Jahreswechsel Lasst mich in Ruhe!

Terror, Tornados, Tränen – unser Kolumnist kann den Wahnsinn des täglichen Nachrichtenstroms nicht mehr ertragen. Er will seine Langeweile zurück.

Serdar Somuncu ist Kabarettist, Buchautor und Schauspieler. Quelle: Presse

Ich gehöre zu den Menschen, die sich immer vor einem Jahreswechsel vornehmen, etwas in ihrem Leben zu ändern. Nichts Wichtiges. Belangloses Zeug. Mal dies, mal das.

Denn eigentlich ist das ja Quatsch. Mir geht es blendend, und was ich bis zum Stichtag X nicht ändere, das wird auch danach nicht besser. Vor allem aber kommt mir die Zeit zwischen den Jahren und das anstehende unbefleckte, neue Jahr vor wie eine Gelegenheit, alles auf null zu stellen.

Diese guten Vorsätze hatten die Deutschen für 2016

Diesmal habe ich mir vorgenommen, mit niemanden mehr zu sprechen. Ich will nicht mehr erreichbar sein und ich möchte auch nichts mehr erreichen. Ich will einfach nur abwesend sein.

Solange wie möglich und ohne, dass sich jemand dafür interessiert.

Warum? Weil ich glaube, alles schon tausendmal gesagt zu haben und alles schon tausendmal gehört zu haben. Wenn ich spreche, komme ich mir mittlerweile vor, als würde ich mich verbrauchen.

Und das, was andere sprechen, brauche ich oft nicht zu hören: Der wärmste Winter seit Beginn der Messung, der Einzelhandel ist zufrieden, höchste Terrorwarnstufe, Fußball-EM, Deutschland sucht den Superstar, Dschungelcamp, Frühjahrsdiät, Jetzt Urlaub buchen, Messi wechselt zu Manchester - pass auf, dass du nichts vergisst.

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