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Karriere Karrierefaktor Sex

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Die Serie

Wenn alles gut läuft, besteht zwischen der neuen Lebens- und Karrierelust eine Wechselwirkung. „Ein toller Job macht selbstbewusst. Man traut sich dann einfach mehr, auf Männer zuzugehen“, sagten zum Beispiel 59 Prozent von 1023 befragten Business-Frauen mit einem Jahreseinkommen ab 50.000 Euro in einer Umfrage der Frauenzeitschrift „Amica“. Für jede vierte Befragte hatte der berufliche Erfolg noch konkretere Folgen: „Seit ich Karriere gemacht habe, habe ich besseren Sex.“

Die umgekehrte Rechnung – mehr Sex gleich steilere Karriere – geht allerdings nicht auf. Ein direktes Ursache-Wirkung-Prinzip besteht hierbei nicht. Dazu sind die biochemischen Vorgänge, die im Körper beim Sex ablaufen, zu komplex und die Unterschiede, wie weibliche und männliche Sexualität erlebt werden, zu groß.

Allerdings geben neue interdisziplinäre Forschungen in den Neurowissenschaften, der Psychologie und der Neurobiologie Hinweise darauf, wie das Zusammenspiel beim Sex funktioniert und wie dies die Karriere stimulieren kann.

Stuart Brody, Psychologieprofessor an der westschottischen Universität von Paisley, konnte zum Beispiel nachweisen, dass Sex beruflichen Druck erträglicher macht. Wer zuvor mit einem Partner geschlafen hatte, war hernach deutlich stressresistenter, der Blutdruck normalisierte sich schneller und er konnte sogar unbefangener vor einem großen Publikum auftreten.

Brody vermutet, dass die beruhigende Wirkung durch das Hormon Oxytocin hervorgerufen wird. Der Botenstoff, auch Kuschelhormon genannt, wird im Körper bei zärtlichen Berührungen und beim Geschlechtsverkehr freigesetzt und hat sowohl eine euphorisierende als auch beruhigende Wirkung, die Vertrauen schafft.

Sex macht mutig

Gordon Gallup, Psychologe an der State University of New York in Albany, wiederum hat herausgefunden, dass im Ejakulat des Mannes psychisch wirksame Hormone enthalten sind, die über die Vagina der Frau aufgenommen werden und so ihr Gefühlsleben positiv beeinflussen. Möglicherweise handelt es sich dabei um Östrogene, Östrogenmetaboliten und Prostaglandine, von denen heute bekannt ist, dass sie Depressionen mildern können.

Auch das gilt inzwischen als gesichert: Sexuell aktive Frauen und Männer leben in der Regel länger – unter anderem, weil das Risiko, an Krebs zu erkranken, geringer ist, wie zum Beispiel Carl Charnetski vom Department of Psychology an der Wilkes-Universität ermittelt hat. Sein Kollege David Weeks, klinischer Neuropsychologe am Royal Edinburgh Hospital, veröffentlichte eine Studie, die zeigt, dass Männer und Frauen, die durchschnittlich viermal Sex in der Woche haben, zehn Jahre jünger wirken, als sie in Wahrheit sind.

Mit immer aufwendigeren Methoden will inzwischen auch die Hirnforschung dem direkten Zusammenhang von Sex und Erfolg auf die Spur kommen, auch wenn manche Studien noch mit wenig Probanden auskommen müssen. In einer jetzt im „Neuroreport“ veröffentlichten Studie haben die Finanzprofessorin Camelia Kuhnen von der Finance Kellogg School of Management und der Psychologe Brian Knutson von der Stanford-Universität herausgefunden, dass erotische Stimulation die Risikobereitschaft beeinflusst. Kurz: Sex macht mutiger.

Entscheidend dabei ist offenbar der sogenannte Nucleus accumbens. Dieses Hirnareal spielt eine entscheidende Rolle im Belohnungssystem des Gehirns. Junge Männer, die erotische Frauenbilder zu sehen bekamen, entschieden sich anschließend für risikoreichere Züge in einem Wettspiel. Wurden ihnen hingegen Schlangen oder Spinnen gezeigt, konnte keine Reaktion des Nucleus accumbens festgestellt werden.

Hans-Georg Häusel, Psychologe und Vorstandsmitglied des Beratungsunternehmens Nymphenburg, ist sogar überzeugt, dass es hormonelle Gründe habe, wenn Männer eher als Frauen Karriere machen. „Je höher der Testosteronspiegel in unserem Blut“, erklärt Häusel, „desto höher sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Wille zur Macht und die Lust am Kampf.“

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