelle: REUTERS

  

Dass es weniger Frauen als Männer in den Führungsetagen gibt, ist eine Tatsache. Doch dies muss nicht unbedingt an diskriminierenden Hindernissen und Männer-Seilschaften liegen, die es zu beseitigen gilt. Es dürfte vielmehr an einer ganzen Reihe von Faktoren liegen, unter denen das offenbar geringere Interesse der Frauen an bestimmten Karrierewegen und ihre Bildungs- und Ausbildungsvorlieben sicherlich eine große Rolle spielen. Allen „Girls’ Days“ zum Trotz wird nur eine kleine Minderheit der jungen Frauen Ingenieurin. Auch viele begabte Frauen, das zeigen sozialwissenschaftliche Untersuchungen, entscheiden sich für andere Wege als begabte Männer – nach freiem Willen. Vermutlich träumen weniger junge Frauen als junge Männer von einem Leben als Konzernvorstand. Darin, wie es die Bundeskanzlerin auf dem Frauengipfel am Dienstag formulierte, „eine Vergeudung von menschlichen Möglichkeiten“ zu sehen, zeugt von dem bevormundenden und zutiefst freiheitsfeindlichen Antrieb der aktuellen Gleichstellungspolitik. Wer ist denn die Kanzlerin, dass sie sich ein Urteil über die „menschlichen Möglichkeiten“ ihrer Mitbürgerinnen anmaßen könnte?

Auch wenn die staatliche Quote erst 2018 kommen sollte und zunächst auf Aufsichtsräte beschränkt sein sollte, das Prinzip Quote hat die Diskurshoheit schon jetzt erobert: Unkritische Aufmunterungsveranstaltungen wie der Frauengipfel der Kanzlerin und die unermüdliche Lobby-Arbeit von Organisationen wie FidAr und dem „Netzwerk Frauenforschung NRW“ haben es geschafft, dass die geringere Zahl von Frauen auf  bestimmten Führungspositionen als Indiz für Diskriminierung akzeptiert wird. Und dass nun Gleichheit durch eine rechtlich fixierte Ungleichbehandlung herbeigeführt werden soll. Dieses Ziel der Gleichstellung wird allgemein als so herausragend akzeptiert, dass offene Einwände gegen das Mittel Quote als unschicklich erscheinen. Immer mehr Unternehmen haben das Prinzip auch ohne gesetzlichen Zwang übernommen: Die Telekom, Allianz, BMW und die meisten anderen Konzerne haben sich feste Frauenquoten für Führungspositionen auferlegt.

Die frauenfreundlichsten Unternehmen
Fresenius Homburg Quelle: dapd
Ben Lipps Quelle: dpa
Gabriele Sons Quelle: Pressebild
K+S AG Quelle: dpa
Daimler Dieter Zetsche Quelle: REUTERS
Elizabeth Corley Allianz Quelle: Pressebild
Karl-Ludwig Kley Quelle: dapd

Ernsthafte und grundsätzliche Kritik am Weg in den Quotenstaat formiert sich daher fast nur außerhalb der Parteien und Unternehmen. Mit der „Frankfurter Erklärung“, einer Initiative des BWL-Professors Günter Buchholz, fordern einige Hundert Männer und Frauen, darunter viele Professoren, unter dem Motto „Qualifikation statt Quote“ das Ende der Gleichstellungspolitik. Es ist kein Zufall, dass die Kritik oft aus dem Wissenschaftsbetrieb kommt. Einem Sektor, der wie der gesamte öffentliche Dienst besonders stark von der staatlichen Gleichstellungspolitik betroffen ist. Eine hohe Frauenquote wird bei Evaluierungen von Instituten und Hochschulen als Qualitätskriterium angenommen – unabhängig davon, was die Frauen in Forschung oder Lehre tatsächlich leisten.

