WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Karriere Erfolgreich durch Fitness

Seite 2/2

Heiner Küpper trainiert mindestens einmal in der Woche zwei Stunden mit seiner Trainerin Heike Köpping. Doch der Direktor eines großen Beratungsunternehmens achtet auch auf Fitness und Beweglichkeit, wenn sein Coach nicht dabei ist: Während er telefoniert, bewegt er sich im Büro auf und ab – seinen Schreibtisch tauscht er regelmäßig mit dem Stehpult.

Trainer wie der Hamburger Georg Kramer empfehlen für ein Training zu Hause das sogenannte Thera-Band. Das ist ein etwa 180 Zentimeter langes Latexband, das auf Bauch-, Rücken-, Arm- und Beinmuskulatur wie ein Hanteltraining wirkt. Einfachste Übung: Man tritt auf die Mitte des Bandes, nimmt die Enden und schwingt oder zieht gegen beträchtlichen Widerstand. Für Kramers Coachee, den Schiffsmakler Jan-Ole Henning, gehören solche Übungen längst zum Alltag – aber nicht nur für ihn.

Mit solchen Bändern arbeitet auch der Fitnessberater der deutschen Fußballnationalmannschaft, Mark Verstegen. Er sagt, es sei besser, Bewegungen zu trainieren anstatt einzelne Körperteile, weil alles im Körper miteinander zusammenhängt.

Wie das wirkt, zeigt sich bei scheinbar einfachen Übungen: Verstegen empfiehlt, das Band um den Oberschenkel zu wickeln und dann kräftige Schritte zu machen. Dabei werden zahlreiche Muskelpartien beansprucht und gestärkt, von Schultern über Bauch bis in die Zehen.

Verstegens Fitnessprogramme führen mit einfachsten Hilfsmitteln zu Erfolgen, zudem seien sie nachhaltig und abwechslungsreich zugleich, sagt Personaltrainer Kramer. Einzige Voraussetzung: kontinuierliches Training. Und dazu sind immer mehr Manager bereit.

Ihr Hauptmotiv:  Sie wollen ihre Stress- und Krankheitsanfälligkeit verringern. 16 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass ihr gesundheitlicher Zustand besser sein könnte. Viele Manager werden von Rückenproblemen geplagt. Bandscheibenvorfälle seien ein häufiger Grund für seine Klienten, mit Ausgleichssport zu beginnen, sagt der Frankfurter Trainer Timm Knodel.

Manager im mittleren Alter und darüber trainieren, um die Gesundheit zu verbessern. Führungskräfte um die 35 Jahre dagegen suchen auch nach Wegen, schnell und gezielt abzunehmen. Sie wollen dynamisch, drahtig und ein bisschen asketisch » wirken – wie es dem aktuellen Gardemaß des zeitgenössischen Managers entspricht.

Mehr Sport ist nicht immer besser

Attraktivität ist oftmals sogar „wichtiger als persönliche Beziehungen“, sagt Sonja Bischoff, BWL-Professorin an der Uni Hamburg. Bischoff stellte in einer Studie fest, dass sich der Zusammenhang zwischen Aus- und Ansehen in den vergangenen 20 Jahren dramatisch verschoben hat — zugunsten des Äußeren. Motto: „Ich esse nicht, ich bin fit und arbeite.“

Schlanke Macher signalisieren die Kondition, einen stressigen Zwölf-Stunden-Tag durchzustehen. Der heutige Daimler-Chef Dieter Zetsche ließ schon vor 14 Jahren, damals war er Vertriebsvorstand, verkünden: „Ein fitter Vorgesetzter motiviert sein Team und nimmt seine Vorbildfunktion bewusst wahr.“ Ein Projekt, das er damals anschob und an dessen Mission er sich bis heute hält, hieß „Fit zum Führen“. Zetsche schwimmt, reitet und segelt.

Ob für bessere Gesundheit oder besseres Aussehen: Das Training hat immer angenehme Nebeneffekte. Durch Fitness wird „das subjektive Wohlbefinden gefördert“, sagt der österreichische Sportmediziner Michael Rauchenwald. Zudem werde das Selbstwertgefühl gesteigert, Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress verbessert und ein erholsamer Schlaf begünstigt. Wer fit ist, wirke nach innen oft ausgeruhter und gelassener, nach außen wacher und ausgeschlafener.

arum das so ist, haben unter anderem Studien der Mayo-Klinik in Rochester im US-amerikanischen Staat Minnesota gezeigt. Die Sauerstoffzufuhr durch Fitnesstraining erhöht im Gehirn die Anzahl bestimmter Neurotransmitter, die für angenehme Gefühle zuständig sind. Bewegung ist zudem „eine wirksame Strategie gegen Depressionen“, sagt die Mayo-Psychologin Kristin Vickers Douglas.

Nicht zuletzt, weil Ausdauertraining Endorphine freisetzt und zugleich das Stresshormon Cortisol reduziert. Vermutlich spielen alle diese Faktoren zusammen, wenn Ausdauersportler den berühmten „runner’s high“ erreichen – das kurze und höchst seltene Gefühl, auf Wolke sieben zu joggen, irgendwo zwischen wunderbarem Sex und millionenschwerem Lottogewinn zu schweben.

Doch mehr Sport ist nicht immer besser. Leichtathlet und Sportarzt Thomas Wessinghage warnt davor, sich mit übersteigertem Ehrgeiz unter Druck zu setzen. Viel wichtiger sei zu dokumentieren, wie man langsam sein Pensum erhöht.

Anfänger, die sich auf den ersten Marathon vorbereiten, beginnen ihr Vorbereitungsjahr etwa dreimal wöchentlich mit langsamen und kurzen Läufen, maximal fünf Kilometer, die durch Geh-Intervalle unterbrochen werden. Nach und nach soll die Trainingsstrecke auf zehn Kilometer ausgedehnt werden – vier- bis fünfmal wöchentlich. Erst ein halbes Jahr vor dem Marathon kommen immer mal wieder längere Läufe hinzu, um den Körper auf die Strapazen des Marathons einzustimmen.

Aber auch jenseits des Fitnesstrends Marathon strampeln sich die Führungskräfte ab. Manager wie Matthias Leclerc, COO Corporates Markets der DekaBank, streifen sich nach Feierabend regelmäßig Boxhandschuhe über. Boxen ist wohl das kompletteste Fitnessprogramm: In keiner anderen Sportart werden Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Konzentration zur gleichen Zeit intensiver trainiert. Eine perfekte Ergänzung für Menschen, die in ihrem Alltag unter hohem Druck stehen, schnelle Entscheidung zu treffen, die Dutzende Themen zur gleichen Zeit behandeln müssen und die bei alledem noch eine gute Figur machen sollen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%