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Helga Rübsamen-Waigmann Forschen im Chefsessel

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Rahmenbedingungen statt Rabenmütter

Sieht sie ihre Laufbahn als Beleg dafür, dass jede Frau es schaffen kann, wenn sie Visionen hat und dafür arbeitet? „Eigentlich ja“. Sie bedaure sehr, dass nur so wenige junge Frauen den Sprung in leitende Positionen wagten und viele es scheuten, berufliche Herausforderungen einzugehen, sagt Rübsamen- Waigmann. So hätten auch zwei sehr talentierte Wissenschaftlerinnen es abgelehnt, ihr in die Neugründung AiCuris zu folgen und gingen zu einer etablierten Konkurrenzfirma, die ihnen sicherer erschien. „Es kommt aber auch auf die Rahmenbedingungen an“, betont sie, „eine vernünftig organisierte Kinderbetreuung etwa und eine Gesellschaft, die beruflich engagierte Frauen nicht als Rabenmütter abstempelt.“

Geklonte Menschen, Geklonte Ideen

Anders als viele erfolgreiche Wissenschaftlerinnen hält Rübsamen-Waigmann Frauenquoten durchaus für sinnvoll. „Man braucht sie einfach“, sagt sie. Denn von alleine ändere sich nichts – weder in den Vorstandsetagen der Industrie noch in den Präsidien der Universitäten habe sich in den letzten Jahren Entscheidendes getan. „Man muss sich nur die Zahlen ansehen: Unter den Studierenden haben wir mehr als fünfzig Prozent Frauen, doch sie gehen verloren und wir nutzen ihre Potenziale nicht“, kritisiert Rübsamen- Waigmann, die von 2001 bis 2007 im „European Research Advisory Board“ die Forschungspolitik der EUKommission beriet. In der EU sind nur 35 Prozent aller Forscher im öffentlichen Sektor weiblich und lediglich 15 Prozent der leitenden akademischen Positionen von Frauen besetzt, stellte im Frühjahr 2008 ein Bericht des EU-Parlaments fest. In der Industrieforschung sind EU-weit zu 18 Prozent Wissenschaftlerinnen beschäftigt, in Deutschland gar nur knapp zwölf Prozent. Qualifizierten Frauen kein gutes Karriereangebot zu machen, sei zunächst ungerecht, sagt Rübsamen-Waigmann. Wichtiger aber seien die wirtschaftlichen Konsequenzen. Angesichts des Mangels an Fachkräften könne die Gesellschaft sich diese Verschwendung von Potenzial einfach nicht leisten, ist Rübsamen-Wagmann überzeugt. Eine Reihe von Studien belegte zudem, dass verschieden besetzte Teams auf Herausforderungen besser reagieren als einseitig zusammengestellte – also erfolgreicher sind. „Logisch“, sagt sie, „geklonte Menschen produzieren geklonte Ideen.“

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