Buchholz und die 578 Unterzeichner treffen mit ihrer Kritik genau den wunden Punkt der Quotenpolitik: Gleichstellung ist nicht Gleichberechtigung, wie oft unterstellt, sondern bedeutet geradezu das Gegenteil davon. Das Grundgesetz fordert Gleichberechtigung – und eben nicht Gleichstellung. „Gleichberechtigung bedeutet die Gewähr gleicher Chancen bei erstens völliger Wahlfreiheit und zweitens Ergebnisoffenheit. Gleichstellung hingegen bedeutet Ergebnisgleichheit, unter Ignoranz oder gar Missachtung gleicher Chancen“, heißt es in der Erklärung. Und weiter:  „Gleichstellungspolitik ist ungerecht. Sie nimmt erstens die verfassungswidrige Diskriminierung von Männern nicht nur billigend hin, sondern sie betreibt sie vorsätzlich, während sie gleichzeitig eben dies verleugnet. Und sie diskriminiert zweitens auch Frauen, nämlich solche, die ihre Positionen allein durch ihre eigene Qualifikation und Leistung erreicht haben, und die jetzt erleben müssen, dass andere Frauen durch Gleichstellungspolitik ohne Ansehen ihrer Leistung beruflich aufsteigen können und an ihnen vorbeiziehen.“

 

Die Rückkehr der Privilegiengesellschaft


Wo Frauen ähnlich verdienen wie Männer - und wo nicht
Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Quelle: Fotolia
Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe Quelle: dpa
Führungskräfte Quelle: Fotolia
Akademische Berufe Quelle: dapd
Handwerks- und verwandte Berufe Quelle: dpa/dpaweb
Handwerks- und verwandte Berufe Quelle: dpa/dpaweb
Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei Quelle: AP

Dass es hinter dem Schleier der öffentlichen Quotenpropaganda bereits einen großen Unmut gegen die diskriminierenden Folgen von Gleichstellungsmaßnahmen in Unternehmen und im öffentlichen Dienst gibt, zeigte auch die Intranet-Revolte bei Daimler. Aus einem Beitrag einer Mitarbeiterin in einem Blog entwickelte sich eine hitzige Debatte, in der viele Kollegen ihrem Zorn über konzerninterne Frauenquoten freien Lauf ließen. Dadurch angeregt hat der Verein „agens“ in diesen Tagen einen Aufruf verfasst, um Berichte von Betroffenen zu sammeln. Es ist der erste Versuch, die psycho-sozialen und gesellschaftlichen Folgen der Gleichstellungsungerechtigkeit zu erfassen.

