Internationaler Männertag Lasst uns geschlechtsneutral schimpfen!

Am Internationalen Männertag sollten wir uns auch am Arbeitsplatz um die Verbesserung des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern kümmern. Beim Beleidigen könnte das anfangen. 

Was ein Mann vor seinem 50. Geburtstag getan haben sollte
Mindestens ein Kind zeugenDas wichtigste zuerst. Männer kommen zwar nicht in die Wechseljahre, aber die Fruchtbarkeit nimmt mit dem Alter ab. Verlassen Sie sich nicht darauf, wie Charly Chaplin und Luis Trenker auch noch mit 80 Kinder zeugen zu können. Vermutlich wird das eher nicht klappen. Zumal Sie dazu auch noch eine deutlich jüngere Frau benötigen. Quelle: dpa
Einen Baum pflanzenDie Bibel hat recht. Zumindest in diesem Fall. Pflanzen Sie am besten einen Obstbaum, dessen Wachstum Sie miterleben und dessen Früchte Sie alljährlich genießen können. Quelle: Fotolia
Dem Chef die Meinung sagenGängeleien, Demütigungen, Ungerechtigkeiten. Irgendwann ist es genug, wenn Mann seine Selbstachtung und die der anderen nicht verlieren will. Wenn es zuviel ist, sagen Sie Ihrem Chef in aller Ausführlichkeit, was Sie von ihm halten. Lassen Sie am besten alles auf einmal raus. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie danach nicht nur Ihre Frustration, sondern auch Ihren Job los sind. Quelle: Fotolia
Eine Prügelei durchstehenNatürlich wird ein Gentleman nur in äußersten Notlagen handgreiflich. Aber wenn er tätlich angegriffen wird, lässt er sich nicht ohne Gegenwehr zusammenschlagen. Selbst wenn Sie unterliegen, werden Sie sich zumindest im Nachhinein besser fühlen, wenn sie nicht vor Angst gewinselt haben. Quelle: Fotolia
Einen Marathon laufenEs geht darum, sich selbst zu bezwingen. 42,2 km sind lang. Spätestens bei Kilometer 39 werden Sie leiden. Aber halten Sie durch. Wer einen Marathon gelaufen ist, weiß, dass er kein Weichei ist. Alternative: Mit dem Fahrrad über einen Alpenpass fahren. Quelle: REUTERS
Einen Berg besteigenEs muss nicht der Mount Everest sein. Aber den einen oder anderen schönen Berg sollte ein Mann bezwungen haben, solange das Herz mitspielt. Tun Sie es also dem Dichter Petrarca gleich, der 1336 den Mont Ventoux (1912 Meter) bestieg - "einzig von der Begierde getrieben, diese ungewöhnliche Höhenregion mit eigenen Augen zu sehen" - und damit als Urgroßvater des Alpinismus gilt. Quelle: AP
Einmal voll über die Stränge schlagenVöllig besoffen ins Bett getorkelt ist wohl fast jeder schon mal. Aber davon reden wir jetzt nicht. Es geht darum, dass Sie Dinge getan haben müssen, über die man in Ihrem Bekanntenkreis noch nach Jahren redet. Wie Sie das anstellen, überlassen wir Ihrer Phantasie. Zu viel des Guten ist es erst, wenn Sie von der Polizei in eine kleine gemütliche Zelle verfrachtet werden. Quelle: dpa
Liebesbriefe schreibenDas kann man natürlich auch noch mit sechzig, siebzig oder achtzig Jahren tun. Aber falls Sie vorher nicht jahrelang geübt haben, wird es dann vielleicht peinlich werden. Wenn Sie wissen wollen, wie es geht, lesen sie keine Internet-Ratgeber und vor allem nicht die Kitsch-Gedichte von Pablo Neruda – "Mein Herz, Du, mein Herz, Wurzel meines schweifenden Durstes" – sondern schauen Sie sich den Film "Cyrano de Bergerac" mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle an. Quelle: Fotolia
FallschirmspringenAls "Tandem" unter einem Profi-Springer braucht man fast keine Ausbildung und kann sich bei manchen Anbietern gleich am ersten Tag aus dem Flugzeug fallen lassen. Wahre Männer wollen natürlich alleine springen und nehmen einen entsprechenden Kurs in Anspruch. Anbieter findet man zum Beispiel hier. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Nacht unter freiem Himmel verbringenEchte Cowboys schlagen kein Zelt auf. Wie man in jedem guten Western sieht, legen sie sich den Sattel unters Haupt und wickeln sich unausgezogen in eine Pferde-Decke. Für Großstadtcowboys tut es auch eine Nacht auf der Parkbank. Dann wissen Sie, was Marky Mark und Prince Ital Joe meinten, als sie sangen: Life in the streets ain't easy. Quelle: dpa

Am Mittwoch ist Internationaler Männertag. Der wurde in Trinidad und Tobago 1999 eingeführt, doch mittlerweile begeht man ihn laut Wikipedia mit Uno-Unterstützung auch in den USA und vielen anderen Staaten.

