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Geschlechtergleichheit Der „Daddy‘s Girl-Effekt“ beschert Frauen höhere Löhne

Eine neue Studie zeigt: Wenn Manager eine Tochter bekommen, fördern sie weibliche Angestellte stärker.  Quelle: Imago

Wer Vater einer Tochter wird, stellt eher Frauen ein und zahlt ihnen mehr. Das zumindest legt eine aktuelle Studie nahe. Woher kommt die plötzliche Empathie – und wo war sie vorher?

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Wenn wichtige Männer Kinder bekommen, warten sie nur darauf, ihre frisch gewonnenen Einsichten in die Liebe, die Arbeit und das Leben überhaupt zu teilen. Nur in wenigen Promi-Interviews fehlt deshalb diese eine Phrase, die unabhängig von der Profession des Befragten zuverlässig auftaucht. Egal ob Manager, Politiker oder Musiker, kaum jemand kann sich den Satz verkneifen, der mit den Worten „Seit ich Vater bin“ beginnt. Was dann folgt, ist mal mehr und mal weniger tiefschürfend. 

Ein Schweizer Microsoft-Manager erkannte zum Beispiel erst seit er Vater ist, dass in den Krisenregionen der Welt Kinder leben, denen es schlechter geht als seinen. Ein Berliner Sportsenator weiß erst seitdem er zwei Töchter hat, dass die Stadtparks vor allem auf männliche Sportler ausgelegt seien. Und ein deutscher Rapper fragte sich nach der Geburt seiner Tochter, ob seine frauenverachtenden Texte von früher ihr in irgendeiner Weise schaden könnten. Meistens will man vor allem die Nachfrage stellen: Und das merkst du jetzt? Gefolgt von: Und was änderst du daran?

Persönliche Erfahrung vonnöten

Selten lässt sich jedoch überprüfen, ob der vermeintliche Sinneswandel tatsächlich auch andere Handlungen nach sich zieht. Für einen bestimmten Fall haben nun aber zwei Ökonominnen versucht, den Beweis zu führen, nämlich für die Aussage: „Seit ich Vater einer Tochter bin, merke ich, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden." Auch hierfür bräuchte es nicht erst die persönliche Erfahrung, schließlich lässt sich das an den Fakten ablesen: Frauen verdienen weniger, sind seltener in Führungspositionen, aber häufiger in Teilzeit. 



Ändern männliche Manager daran etwas, wenn sie eine Tochter bekommen? Maddalena Ronchi von der Mailänder Bocconi Universität und und Nina Smith von der Universität Aarhus machen sich in ihrer aktuellen ökonomischen Studie mit dem Titel „Daddy’s girl“ auf die Suche nach einer Antwort.

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Standort erkennen

    Dazu untersuchen die Ökonominnen einen Datensatz aus dem dänischen Melderegister, in dem Informationen über einzelne Angestellte und deren Arbeitgeber zusammengefasst sind. So können sie parallel zu den Karriereverläufen die Entwicklung des Haushalts nachzeichnen und jedem Individuum ein Unternehmen zuordnen, außerdem Informationen zu den Mitarbeitern, die es verantwortet und die Zahl, das Alter und das Geschlecht der Kinder, die im Haushalt leben. 

    Umdenken unter Vätern

    So erkennen sie, ob ein Manager in einem Jahr Vater einer Tochter wurde und untersuchen, ob das die Zusammensetzung und Bezahlung der ihm unterstellten Mitarbeiter verändert hat. In ihrer dänischen Stichprobe fanden die Forscherinnen einen Beleg dafür, dass Väter von Töchtern tatsächlich umdenken. Nachdem ein Manager seine erste Tochter bekommen hat, stellt er vermehrt Frauen in Vollzeit ein, die besser ausgebildet sind und mehr verdienen. Als Folge steigt der Anteil der Frauen unter seinen Beschäftigten um 2,9 Prozent. Der Anteil der an Frauen ausgezahlten Löhne steigt um 4,4 Prozent. Dieser Effekt tritt bereits im Jahr nach der Geburt ein. Und er entsteht nicht, wenn ein Sohn zur Familie dazu kommt oder wenn die Tochter bereits das zweite weibliche Kind ist. 

    Tochter verändert Haltung gegenüber Frauen

    Woher dieses Umdenken kommt? Für Maddalena Ronchi und Nina Smith liegt es daran, dass durch die Geburt der Tochter die mögliche Benachteiligung aufgrund des Geschlechts präsenter ist und sich seine Haltung gegenüber Frauen verändert. Außerdem sehen sie in ihren Daten, dass sich der Effekt mit zunehmendem Alter der Tochter erhöht. Das lege nahe, dass Männer mit der Zeit lernten, welche Fähigkeiten Frauen hätten und welchen Hürden und Einschränkungen sie dennoch gegenüberstehen würden.

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    Diese Erklärung mag in manchen Fällen stimmen, generalisierbar scheint es aber nicht. Fehlt gut ausgebildeten Managern wirklich die Fähigkeit, einen ungerechten Umstand zu erkennen, wenn er nicht eine Angehörige im engsten Familienkreis betrifft? Werden die Mütter der Töchter nicht ebenso benachteiligt? Wenn überhaupt scheint der Trend noch relativ neu zu sein. Denn wenn frauenfeindliche Männer, die Töchter bekommen haben, stets ihren Sexismus abgelegt und sich für Gleichstellung eingesetzt hätten, wären die aktuellen Zahlen zur Geschlechterungleichheit nicht so deutlich. Die Autorinnen sind demnach auch skeptisch über die Lehren, die Entscheider aus ihrer Analyse ziehen könnten. Die Haltung von Männern gegenüber Frauen gelte es zu verändern. Ihre Studie zeige immerhin, dass das möglich sei. Es müsste also nur jeder Manager eine Tochter bekommen. 

    Mehr zum Thema: Eine exklusive Auswertung von 220.000 Datensätzen aus 500 Unternehmen zeigt, wie Beschäftigte und Führungskräfte bezahlt werden – und wo ein höherer Lohn für Sie drin ist.

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