Aus dem Professor wird "Professx"
Mit dem X gegen KlischeesLann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, möchte mit einer kleinen Wortänderung traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als „Herr“ oder „Frau“ angesprochen würden, sagte Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von „Professx“ statt von „Professor“ oder „Professorin“ zu sprechen. Die neutralen Endungen entfernten den Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu müssen. „Die x-Form soll deutlich machen: Es gibt auch noch mehr als Frauen und Männer.“ Quelle: Fotolia
Schön dem Herrn Professorin zuhörenGleichberechtigung schön und gut. Eine Radikalkur in Sachen Feminismus gibt es an der Uni Leipzig: Dort sind Männer jetzt auch Frauen - zumindest sprachlich. Denn die neue Verfassung der Universität sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor. Schrägstrichbezeichnungen wie "Professor/in" entfallen und werden durch die weibliche Form ersetzt. So ist mit "Professorin" künftig auch ein Mann gemeint, worauf dann eine Fußnote verweisen soll. Die neue Grundordnung ist zwar noch nicht in Kraft getreten - doch mit einem Widerspruch rechne man nicht. Quelle: dpa
Frauenquote für StraßennamenFür Schlagzeilen sorgt die Gender-Debatte immer wieder. Derzeit steht die Namensgebung für Straßenschilder in Berlin-Kreuzberg im Blickpunkt: Das Jüdische Museum (Foto) möchte seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn benennen. Doch die Verwaltung sperrt sich dagegen, denn in dem Stadtteil gibt es seit 2005 eine Frauenquote für Straßennamen. Demnach muss die Hälfte  der Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, dürfen nur noch weibliche Namen vergeben werden. Quelle: REUTERS
Änderung der österreichischen NationalhymneNach langem Rechtsstreit hat Österreich seine Nationalhymne geändert, und ehrt nun nicht mehr nur die „Heimat großer Söhne“ sondern auch der „Töchter“. Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wurde nach jahrzehntelangen Debatten ab Januar 2012 in der ersten Strophe: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun „Jubelchöre" besungen. Das von manchen bevorzugte "Heimatland" statt "Vaterland" konnte sich hingegen nicht durchsetzen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Mädchen mit Pistolen in SchwedenSchweden gilt nicht ohne Grund als Vorreiter in Sachen Gleichstellung. Weihnachten 2012 nahm das neue Ausmaße an: Nach massiven Beschwerden über Rollenklischees in einem Spielzeug-Katalog wurde ein geschlechtsneutraler Katalog herausgebracht. Darin posieren kleine Mädchen mit Spielzeugpistolen, Fußbällen und Autos. Kleine Jungs dürfen dafür mit dem rosa Friseur-Set spielen oder Hunde, die mit Schleifchen dekoriert wurden, Gassi laufen. Quelle: dpa
Geschlechtsneutrale Vorschule in SchwedenUnd noch einmal Schweden. Dort gibt es eine umstrittene geschlechtsneutrale Vorschule namens „Egalia“. In der Einrichtung sollen die Kinder sich so entwickeln, wie sie es möchten, ohne in stereotype Rollenbilder gedrängt zu werden. Die Worte „Junge“ und „Mädchen“ werden nicht in den Mund genommen, stattdessen sagen die Erzieher/innen „Freunde“. Auch bei der Auswahl der Spielsachen werden Klischees vermieden. So gibt es etwa kein einziges Märchenbuch, weil Märchen Klischees vermitteln; traditionelle Lieder wurden umgedichtet. Quelle: dpa
Unisex-Toiletten in BerlinDer Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nimmt sich all jenen an, die sich beim Toilettengang nicht entscheiden können, welche Tür sie nehmen sollen. Wer sich weder als Mann, noch als Frau fühlt, soll zukünftig in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toilette nutzen können. Quelle: dpa/dpaweb

Der Quotenstaat, auf den wir zusteuern, ist ein tiefer Einschnitt in die rechtliche und gesellschaftliche Wirklichkeit. Seine Propagandisten und Profiteure sind eine zahlenmäßig ziemlich kleine Schicht von ohnehin schon gut gestellten Frauen, denn nur für sie, nicht für die Kassiererin, die Lehrerin oder Krankenschwester kommen die quotierten Führungsposten in Frage. Sie wollen, wie es in der Frankfurter Erklärung heißt „unter Verletzung des Leistungsprinzips, außerhalb des Wettbewerbs und unter Inkaufnahme der Diskriminierung von konkurrierenden Männern in berufliche und gesellschaftliche Positionen gelangen“. Bezahlen wird dafür die gesamte Gesellschaft, nicht nur durch die Effizienzverluste, die jede Verletzung des Leistungsprinzips mit sich bringt.

Die Gesellschaft bezahlt durch die Aufweichung eines kostbaren Verfassungsprinzips: Die Quote schafft einen Präzedenzfall für die Aushebelung des Gleichheitsgrundsatzes. Zum freiheitlichen Rechtsstaat gehört unabdingbar, dass am Beginn jedes Verfahrens gleiche Rechte stehen und der Ausgang offen ist. Quotenregelungen und Gleichstellungsmaßnahmen bedeuten genau das Gegenteil der hehren Ziele Emanzipation und Diskriminierungsverbot, mit denen sie oft in einem Atemzug genannt werden.

In Arbeit
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Auf dem Arbeitsmarkt des Quotenstaats wird jeder Mensch nicht allein nach seinen Fähigkeiten bewertet, sondern auch nach seinem Geschlecht, also einem angeborenen Merkmal. Die Quote ist daher ein Schritt zurück zur vormodernen Privilegiengesellschaft, in der die Geburt über Lebenschancen mitentschied.

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