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Gründertagebuch Suncoal: Guter Start ins neue Geschäftsjahr

Im Labor ist viel Betrieb, die Maschinen spucken Kohle aus: Für die Suncoal-Gründer fängt 2009 gut an. Im Gründertagebuch berichten sie über die Suche nach Geldquellen, Besuch vom Finanzamt und das Neujahrsbowling.

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Mitbegründer Christian von Olshausen, der die Produktion leitet, trifft Absprachen über Testläufe in der Anlage Quelle: Hans Scherhaufer für WirtschaftsWoche

Testläufe in der neuen Anlage, Verhandlungen mit Investoren, die Suche nach einem Beirat: Viel Zeit zum Durchatmen haben die vier Suncoal-Gründer Hans-Joachim von Massow, Friedrich von Ploetz, Tobias Wittmann und Christian von Olshausen derzeit nicht.

Im Hafen von Königs Wusterhausen bei Berlin kochen sie Biomasse wie Grünschnitt oder Klärschlamm zu Kohle. Dazu erhitzen sie die Abfälle mit Wasser auf 200 Grad, bis sich Wasserstoff von Kohlenstoff spaltet. Übrig bleibt schwarzer, energiehaltiger Schlamm. Er wird zu Kohlestaub getrocknet und als Energieträger verwendet. Das ist umweltfreundlich und schont das Klima. Denn wenn man die Biomasse einfach so verrotten ließe, würde dabei Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. So aber lässt sich dabei Energie erzeugen. Und das Verfahren hilft, die Versorgungslücke der Zukunft zu schließen, denn fossile Energieträger wie Erdöl oder Steinkohle werden knapp.

Mit dieser Geschäftsidee gewannen die vier Jungunternehmer den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb, den wir jedes Jahr mit der Werbeagentur Jung von Matt, dem Privatinvestoren-Netzwerk BrainsToVentures, der Kanzlei White & Case, der Personalberatung Heidrick & Struggles und dem Unternehmerverbund Entrepreneurs’ Organization ausschreiben. Seitdem verfasst Hans-Joachim von Massow exklusiv ein Gründertagebuch. In der vierten Folge berichtet er über Experimente in der neuen Anlage sowie die Suche nach neuen Geschäftspartnern und ersten Umsatzquellen.

2. Dezember

Wir treffen uns mit einigen Wissenschaftlern, mit denen wir kooperieren. Mit den Klima- und Bodenforschern diskutieren wir über den Beitrag von Suncoal für die Energiewirtschaft und den Klimawandel. Suncoal passt in die Infrastruktur klassischer Energieversorgung und ist gleichzeitig CO2-neutral. Darin sehen die Experten eine realistische Chance für die Technologie.

Abends gehen wir in Berlin essen. Seit Langem mal wieder eine entspannte Atmosphäre fern des Arbeitsplatzes. 

3. Dezember

Buchpremiere vor 500 Gästen im Frankfurter Naturmuseum: Tobias ist nicht nur Gründer, sondern auch Autor. Mit einigen Mitstreitern hat er ein Buch namens „Gemacht für die Zukunft“ geschrieben. Darin stellen sie Unternehmen vor, die vorbildlich die Kreislaufwirtschaft praktizieren – zum Beispiel einen Konzern, der kompostierbare T-Shirts herstellt. Der Grundgedanke: Die Ressourcen, die sie zur Produktion von Waren verwenden, werden dem natürlichen Kreislauf später wieder zugeführt. So ähnlich ist es auch bei unserer Technologie. Die Beispiele zeigen: Es ist durchaus möglich, ökonomische Realität mit einem ökologischen Anspruch zu verbinden. Für Tobias ist der Abend auch eine gute Gelegenheit, Kontakte zu potenziellen Partnern zu knüpfen.

4. Dezember

Christian und ich stellen dem Vorstand eines Stadtwerks unsere Technologie vor. Im Unterschied zu den üblichen chemischen Verfahren wandeln wir Biomasse bei niedriger Temperatur und geringem Druck in Kohle um. Dabei bildet sich nur sehr wenig Gas. Und die Endprodukte Kohle und Wasser lassen sich gut trennen. Der Vorstand ist beeindruckt. Und das Stadtwerk wird womöglich einer unserer ersten Kunden, wenn unsere Technologie ausgereift ist. Bis dahin wollen wir den Vorstand auf dem Laufenden halten. Wir spüren: Es gibt Interesse an unseren Produkt. Und: Wir müssen Gas geben!

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