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Hyperagilität Hinter New Work steckt eine alte Idee

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Es gibt Digitalisierungsgewinner und -verlierer

Was motiviert aber die neuen Arbeiter, wenn es nicht bloß eine Flucht hinaus aus Strukturen ist, die dann auf andere Weise doch wieder gesucht werden? „Sie wollen Wertschätzung für ihre Arbeit erleben, selbstbestimmt sein, gestalten können und die eigenen Wirkkraft sehen. In einer klassischen Unternehmensstruktur kann das sehr eingeschränkt sein“, sagt Stefanie Bathen. Die Arbeitspsychologin sieht den Hauptauslöser in der Arbeitsumgebung und -organisation. „Es ist nicht eine Forderung einer bestimmten Generation, wie vielfach behauptet wird“, erklärt sie mit Blick auf verbreitete Thesen zur sogenannten Generation Y. Der wird nachgesagt, besonders nachdrücklich eine gute Work-Life-Balance einzufordern und Arbeitgeber ins Schwitzen zu bringen, weil sie sich nicht mit Geld abspeisen lässt.

Bathen glaubt, dass sich nicht so sehr die Wünsche ändern, sondern die Möglichkeit, sie auszusprechen. „Letztlich ist das auch bei allen Angestellten eine Frage, wie werde ich gesehen im Unternehmen, was gebe und was kriege ich dafür? Auch bei 50- oder 60-Jährigen kommt das Thema auf. Vielleicht ist die Zeit einfach gekommen, wo Arbeitnehmer äußern können, welche Anpassungen sie für gute Arbeit brauchen.“ Sie verweist auf den Philosophen Frithjof Bergmann, der bereits in den Siebzigerjahren den Begriff New Work prägte. Er sagte damals das Ende der "Job-Arbeit" voraus, plädierte für Freiheit und Selbständigkeit bei Nutzung der technischen Möglichkeiten - und eine Arbeit, "die man wirklich, wirklich will".

Einer der Gesprächspartner der Reisenden, der junge brasilianische Designer Igor in Lissabon, gibt der Diskussion um die angeblich so fordernde Generation Y eine nachdenkliche Richtung. Der Masterstudent bewirbt sich regelmäßig auf der Online-Plattform 99designs um Aufträge, die weltweit ausgeschrieben werden. Das Konzept dahinter entspricht voll und ganz New Work - und lässt neue Probleme entstehen. Wenn Igor den Zuschlag erhält, legt der Auftraggeber das Honorar fest, trotz einer Konkurrenz, die je nach Standort bei unterschiedlichsten Lebenshaltungskosten arbeitet. Er wirft auch die Frage auf, wer eigentlich den Preis für die auf solchen Portalen gehandelte regionale Handarbeit festlegen sollte: der Auftraggeber oder der Beauftragte. Igor lebt in Lissabon, weil er hier weniger Geld zum Leben braucht als in Brasilien. Für seine derzeitige Situation als Single und Student sei es ok, sagte er zu Stefanie Bathen und Ingo Rütten. „Aber mit Familie und Kindern brauchst du mehr Sicherheit.“ Der Brasilianer sieht sein Nomadentum also klar zeitlich und auf eine konkrete Lebenssituation begrenzt.

Homeoffice: 10 Regeln für Arbeitgeber

Veränderungen positiv sehen – das gelingt jedoch immer noch nicht allen. Stefanie Bathen und Ingo Rütten berichten von einem Agenturchef auf einer Diskussionsveranstaltung. „Ist New Work nicht eigentlich eine Luxusveranstaltung für Unternehmen, denen es gut geht und die es sich leisten können?“, habe der gefragt. „Grundfalsche Annahme“, kontert Ingo Rütten. „Mitarbeiterorientierung ist eine zwingende Notwendigkeit, um einen guten Job zu machen und gute Mitarbeiter zu bekommen.“ Er räumt ein, dass es schon ein bestimmter Typus Mensch ist, der für neue Arbeits-Styles brennt und neue Modelle entwickelt. „Es gibt die Gewinner der Digitalisierung. Das sind diejenigen, die das Wissen und die Qualifikationen und die Möglichkeiten haben, ihre Arbeitsweise individuell zu gestalten und Mitspracherechte einzufordern. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die keine Möglichkeiten haben.“

Rüttens ernüchternde Prognose: Die Schere zwischen den Digitalisierungsgewinnern und jenen, deren Jobs wegdigitalisiert werden, wird größer werden.

Blicken Sie hinter die Kulissen eines agilen Unternehmens. Am 16. Mai 2018 ist der WirtschaftsWoche Club zu Gast bei dem Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen Sipgate. Mitgründer Tim Mois erklärt, ob das Konzept „New Work“ wirklich funktionieren kann. Jetzt anmelden.

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