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FührungsSpitzen BMW Das falsche Signal

BMW hat gerade verkündet, innerhalb von zehn Jahren den Frauenanteil im Management auf 15 Prozent verdoppeln zu wollen – und ist auch noch stolz auf so ein mutloses Ziel. Die Personalchefs in München haben offenbar bislang sehr selten engagierte Führungsfrauen getroffen, sonst wüssten sie: Mit so einem kleingeistigen Ansatz jagt man weibliches Talent davon und bittet die Politik förmlich um die Einführung einer Quote.

Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

BMWs Personalvorstand Harald Krüger war schlecht beraten, als er in der vergangenen Woche mit diesen Zahlen an die Öffentlichkeit ging: Auf der Ebene unterhalb des Vorstands sind von 60 Führungskräften bei BMW nur zwei weiblich. Im außertariflichen Führungsbereich liegt der Frauenanteil bei 8,7 Prozent und nun habe sich der – übrigens rein männliche - Vorstand ein Ziel von 15 bis 17 Prozent bis 2020 vorgenommen. Das heißt im Klartext: BMW will eine ganze Dekade verschwenden, nur um acht Prozentpunkte mehr weibliche Führungskräfte einzustellen oder zu entwickeln. Das ist ein Witz und fragte mich der Aufsichtsrat nach meiner Meinung, würde die lauten: Mit solchen Zahlen macht Ihr Euch lächerlich. Ihr braucht offenbar einen neuen Personalvorstand!

BMW demonstriert mit so einem halbherzigen Ansatz nämlich nur die geradezu vor-moderne Einstellung eines Unternehmens, das von Technik viel versteht, aber leider keine sozialwissenschaftlichen Studien lesen kann. Aus denen geht nämlich eindeutig hervor, dass sich einen dicken Wettbewerbsnachteil einhandelt, wer Diversity vernachlässigt. Unternehmen mit mehr weiblichen Managern sind nachweislich erfolgreicher als die üblichen weißen, männlichen Macho-Clubs. Außerdem wird aus demographischen Gründen das Führungspotential immer knapper und wer morgen intelligentes Management will, muss heute entsprechende Signale senden.

„15 Prozent oder so in zehn Jahren“ sind kein solches Signal, wie so ziemlich jeder weibliche Manager BMW auf Anfrage gerne hätte wissen lassen. Die Damen der Initiative „Generation CEO“ beispielsweise sind da sehr explizit. Dabei handelt es sich um bislang 80 Frauen, die ein Netzwerk aus Vorstandsvorsitzenden von Dax-30-Konzernen und Gesellschaftern von namhaften Familienunternehmen auf dem Weg in die höchsten Führungsgremien ideell wie finanziell unterstützt. Zur dahinter stehenden Gruppe gehören Bertelsmann, Haniel, Henkel, Mercedes Car Group, Otto Group, Siemens, Swisscom, Trumpf und Vodafone.

So droht die Quote

Die so geförderten Frauen selber formulierten die „Kronberger Erklärung“, in der sie nicht nur das Ziel von einem zwanzigprozentigen Frauenanteil in deutschen Vorstandsetagen formulieren, sondern auch seine schnellstmögliche Umsetzung empfehlen. Falls die  Unternehmen nämlich nicht selber bald glaubwürdige Schritte in diese Richtung einleiten, drohe eine gesetzliche Quotenregelung. Die Managerinnen sind der Meinung, dass  marktwirtschaftliche Prinzipien und die Selbstverpflichtung der Wirtschaft gesünder wären als gesetzlich verordnete Chancengleichheit.

Recht haben sie, denn EU-Justizkommissarin Viviane Reding droht angesichts von einem Frauenanteil in deutschen Vorständen von 2,5 Prozent und einem Gehaltsrückstand weiblicher Mitarbeiter von 23,5 Prozent ja längst mit dem Finger: „Deutschland ist eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder und sollte mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt Nachzügler zu sein.“ Die Botschaft ist unüberhörbar: Deutsche Unternehmen, die auch künftig keine gesetzlichen Regelungen in der Frauenfrage haben wollen, tun gut daran, freiwillig aktiv zu werden.  

Krögers Einlassungen jedoch klingen, als habe er nie wirklich mit Frauen dieses Kalibers diskutiert, andersfalls wäre er mit seinem mickrigen Plan nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Dann wüsste er nämlich, dass er mit Sätzen wie „im Technikbereich könnte ich derzeit eine 30 Prozent Quote aber gar nicht erreichen, ohne Männern zu kündigen“ potenziell interessierte Frauen eher in die Flucht schlägt, signalisiert er doch, dass die alten Strukturen im Betrieb keineswegs angegriffen werden. Entlarvend ist auch der Satz, mit dem Kröger auf die Frage nach Betriebskindergärten reagiert: „Die Frage der Kinderbetreuung ist wichtig, an der Stelle ist aber auch der Staat gefordert, nicht nur die Unternehmen.“ Im Grunde hätte er gleich sagen können: „Bei uns bleibt alles, wie es ist!“ Frau Reding in Brüssel wird es zur Kenntnis genommen haben.

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