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Jeff Jarvis Das Leben im Google-Zeitalter

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Das neue öffentliche Leben

Jeff Jarvis'

[Diese Form der] Öffentlichkeit bedeutet mehr, als nur eine Website zu betreiben. Es geht darum, öffentlich zu agieren, damit die Menschen sehen können, was man tut. [...] In der Öffentlichkeit zu stehen ist heute eine Frage aufgeklärten Selbstinteresses. Jedes Mal, wenn Sie entscheiden, etwas nicht öffentlich zu machen, gehen Sie das Risiko ein, dass ein Kunde Sie nicht findet oder Ihnen misstraut, weil Sie etwas zu verbergen haben.

Darüber hinaus ist Öffentlichkeit eine Tugend. Je öffentlicher Sie sind, desto einfacher sind Sie zu finden und desto mehr Chancen bekommen Sie. Ihre Kunden sind Ihre Werbeagentur.

Über ein Jahrhundert lang präsentierten Firmen ihr öffentliches Gesicht in Form von Werbung, Slogans, Markennamen und Logos. Wie viel besser wäre es hingegen, wenn das öffentliche Gesicht eines Unternehmens dem seiner Öffentlichkeit entspräche: zufriedene Kunden, die bereit sind, ihre Zufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, und Mitarbeiter, die eine unmittelbare Beziehung zu den Kunden pflegen. [...]

Manche Blogs haben mittlerweile mehr Datenverkehr und Links als die Websites großer Medienkonzerne. [...] Alle Weblogs zusammen erreichen heutzutage mehr Lesepublikum (laut Pew-Internet-and-American-Life-Studie 2006 bereits 57 Millionen) als die Tageszeitungen (laut Newspaper Association of America 50 Millionen Anfang 2008). Die Zwerge haben es allen gezeigt. Der Massenmarkt muss sich jetzt gegen Nischenprodukte behaupten. [...] Der Wendepunkt kritischer Masse im Wirtschaftsleben ist von Wolken- auf Augenhöhe gesunken.

Früher zählte für ein Ladenlokal [...] zuallererst: die Lage, die Lage, die Lage. Darüber hinaus brauchte man Startkapital, um den Anfangsbestand zu finanzieren, und Cash-Flow, um Mitarbeiter einzustellen und durch Werbung Kunden anzuziehen.

Heute erreicht man seine Kunden über eBay, Amazon, über Google (wo man kostengünstige und zielgerichtete Anzeigen schalten kann) und über die neuen Online-Marktplätze, die ein ausgefallenes und ausgesuchtes Sortiment bieten [...]. Man erwirtschaftet schneller Gewinn, denn man braucht weder Gebäude noch Lagerbestand und muss kein Vermögen in Marketing investieren.

Es gab Zeiten, da reichte das Schreiben kaum für den eigenen Lebensunterhalt. Es sei denn, man stand bei einem großen Verleger unter Vertrag, bei jemandem, der sich eigene Druckereien leisten konnte, weil er ein breites Publikum erreichte. Heute verdienen zahlreiche Autoren ihr Geld durch Bloggen.

Genug Geld? Nun, das hängt ganz von Ihnen ab. Es kann reichen für Ihr Webhosting, für ein oder zwei Mahlzeiten – oder einen angemessenen Lebensstandard.

Hier eine Kalkulation zum Wert meines Blogs Buzzmachine: Im Jahr 2007 erhielt ich durch Buzzmachine Werbeeinnahmen in Höhe von 13.855 Dollar (davon 4450 Dollar von Google). Dafür hätte ich meine geregelte Arbeit nicht aufgeben sollen, werden Sie jetzt sagen. Aber Buzzmachine verdanke ich, dass man mich als Professor für Journalismus an die City University der New York Graduate School of Journalism berufen hat (was mir eine beinahe sechsstellige Summe pro Jahr einbringt).

Darüber hinaus werde ich als Berater engagiert und halte Vorträge (bringt in guten Zeiten ein Mehrfaches ein), und ich bekam den Vertrag für dieses Buch (bringt etwa doppelt so viel ein wie die Vorträge). Mein Blog hat also innerhalb weniger Jahre einen siebenstelligen Wert erreicht.

Und hier meine Kosten: 327 Dollar pro Jahr für Deluxe-Webhosting.

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