WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Heiterbildung Wer hat Angst vorm bösen Markt?

Seite 2/2

Ein Löwenrudel in der afrikanischen Serengeti macht es uns vor. Bevor Löwen sich zum Angriff auf ein Beutetier entschließen, treffen sie instinktiv marktwirtschaftliche Entscheidungen. Sie machen gewissermaßen einen Businessplan.

Sie wägen Investitionen (Energieeinsatz) und möglichen Gewinn (zu erwartende Fleischmenge) ab und beziehen Risiken mit ein – große Beutetiere zum Beispiel sind wehrhaft und können den Jäger verletzten und damit sein Produktivkapital beschädigen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten (Mangel an Beute) gehen die Löwen größere Risiken ein und greifen auch tonnenschwere Büffel an, in ökonomisch günstigeren Zeiten (Überfluss) verlegen sie ihre Zukunftsinvestitionen in Form von Nachwuchs.

Der Erfolg des Rudels hängt dabei einzig und alleine davon ab, ob es ihm gelingt, am Ende in seiner Bilanz von Investitionen und Gewinn mindestens eine schwarze Null zu schreiben.

Nun haben die Löwen uns gegenüber marktwirtschaftlich einen großen Vorteil. In ihrer Welt gibt es bislang weder Regulierungsbehörden noch politische Gremien, die den Löwen geschäftliche Auflagen machen – wie etwa ein Beutelastenausgleich mit kleineren Raubtieren oder tarifvertragliche Ruhezeiten für Antilopen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Einzige, was auch die Löwen in Afrika seit geraumer Zeit kennen, sind Subventionen. In der Serengeti kommen die in Gestalt von Haustieren des Weges. Ein Rind ist so ungefährlich wie eine Ratte, so leicht zu erlegen wie eine Schildkröte, aber so nahrhaft wie ein Büffel – kurzum ein Bombengeschäft.

    Überall wo es genug Rinder gibt, verlegen sich die Löwen deshalb auf dieses Marktsegment. Und zwar auch in Afrika mit den bekannten Folgen: Langsam, aber sicher verlernen sie ihre Fähigkeiten zum Jagen von Wildtieren – sprich, sie werden marktuntauglich.

    Deshalb können sie auch nicht, bleiben die vierbeinigen Subventionen eines Tages aus, so ohne Weiteres zu ihrer traditionellen Lebensweise zurückkehren. Und da es auch keine Lobbyisten in der Serengeti gibt, werden sie zu Menschenfressern – das heißt, sie fallen dann erst mal über die Urheber der Subventionswirtschaft her.

    Schade, dass es das nur in der Serengeti gibt.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%