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"Alte Häuser bergen und neue Architektur in den Bayerischen Wald bringen"

Und dem seit zwei Jahren ein zweites, entschieden modernes Haus zur Seite steht: ein über die Hangkante gekippter Kubus, der bei aller Fremdheit das Maß des Dorfes aufnimmt, im Volumen und mit der Fassade aus Granitsteinen, wie sie früher in der Umgebung der Steinhauergemeinde gebrochen wurden. 200 Plätze fasst der neue Konzertsaal, eine Art Musikgrotte, ausgekleidet mit futuristisch gefaltetem Glasschotterbeton. 50 Konzerte jährlich bietet der in Blaibach lebende Bariton Thomas E. Bauer an, der Initiator und Betreiber des Konzerthauses, 25 Veranstaltungen organisiert die Gemeinde.

Industrielle Standardisierung zerstört Vielfalt der Architektur

Bürger-, Konzert- und Waldlerhaus sind Demonstrationen der Exzellenz, Bekenntnisse zur Bautradition in Niederbayern, wie schon das 180 Jahre alte Bauernhaus, das Peter Haimerl in seinem Heimatort Viechtach vor dem Verfall bewahrt hat, durch implantierte Betonkuben, die sich in ihrer Archaik dem Bestand kongenial einpassen. Haimerl will beides: „Alte Häuser bergen und neue Architektur in den Bayerischen Wald bringen – das ist mein Traum.“ Die Moderne, findet er, habe seit dem Bauhaus zu einer „wahnsinnigen Verarmung der Baukultur“ geführt, zu einer „industriellen Standardisierung“, die „wie eine Dampfwalze“ über den Reichtum regionaler Unterschiede hinweggegangen sei und den Sinn für die gewachsene Schönheit und Vielfalt der Architektur, für das, was „gut und angemessen“ ist, zerstört habe.

Sein Paradebeispiel ist das niederbayrische Waldlerhaus, das von einem „stabilen Kern“, einem „Grundmodul“ zusammengehalten werde: Eingang („Flez“), Stall und Stube, „einigermaßen quadratisch“, nach „Südosten ausgelegt“, mit einer Eckbank, einem Ofen und dem Herrgottswinkel – der Rest sei „unendliche Variation“. Aber davon wolle man nichts wissen im Bayerischen Wald. Auch die Architekten nicht, die oft zu Handlangern der Bauherren und der Industrie geworden seien. Man könne 1000-mal sagen, dass die alten Häuser ihre Qualitäten haben, „am nächsten Tag werden sie doch weggerissen“.

Zehn spektakuläre Gebäude bei Dunkelheit
Marina Bay Sands, SingapurErst 2010 eröffnet und schon das Wahrzeichen Singapurs: Das Marina Bay Sands Hotel. Bei Dämmerung bereiten sich die Drillingstürme, die über eine Plattform mit Swimmingpool verbunden sind, auf ihren großen Auftritt vor. Quelle: REUTERS
Marina Bay Sands, SingapurNachts setzt eine Lasershow das Gebäudeensemble in Szene. Quelle: dpa
Super Trees, SingapurHinter dem Marina Bay Sands wartet schon das nächste Architektur-Highlight. Die Super Trees sind mit Pflanzen bewachsene Stahlgerüste, die der Zucht seltener Pflanzen dienen. Quelle: Gemeinfrei
Super Trees, SingapurVor allem bei Dunkelheit wirken die Riesen wie Bäume von einem anderen Stern. Quelle: dpa
Ciudad de las Artes y de las Ciencias, ValenciaSchon bei Sonnenuntergang wirkt die "Stadt der Künste und Wissenschaften" in Valencia spektakulär. Die außergewöhnliche Architektur macht dem Namen des Komplexes alle Ehre. Quelle: Juandec, Creative Commons, CC BY 2.0
Ciudad de las Artes y de las Ciencias, ValenciaNoch futuristischer wirkt das Ensemble bei Nacht. Quelle: Jorge Franganillo, Creative Commons, CC BY 2.0
Banpo-Brücke, SeoulTagsüber ist die Banpo-Brücke in Seoul eine schnöde Balkenbrücke. Warum sie im Guinness-Buch der Rekorde steht, offenbart sich erst bei Dunkelheit. Quelle: Jordi Sanchez Teruel, Creative Commons, CC BY-SA 2.0

Deshalb hat Haimerl eine Art Architekturrettungswerk gegründet, die Aktion „Heimatloft“ in Viechtach, die Bauträgern und Bürgern gute Architektur und Denkmalschutz nahebringen will. Und die Firma Haus.Paten-Bayerwald, die alte Bauernhäuser kauft oder pachtet und zu „philosophischen Denkräumen“ umrüstet, „extrem hochwertig“ und „besonders“, um „Gegenbilder“ zu mobilisieren gegen die Abwertung des regionalen Bauerbes.

Entscheidend sei ein positives Image von Architektur. Daran arbeitet Haimerl als Architekt, Stadtplaner und Vermittler, der Investoren gewinnen will zur Rettung der alten Bestände, des „oiden Glump“. Der Bund Deutscher Architekten hat es honoriert und seinen Hauptpreis, die „Große Nike“, diesen Sommer an das Büro Haimerl und die Gemeinde Blaibach vergeben. „Unser Mut ist belohnt worden“, sagt Bürgermeister Wolfgang Eckl. Blaibach habe eine „Vorreiterrolle übernommen“ in der Region – ist Avantgarde auf dem Land.

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