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Innovationsatlas 2017 Deutschlands Ideenschmiede ist der Süden

E-Mobility, 3D-Druck oder Industrie 4.0: Ständig drängen immer neue Technologien auf den Markt. Und die deutschen Unternehmen sind gut gerüstet. Zumindest in einigen Regionen. Die meisten Innovatoren sitzen im Süden.

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Karl-Theodor-Brücke (Alte Brücke) mit dem Schloss und der Altstadt im Hintergrund in Heidelberg Quelle: dpa

In Süddeutschland, in Bayern und Baden-Württemberg, liegt vielleicht nicht das Herz Deutschlands. Wohl aber sein Kopf. Denn dort sind die innovativsten Unternehmen zu Hause. Die mit den frischsten Ideen, deren Umsatz zu großen Teilen Produkten geschuldet ist, die jünger sind als drei Jahre. Das zeigt der aktuelle Innovationsatlas vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das IW hat die Innovationskraft in deutschen Wirtschaftsräumen anhand von vier Kriterien analysiert:

  1. Forschungs- und Entwicklungsausgaben
  2. Anzahl der Patente
  3. Zahl der studierten Naturwissenschaftler (Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler, Techniker)
  4. Anzahl an Neugründungen im Tech-Bereich
  5. Breitbandausbau

Dass es ohne Letzteren nicht funktioniert mit Wirtschaft und Innovation, haben erst kürzlich wieder Studien des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung belegt: Wo kein schnelles Internet liegt, helfen die besten Ideen und die teuersten Forschungslabore nichts. Innovationen brauchen Netzwerke, um zu gedeihen.

Wer in ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens oder Mecklenburg-Vorpommerns wohnt, kann das bestätigen. Auf der anderen Seite nützt natürlich das beste Internet nichts, wenn Firmen und Gemeinden wenig in Forschung und Entwicklung (FuE) investieren.


Innovationsfaktor eins: Forschungs- und Entwicklungsausgaben

Das meiste Geld stecken nicht Berlin, München oder Hamburg in die Zukunft, sondern die Region um Wolfsburg und Braunschweig: Dort fließen 9,95 Prozent der Bruttowertschöpfung in FuE. Damit ist diese Region Deutschlands unangefochtener Spitzenreiter.

Außerdem ziehen einige forschungsstarke Regionen in Süddeutschland sowie von der Automobilindustrie geprägte Zentren der Metall- und Elektroindustrie den gesamtdeutschen Durchschnittswert für FuE-Ausgaben nach oben. Das Gros der Wirtschaftsräume, darunter besonders viele in Ostdeutschland, liegt jedoch deutlich hinter diesen Durchschnittswerten zurück.

Großstädte investieren übrigens – gemessen an der Wirtschaftsleistung – mehr als dreimal so viele Mittel in Forschung und Entwicklung als ländliche Regionen.

Ausnahme: Baden-Württemberg. Hier sitzen die sogenannten Hidden Champions in den städtisch geprägten Kreisen und treiben die Werte mit ihren Forschungsausgaben nach oben.

Patente und MINT-Fachkräfte


Innovationsfaktor zwei: Patente

Patente sind eine der aussagefähigsten Messgrößen für die Innovationskraft von Unternehmen und Regionen. Und wie auch bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung hat hier der Süden die Nase vorn. Baden-Württemberg und Bayern bringen es auf 287 beziehungsweise 236 Patentanmeldungen je 100.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Selbst dünn besiedelte ländliche Kreise in Baden-Württemberg melden mehr Patente an, als alle Großstädte in Nordrhein-Westfalen zusammen. Würde ganz Deutschland auf dem Niveau von Baden-Württemberg und Bayern Patente anmelden, läge es in einem internationalen Vergleich mit großem Vorsprung auf Platz eins.

Neben diesen beiden Patentkönigen gibt es aber auch positive Patentausnahme vom Oberbergischen Land über Ost-Westfalen bis hin zum Wirtschaftsraum um Wolfsburg. Auch die Wirtschaftsräume um Jena und Dresden stechen positiv aus dem Bild der allgemeinen Innovationsschwäche Ostdeutschlands heraus.


Innovationsfaktor drei: Anzahl der Naturwissenschaftler

Die meisten MINT-Fachkräfte – egal, ob Akademiker oder Kräfte mit dualer Ausbildung – arbeiten in den süddeutschen Wirtschaftsräumen. Hier kommen 83 MINT-Akademiker auf 1000 Beschäftigte. Im Osten und Norden der Republik sind Naturwissenschaftler dagegen Mangelware.

Wo die Hürden für ein MINT-Studium besonders hoch sind und wo nicht

Neben dem Süden gibt es in Deutschland jedoch noch zwei MINT-Hotspots: zum einen im Raum Dresden und zum anderen im Raum Aachen. Bei Letzterem ist wegen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen die MINT-Dichte sehr hoch.

Tech-Start-ups und Breitband

Innovationsfaktor vier: Techgründungen

Erstaunlicherweise ist die Start-up-Hauptstadt Berlin bei Neugründungen im Tech-Bereich nur Mittelmaß. In Süddeutschland (vornehmlich Baden-Württemberg) ist die Tech-Gründerszene zwar sehr aktiv, die Hochburg für technologieorientierte Unternehmensgründungen ist jedoch Thüringen. Dort kommen auf 10.000 Unternehmen je 42 Neugründungen in innovationsaffinen Branchen. Die dortige Gründerszene profitiert von speziell auf innovative Gründungen ausgerichteten Förderprogrammen des Bundes sowie von thüringischen Landesprogrammen.

Die Plätze zwei und drei belegen übrigens Baden-Württemberg und Sachsen.

Start-up-Ökosystem 2017: So sieht der Markt in Deutschland aus Sicht von Start-ups, Gründern und Investoren aus

In Nordrhein-Westfalen sieht es bei technologieaffinen Neugründungen dagegen ganz mies aus. Auch in der Region um Wolfsburg und Braunschweig herrscht Gründungsschwäche.


Innovationsfaktor fünf: Breitbandinternet

Dem Breitband auf der Spur - schnelles Internet, aber wie?

Je mehr Menschen in einer Region leben, desto besser sind sie in der Regel angebunden. In den Großstädten und dicht besiedelten Gegenden ist der Breitbandausbau also kein großes Problem. Entsprechend gut steht es um die Internetanbindung im hochverdichteten Nordrhein-Westfalen. Dort ist die Anbindung deutschlandweit am besten.

Bayern dagegen verfügt letztlich nur in den Ballungszentren über eine sehr gute Breitbandversorgung. Im ländlichen Raum – nicht nur in Bayern - sechs von zehn Haushalten Breitbandinternet.

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