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Gescheiterte Gründer "Der Kampf ist vorbei"

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Leider habe man sich vom Thema “Reichweite” blenden lassen und nicht geahnt, wie sehr diese Entscheidung das Unternehmen einholen würde. Zum Glück hatte er aus seinem früheren Projekt all4move noch ein gewisses Budget übrig und verdiente sich an den Wochenenden etwas Geld mit seiner Hobbyband dazu. Denn an Kazzong hing sowohl seine als auch Simmas Existenz.

Das endgültige Aus war trotzdem eine riesengroße Erleichterung für ihn. “Es ist, als ob plötzlich 200 Kilo von dir abfallen!” Das Aufatmen habe die Traurigkeit weit überwogen. Erst in diesem Moment bemerkte Riedl, wie groß der Druck in den vergangenen Monaten überhaupt gewesen war.

Nun konnte er sagen: “Der Kampf ist vorbei. Jetzt kommt etwas anderes.” Riedl nahm sich eine einwöchige Auszeit und dachte über seine Zukunft nach. Dann raffte er sich noch einmal auf und ging auf alle Menschen zu, die man in solch einer Situation nicht unbedingt sehen möchte: Gläubiger, Investoren und Insolvenzverwalter. “Dass wir uns nicht weggeduckt haben, wurde von allen Seiten mit Wohlwollen honoriert”, erinnert er sich. Auch gegenseitig verzichteten die beiden Gründer auf Schuldzuweisungen.

“Lieber klein und profitabel anfangen als groß und unerreichbar”

In der Reflektion des letzten Jahres kommt Riedl zu folgendem Schluss: Es waren vor allem strategische Entscheidungen wie der Verzicht auf die Monatsgebühr für Künstler, die dem jungen Unternehmen das Genick gebrochen haben. “Hätten wir einen kleineren Kuchen gebacken, hätten wir ihn zumindest gebacken. So ist uns mittendrin das Mehl ausgegangen.” Dies ist ihm eine wichtige Lehre geworden: “Lieber klein und profitabel anfangen als groß und unerreichbar”.

Dass er und Simma sich später für die Kooperation mit großen Labels entschieden haben, sei zwar kein wirklicher Fehler gewesen. Aber er habe sich im Vornherein nicht bewusst gemacht, was es im Einzelnen bedeutet. “Wenn man auf Kooperationen mit großen Unternehmen angewiesen ist, frisst das immer auch Ressourcen.” Ein Vertragsabschluss habe beispielsweise neun Monate lang gedauert. “Es kann immer auch in zwei Wochen klappen, aber dann ist man hinterher arm”, lacht Riedl. Außerdem müsse man sich fragen, ob man schon erfahren genug ist, um mit solchen Größen zu verhandeln.

Ein weiterer großer Nachteil sei gewesen, dass es keinen technischen Entwickler mit im Team gab, wodurch immer wieder das entsprechende Know-How gefehlt habe. Riedl rät jungen Gründern vor allem eine Sache: Je einfacher desto besser.

Von Anfang an müsse ein klares und eindeutiges Geschäftsmodell her, das auf Fakten statt auf Annahmen beruhe. Außerdem sollte es die Möglichkeit geben, von Heute auf Morgen alle Kosten konsequent runterzufahren, “wenn man plötzlich mit dem Rücken zur Wand steht”. Auch Mitarbeiter zu entlassen sollte dann nicht umgangen werden – “die dunkle Seite am Gründen, die kein Gründer mag”.

Junge Gründer auf ihrem Weg mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, damit sie ihre Ideen “straight und effizient” umsetzen können, sieht er als seine neue “Berufung” an. Dafür hat er zusammen mit Andreas Dengler im April die Agentur DieGoldeneGans ins Leben gerufen. Da das Beraten von Gründern sein eigentlicher Traumjob ist, kann er sogar sagen: “Kazzong hat zwar nicht geklappt, aber was danach kam, ist noch viel besser.” Trotzdem hat er noch nicht völlig mit Kazzong abgeschlossen, denn noch immer können Interessenten bei ihm die Kazzong-Software und das neue Widget lizenzieren.

Dieser Artikel ist auf dem Portal „Deutsche Startups“ erschienen, wo in der Reihe „Offline!“ weitere Gründer über ihr Scheitern berichten.

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