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Werden Sie schlagfertig mit einer einzigen Regel

„Die beste Idee kommt mir immer erst später“ – das Gefühl, im entscheidenden Moment mit angezogener Handbremse zu reden, kriegen Sie weg. Mit neuer Haltung. Für überzeugende Reaktionen auf unvorhergesehene Situationen.

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In vielen Ratgebern zum Thema Schlagfertigkeit werden Sie den legendären Dialog mit Winston Churchill lesen. Eine Frau soll zu ihm gesagt haben: „Wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich Ihren Tee vergiften.“ Daraufhin Churchill: „Und wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich ihn trinken.“

Das ist lustig und ein klares 1:0 für den früheren britischen Premierminister. Der Satz vermittelt denjenigen, die mehr Schlagfertigkeit erlernen wollen, zudem den Eindruck:
1. Der Schlagfertigere gewinnt.
2. Schlagfertigkeit ist Ausdruck eines intelligenten Humors.

Auch in dieser Kolumne hier konnten Sie schon Tipps für mehr Schlagfertigkeit in rhetorischen „Notlagen“ lesen, in denen es darum geht, bei provokanten Anwürfen sein eigenes Gesicht zu wahren und elegant zu kontern. Oft geht es hier um Verbal-Fechten im Humorvollen. Eben wie beim Churchill-Beispiel, das genau genommen ein Austausch von Frechheiten ist.

Spontane Querschüsse parieren

Hier soll es jetzt um das gehen, was Schlagfertigkeit generell ist: der souveräne rhetorische Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen. Und zwar so, dass Ihr Gegenüber, die Anwesenden im Konferenzraum oder sogar alle im Publikum unten im Saal vor Ihnen den Eindruck bekommen: Sie lassen sich durch spontane Querschüsse welcher Art auch immer nicht aus dem Konzept bringen. Und haben sogar Ihre Freude dran.

Wie geht das? Ich behaupte: mit nur einer Regel. Und mache es für Sie noch ein bisschen spannend.

Denn als erstes sollten Sie sich fragen: In welchen Situationen wären Sie denn gerne schlagfertiger? Vielleicht ja in diesen:

  • Sie stehen vorne, präsentieren ein Ihnen wichtiges Projekt und plötzlich verlieren Sie kurz den Faden, denken erschrocken darüber nach, wie Sie gerade aus dem Konzept geraten und genau deshalb ist plötzlich alles weg – zugunsten der Angst, gerade einen veritablen Blackout zu erleben.
  • Sie werden gebeten, zu einem Thema Stellung zu beziehen, haben aber das Gefühl, kaum Ahnung von der Sache zu haben.
  • Sie kippen sich während einer Podiumsdiskussion vor aller Leute Augen Kaffee über das weiße Shirt.
  • Jemand versucht unterschwellig, Sie im Gespräch vor anderen als inkompetent dastehen zu lassen.

In all diesen Fällen werden Sie sich fragen: „Wie reagiere ich denn jetzt bloß am besten?“ Und haben für die Antwort nicht allzu viel Zeit. Deshalb wäre es am einfachsten, Sie würden nach einer allgemein gültigen Maxime verfahren, die immer sofort zur Hand ist.

Erster Reflex: „Welche Fakten habe ich dazu drauf?“

Die gibt es. In Seminaren lässt sie sich gut herausfinden. Und Sie können das zuhause oder im Kreis der Kolleginnen und Kollegen wunderbar ausprobieren. Stellen Sie sich vor, Sie werden gebeten, „aus der Hüfte“ spontan mal eben etwas zu erzählen über:

das Bundesverfassungsgericht.

Wenn Sie Bundesrichterin sind, werden Sie jetzt denken: Danke, das wird leicht. Aber sonst?

In dieser Sekunde, in der Sie das jetzt gerade lesen, haben Sie bereits eine Beziehung zu diesem Thema. Egal, welche. Da müssen Sie gar nichts veranlassen. Irgendetwas denken Sie darüber und fühlen etwas dazu. Und was?

Der erste Reflex, den die meisten von uns haben, ist der, sich zu fragen: „Welche Fakten habe ich dazu drauf?“ Weil wir das in der Schule so gelernt haben: Die richtige Antwort ist die, die der Fragesteller hören will. Und da ging es damals in der Schule in vielen Fällen um objektiv nachprüfbares Wissen. Das BVerfG: Stellung im Gefüge der staatlichen Gewalten, Gründung, namhafte Vorsitzende und so weiter. Wenn Sie das nicht drauf haben, aber in diesen Kategorien antworten wollen, dann gute Nacht.

Lesen Sie auch: So improvisieren Sie ohne Angst vorm Vergessen

Wenn Sie sich nur fragen, was der Fragesteller wohl gerne hören möchte, begehen Sie einen verheerenden Irrtum. Denn im dümmsten Fall stehen Sie mit leeren Händen da. Unnötig!

