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Jeff Jarvis Das Leben im Google-Zeitalter

Wie man das Internet für den eigenen Erfolg nutzt und warum manche Eltern bei der Namenssuche für ihre Kinder an Google denken, schreibt der Internetvordenker Jeff Jarvis in seinem Buch. Die WirtschaftsWoche veröffentlicht exklusiv vorab Auszüge.

Jeff Jarvis, Autor des vielbeachteten neuen Buchs

Es gab Zeiten, da führten alle Wege nach Rom. Heute führen alle Wege zu Google. Google bestimmt, wie Ihre Website auszusehen hat. Denn selbstverständlich brauchen Sie eine Website. Wer bräuchte die nicht?

Verstehen Sie Ihren Internetauftritt jedoch nicht als Ausgangspunkt zur Übermittlung Ihrer Botschaft. Legen Sie es nicht darauf an, Ihre Homepage möglichst originell zu gestalten. Zwingen Sie die Nutzer nicht, einem bestimmten Navigationspfad zu folgen (und bitte, spielen Sie keine Musik ab, wenn ich Ihre Homepage besuche). Viele [...] landen über Google bei Ihnen, nachdem sie eine Frage gestellt haben. Die Frage [für Sie dabei] lautet: Haben Sie die Antwort?

Von About.com, der ersten Medienfirma, die sich auf das Google-Zeitalter eingestellt hat, habe ich gelernt, die Suchanfragen bei Google zu beobachten. Denn der überwiegende Teil der Datenströme kommt von Google. Die Werbeeinnahmen stammen ebenfalls größtenteils von Google. About.com könnte ebenso gut eine Abteilung von Google sein, ist es aber nicht.

Das Unternehmen gehört zur New York Times-Gruppe, die es 2005 für 410 Millionen Dollar übernahm (und mich als Berater engagierte). Ich muss zugeben, damals stand ich der Übernahme skeptisch gegenüber, aber damit lag ich falsch. Heutzutage müssen Zeitungen sich auf dem neuen Markt behaupten, und da ist About.com einer der wenigen Lichtblicke in der Bilanz eines Zeitungskonzerns. [...] Die Texter werden geschult, [wie man] Schlagzeilen, Aufmacher, Titelzeilen oder Textpassagen um einen Schlüsselbegriff herum [konstruiert], damit Google erkennt, worum es in dem jeweiligen Artikel geht.

Die größte Belohnung ist das Google-Elixier

Die Autoren lernen ebenfalls, Suchanfragen zu kontrollieren. Stellen die Nutzer Fragen, auf die About.com keine Antworten geben kann, verfassen die Texter Artikel, um diese Fragen zu beantworten. Indem man das Suchverhalten beobachtet, lässt sich die Leserschicht bereits im Vorfeld erfassen. Anstatt zu fragen, was die Menschen gelesen haben, findet About.com heraus, was sie lesen möchten.

Wie durch Zauberhand erreichte die von About.com betriebene Suchmaschinen-Optimierung auch das Schwesterunternehmen New York Times. Die Redakteure schrieben die Schlagzeilen der gedruckten Ausgabe für das Internet um, damit Googles Computer sie leichter erfassen und ihnen mehr Datenverkehr schicken konnten. Die größte Belohnung, die die Times dafür erhielt, [war jedoch] das Google-Elixier.

Google-Elixier? Das ist der Zaubertrank, den Sie zu sich nehmen, sobald Google Ihnen mehr Wertschätzung erweist, weil die Welt Sie höher einschätzt: Je häufiger Links, Klicks oder die Erwähnung Ihres Namens zu Ihnen führen, desto höher steigen Sie in Googles Page Rank. Das wiederum gibt Ihnen die Möglichkeit, noch häufiger angeklickt zu werden.

Der Zwang zur Online-Präsenz

Kürzlich war ich mit meiner Familie in Urlaub und habe nach Restaurants gesucht. Ich zog nur die Restaurants in Betracht, die eine Website hatten, denn ich fand, die anderen könnten sich mehr Mühe geben. Hat man keine aktuelle Website, die Google aufstöbern, erfassen und den Usern präsentieren kann, ist das so, als hätte man kein Telefon oder kein Schild über der Eingangstür.

Das gilt besonders heute, wo es derart einfach ist, im Internet präsent zu sein. [...] Wenn ein Restaurant seine Tagesgerichte ins Netz stellen möchte, funktioniert das über ein freies Weblog-Tool wie Blogger, das zu Google gehört. Man kann Kunden ansprechen, indem man Anzeigen auf genau den Websites schaltet, die Menschen aus der näheren Umgebung sich ansehen – mithilfe von Google. Man kann sich auf Google Maps erfassen lassen und auch dort Anzeigen schalten.

Das Gleiche gilt für Sie als Person. Sie müssen unter den Suchergebnissen erscheinen. Ihr Lebenslauf sollte im Internet zu finden sein, denn man kann nie wissen, wann der nächste Job in Aussicht ist. [...] Wenn Sie heutzutage nicht über Google gefunden werden können, ist es beinahe so, als existierten Sie gar nicht.

Stellen Sie [also] sicher, dass jede noch so winzige Information über Sie, die jemanden interessieren könnte, im Internet zu finden ist. Gestalten Sie Ihre Informationsseiten so, dass sowohl Menschen als auch Maschinen in der Lage sind, sie zu verarbeiten. Kurz gesagt: Drücken Sie sich klar aus. Wenn Sie Zahnarzt sind, dann bezeichnen Sie sich auch als Zahnarzt und nicht als Doktor des Lächelns. Nennen Sie das Wort „Zahnarzt“ in der Überschrift Ihrer Homepage, in der Titelzeile und am Anfang Ihres Textes. Bringen Sie es so deutlich zum Ausdruck, dass noch nicht einmal ein Computer es missverstehen kann. Denn das bedeutet auch: Menschen, die Ihre Homepage besuchen, verstehen sofort, was Sie tun. Klarheit ist immer von Vorteil.

Verwenden Sie keine extravagante Technologie, um den Content Ihrer Homepage singen und tanzen zu lassen. Google könnte nicht viel damit anfangen (und die Leser wären irritiert). Gestalten Sie alles so schlicht wie möglich. Vergraben Sie Ihre Inhalte nicht in ausgefallenen Content-Management-Systemen, wo sie in Datenbanken abgelegt werden, die für Google unzugänglich sind.

Richten Sie für jedes Thema eine eigene Seite ein. Betreiben Sie ein Restaurant, sollten Sie eine Seite für Ihre Speisekarte und eine Seite für die Wegbeschreibung einrichten. Wenn ich dann nach „der Speisekarte von Jeffs Chop House“ suche, führt Google mich direkt zu der Seite mit Ihrer Speisekarte.

Wenn es irgendeinen Grund gibt, aus dem sich ein anderer Internetnutzer mit Ihnen verlinken möchte, machen Sie es ihm so leicht wie möglich. Existieren Sites oder Blogger, die sich mit den Restaurants in Ihrer Umgebung beschäftigen, machen Sie sie auf Ihre Website aufmerksam. Google wird Ihre Links bemerken und Ihnen ein paar edle Tropfen Google-Elixier zukommen lassen.

Inhalt
  • Das Leben im Google-Zeitalter
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