Im Gegensatz zum Weltmännertag (unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow) geht es dabei nicht nur um die Gesundheitsprobleme der werten Herren, sondern auch um die Verbesserung des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern. Getreu dem Motto der Veranstalter: „Creating a better world!“

Am Arbeitsplatz gibt es in dieser Hinsicht noch viel zu tun. Auch dort gilt: Wenn gestritten und geschimpft wird, so tritt meist das Geschlecht in den Vordergrund. Man muss schon lange überlegen, um ein geschlechtsneutrales Schimpfwort zu finden. Interessanterweise taugt selbst das an und für sich geschlechterneutrale und im Neutrum deklinierte „A…loch“ nur zur Beschimpfung eines Mannes.

Aus der Malediktologie - der Wissenschaft des Schimpfens -, wissen wir: Die Beschimpfung wird mit wachsender Eskalation immer sexueller – erst recht, wenn Männer und Frauen sich gegenseitig beschimpfen. Da geht es meist um Geschlechtsteile und was man damit anstellt. In den besonders schimpfwortreichen Balkan-Sprachen geht es zum Beispiel mit Vorliebe um das Sexualleben der Mutter des Beschimpften. Beschimpften Frauen wird in der Regel besondere Promiskuität unterstellt. Eine männliche Version der „Schlampe“ ist dagegen unbekannt.

Frauen und Männer sind am Arbeitsplatz offenbar zu halbwegs gleichen Teilen Opfer von Beschimpfungen, wie eine aktuelle Meta-Studie des Psychiaters Stéphane Guay von der Universität Montreal in Kanada zeigt. In einem eher weiblich geprägten Berufsfeld wie dem Gesundheitssektor scheinen die wenigen Männer allerdings eher zum Opfer zu werden.

Dort erwarte man, dass „Männer eine beschützende Haltung gegenüber Frauen entwickeln, was sie wiederum selbst verwundbarer macht”, sagt Guay. Eine andere Erklärung könne sein, dass es gesellschaftlich akzeptierter sei, aggressiv gegenüber dem ‘stärkeren Geschlecht’ aufzutreten. Von Männern erwarte man eben, dass sie sich im Gegensatz zu den als verletzlicher geltenden Frauen schon zu wehren wissen. Die Mehrheit der Beleidiger ist allerdings offenbar stets männlich.

Die Ergebnisse all der von Guay betrachteten Einzelstudien ergeben zwar kein eindeutiges Bild eines Geschlecht als Opfer des anderen. Aber sie belegen doch überdeutlich: Wenn es um Beleidigungen geht, spielt das Geschlecht meist eine Hauptrolle. Geschlechterneutrale, geschweige denn geschlechtergerechte Beleidigungen sind fast nicht möglich.

Nun erfahren wir pünktlich zum Internationalen Männertag aber auch von der Universität Cornell in den USA, dass politisch korrekter, also geschlechtergerechter Sprachgebrauch Firmen kreativer mache.

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Jack Goncalo, ein Assistenzprofessor für „organizational behavior”, ließ geschlechtergemischte Gruppen bei einem Brainstorming Geschäftsideen sammeln. Und siehe da: Jene Gruppen, denen vorher gesagt wurde, sie sollten politisch korrekt sprechen und handeln, erzeugten angeblich mehr neue Ideen als diejenigen, denen man nichts sagte oder nur empfahl, höflich zu sein. Wenn es eine klare Vorgabe für das Verhalten in geschlechtergemischten Teams gebe, teilten Männer und Frauen eher ihre Einfälle, erklärt Goncalo dieses Ergebnis. 

Mit anderen Worten: Political Correctness zahlt sich aus! Zumindest wenn man glaubt, dass Brainstormings etwas mit Kreativität zu tun haben. Aber vielleicht lohnt es sich ja auch - wenn man meint, das Beschimpfen nicht sein lassen zu können -, dies wenigstens in geschlechtergerechter Sprache zu versuchen.

Das wäre mal eine kreative, zukunftsweisende Aufgabe für die Malediktologie, die innerhalb der Sprachwissenschaft bisher ein trauriges Schattendasein führt: Bei der Suche nach geschlechterneutralen Schimpfworten helfen die Kolleginnen und Kollegen von den Gender Studies sicher gerne mit Rat und Tat. Wenn es ein „Professorx“ geben kann, warum dann nicht auch eine Idiotx?

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