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Freiberufler Fünf Selbstständige, die es geschafft haben

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Der Journalist, Jörg Stroisch, 35, Köln

Jörg Stroisch, 35, Köln Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

Mit der Medienkrise kennt er sich bestens aus. Nach seinem Studium der Sozialwissenschaften in Bochum heuert er im Jahr 2000 in einer Online-Redaktion beim Verlag Gruner+Jahr an – im September 2001 bekommt er die betriebsbedingte Kündigung. Ein paar Monate später tritt er eine Stelle als Immobilienredakteur beim inzwischen eingestellten Online-Portal Versum an. Schon wenige Tage nach seinem Dienstantritt geht dort eine Entlassungswelle durchs Haus. Stroisch behält seine Stelle zwar zunächst – aber mit der Vorahnung, dass es ihn auch bald erwischen könnte. Neun Monate später erfasst ihn die nächste Entlassungswelle. „Da es schon meine zweite Kündigung war, traf es mich nicht mehr ganz so unvermittelt“, sagt Stroisch heute. Seitdem arbeitet er als selbstständiger Journalist (Fachjargon „Freier“).

Der Job Die meisten Freien müssen viele unterschiedliche Bereiche abdecken, um finanziell über die Runden zu kommen. Stroisch schreibt Artikel für Online-Magazine, Kundenzeitschriften für Firmen und Bücher für den Haufe-Verlag; außerdem entwirft und betreut er Internet-Seiten, unter anderem Meineimmobilie.de und das Stadtreiseportal Miovista. Und er leitet Seminare zum Thema Online-Journalismus.

Die Anforderungen Universitäten, Fachhochschulen und Journalistenschulen haben Ausbildungsgänge im Programm, Verlage bieten Volontariate. Solche Abschlüsse erhöhen zwar die Chancen auf eine Festanstellung, „Journalist“ kann sich aber dennoch jeder nennen. Entsprechend gesättigt ist der Markt: 25.000 freie Journalisten gibt es nach Schätzung des Deutschen Journalisten-Verbandes.

Die Chancen Stroisch fragte sich schon während seiner Zeit als Redakteur, wie er als Freier erfolgreich sein könnte. Früher schrieb er am liebsten Reportagen und konnte auch einige veröffentlichen – allerdings wurde ihm schnell klar, dass Selbstständige in diesem Bereich keine großen Chancen haben. Deshalb legte er seinen Schwerpunkt auf vermeintlich trockene Finanzthemen wie Immobilien, Versicherung und Vorsorge. Stroisch machen sie Spaß, denn er weiß, dass die Leser davon „immer einen konkreten Nutzen haben“.

Die Risiken Vor drei Jahren stand Stroisch kurz vor der Pleite, einige wichtige Kunden sprangen ihm ab. Von der derzeitigen Krise, die auch die Medienlandschaft massiv erfasst hat, liest er allerdings höchstens in der Zeitung. Ihn selbst betrifft die Misere nicht, er bekommt fast jede Woche neue Anfragen.

Das Einkommen Das Gehaltstal hat Stroisch bereits durchschritten. Zu Beginn seiner Selbstständigkeit hatte er im schlechtesten Monat Einnahmen von mickrigen 80 Euro. Im Jahr 2007 setzte Stroisch hingegen 42.000 Euro um, im vergangenen Jahr waren es 68.000 Euro. Damit geht es ihm besser als vielen Kollegen: Nach Angaben der Künstlersozialkasse liegt deren Durchschnittseinkommen bei 13.570 Euro – pro Jahr.

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