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Karriere Der Kritzelmeister von Google

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Dennis Hwang Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche

Eigentlich sieht der Sohn koreanischer Einwanderer seine Zukunft als freier Künstler, vielleicht als Animationsfilm-Zeichner. Doch dann gerät er in den Sog des Startups. Die Mitarbeiter der ersten Stunde glauben, mit ihrer Arbeit die Geschichte verändern zu können. Das fasziniert ihn. Hwang spürt in seinen ersten Wochen bei Google eine Arroganz, die jemand hat, der sicher ist, an etwas Großem mitzuarbeiten. Aber am meisten fasziniert ihn das Chaos. Nicht einmal 100 Angestellte beschäftigt Google in dieser Zeit. Aber jeder Einzelne hat so viele Ideen wie anderswo zehn Mitarbeiter. Und jeder arbeitet bis zum Umfallen daran, seine Ideen zu verwirklichen.

Dennis Hwang lässt sich von der Stimmung anstecken. Er legt den Gründern eigene Ideen für Doodles vor, weil ihm die Zulieferungen nicht gefallen. Und er bekommt seine Chance: Am 14. Juli 2000 erscheint das Logo französisch beflaggt zum Nationalfeiertag der Grande Nation. Sein Talent imponiert den Google-Erfindern. Und als er den Praktikanten-Schreibtisch räumt, bieten sie ihm an, als Webmaster und Kritzelmeister zu bleiben – mit gerade einmal 22 Jahren.

Es ist nicht das erste Mal, dass seine Arbeit in Erinnerung bleibt. Im ersten Semester hatte Hwang einen dreidimensionalen Animationsfilm gezeichnet – in den Neunzigerjahren war das noch Pionierarbeit. Sein ehemaliger Professor Marc Levoy zeigt den Film deswegen bis heute bei Vorlesungen als „außergewöhnliche Leistung“. Hwangs Arbeit sei „immer hervorragend und vor allem stilsicher“, sagt Levoy. Und was er nie vergessen werde, ist Hwangs intelligentes, gewinnendes Lächeln.

Handwerker, nicht Künstler

Dieses Lächeln wird von der Google-PR-Maschine nun auf der ganzen Welt vermarktet. Hwang leitet Zeichenwettbewerbe in Großbritannien oder Deutschland, bei denen Kinder das Google-Logo anmalen dürfen – die besten Kritzeleien stellt Google später für einen Tag ins Netz. Hwang besucht Schulklassen in den USA und zeigt in Youtube-Filmen, wie er Doodles auf seiner grauen elektronischen Zeichentafel mit Farbe füllt. Bei aller Spielerei, die Google-Strategen wissen genau: Je früher man die Marke im Leben eines Menschen verankert, desto wahrscheinlicher ist es, dass er ein Leben lang treu bleibt.

Designexperte Tumminelli sieht hier sogar ein unappetitliches „Eindringen in die Markenwelt von Kindern“.

Wahrscheinlich stimmt es sogar, wenn Hwang sagt, dass er begeistert ist davon, wie Google die Kreativität junger Menschen fördert. Und man glaubt ihm, dass er sich darüber wundert, dass Medien der ganzen Welt über ihn schreiben. Das zeige eben, „wie wichtig Google im Leben vieler Menschen ist“, sagt er. Hwang sieht sich als Handwerker im Dienste der Google-Idee. Nicht anecken, trotzdem kreativ sein und alles bonbonbunt und lustig – „googley“, wie man intern Dinge nennt, die gut zum Unternehmen passen. Doodles sind ein Spiegel der Unternehmenskultur und ein mächtiges Instrument.

Keine Zeit für Notfälle

Wenn das Logo für einen bestimmten Anlass verkleidet wird, verbergen sich dahinter immer auch Linklisten, passend zum Anlass. Als etwa der spanische Maler Joan Miró gefeiert wurde, rollte über dahinter liegende Seiten bei Ausstellungsstätten, Museen und Fan-Portalen eine Klick-Lawine, die manchen Server in die Knie zwang.

Um so eine Traffic-Flut auszulösen, braucht Hwang manchmal nur zehn Minuten. Einmal rief ihn ein australischer Google-Manager an. Der Mann hatte ein enorm wichtiges Pferderennen vergessen und bestellte kurzfristig ein Doodle. Das Problem: Das Rennen sollte in wenigen Minuten beginnen. Dennis Hwang rettete die Situation und lieferte binnen zehn Minuten einen Entwurf, der das Ereignis würdigte.

Doch Hwang hat eigentlich keine Zeit für solche Notfälle. Deswegen baut er gerade ein Team mit Grafikern auf, die hauptberuflich kritzeln sollen. Das Ziel ist, künftig noch mehr Doodles auf die Seite zu stellen. Längst nicht alle Doodles schafft Hwang in zehn Minuten, und besonders wenn es um den Geburtstag von Künstlern geht, braucht er mitunter einige Wochen.

Seinem Lieblingskünstler, dem amerikanischen Porträt-Maler John Singer Sargent, hat er noch kein Doodle gewidmet. Dafür aber dem italienischen Universaltalent Leonardo da Vinci, dessen vitruvianischen Menschen er in die Buchstaben einspannte, natürlich neben der schmunzelnden Mona Lisa. Kaum eine seiner Zeichnungen löste so viel Begeisterung aus.

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