Jetzt kommt nämlich Ihre Schlagfertigkeits-Maxime ins Spiel, damit Sie in Ihrem Sinne – und nicht im Sinne des Anderen – antworten können: In den Fällen, in denen es kein Richtig und Falsch gibt, ist jene Antwort die beste, mit der sie am besten überzeugen. Alles ist drin. Wie nutzen Sie also diese Freiheit, Ihre Antwort flexibel aussuchen zu können, am besten? Indem Sie die eine Regel befolgen: Sagen Sie die Wahrheit.

Diese Regel ist unglaublich befreiend. Suchen Sie nicht aufwendig nach Tricks, wie Sie die eigentliche Lage überspielen können. Das frisst Energie, erfordert schauspielerisches Talent, macht Sie unsicher und lässt Sie bemüht oder sogar peinlich berührt wirken.

Nehmen Sie sich selbstbewusst die Freiheit zu sagen, wie es wirklich ist. Wenn Sie sich diese Freiheit nehmen, können Sie sich allein auf das konzentrieren, was Sie drauf haben, anstatt darauf, was Sie gerne drauf hätten und wie Sie das vorspiegeln könnten.

In unserem Beispiel mit dem Bundesverfassungsgericht sprechen Sie zum Beispiel von Ihrem guten Gefühl, dass wir eine unabhängige Justiz haben, oder über Ihren Eindruck, dass die Richterinnen und Richter unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahren mehr verändert haben als die Politik. Oder, dass es Ihnen völlig reicht zu wissen, dass der Rechtsstaat irgendwie funktioniert. Auch, wenn Sie nicht überblicken, wie. Oder, dass Sie schon einmal in Karlsruhe waren. Oder dass Sie über eine bestimmte Entscheidung des Gerichts erleichtert waren. Irgendeine Beziehung zum Thema haben Sie. Sprechen Sie darüber. Egal, ob die anderen das so erwartet haben.

Wenn Sie Zeit zum Nachdenken brauchen, sagen Sie es: „Oh, die Frage überrascht mich. Lassen Sie mich kurz überlegen.“

Ehrlich sagen, was ist

Und dann denken Sie laut und ehrlich, damit die anderen mitkriegen, was in Ihnen vorgeht: „Bundesverfassungsgericht. Gute Frage. Ich bin kein Jurist. Hmm. Wofür würde ich bis nach Karlsruhe ziehen?“ Und so weiter. Dann entstehen keine überlangen Schweigepausen.

Ehrlich sagen, was ist. Genau diese Haltung hilft Ihnen in praktisch jeder Konstellation.

Sie kippen sich vor Publikum Kaffee übers Hemd. Durchwühlen Sie Ihr Hirn nicht nach der einen genialen, witzigen Einlassung dazu. Sagen Sie die Wahrheit. Was denken Sie? Vielleicht: „Ich hoffe, Sie hören mir trotzdem noch zu“ oder „Bitte blicken Sie mir ab jetzt nur noch in die Augen, nicht mehr auf das Hemd“ oder „Jetzt ist mir doch tatsächlich genau das passiert, wovor ich seit Jahren Angst hatte“.

Sie verlieren den Faden in der Präsi. Sagen Sie, wie es ist: „Jetzt bin ich gerade komplett raus. Geben Sie mir dreißig Sekunden. Gucken Sie dabei gerne aus dem Fenster und starren Sie mich besser nicht an.“

Denn wie wirkt das? Aufrichtig. Und deshalb souverän. Weil Sie sich die Wahrheit leisten können.

Und genau dieser ehrliche Angang hilft Ihnen auch in vielen Fällen von rhetorischen Angriffen durch Ihr Gegenüber. Perfide sind die dann, wenn sie so hauchzart daher kommen, dass wir als die Angegriffenen davor zurückschrecken, darauf mit offenem Visier einzugehen. Doch das kann schwach wirken.

Insbesondere ironische Anmerkungen sind ein beliebtes Mittel der Attacke: „Oh, sogar Michael hat pünktlich die Ergebnisse seiner Abteilung parat. Ich hoffe sehr, dein Elan hat dir gesundheitlich nicht geschadet, Michi.“ Mit solchen Bemerkungen ernten die Redner oft Gelächter bei Dritten. Tenor: War doch nur ein Scherz und wir haben doch alle Humor. Aber die Kritik an Michael, ständig unpünktlich zu sein, sitzt. Sie könnten als Michael jetzt versuchen, auf derselben (ironischen) Ebene das Spiel mitzuspielen: „Ich hole den Schlaf in deinen Konferenzen nach.“ Aber das kostet Energie und provoziert (siehe Churchill).

Seien Sie ehrlich und entlarven Sie das Spiel: „Ich höre durch deine ironische Begeisterung den Vorwurf raus, ich sei sonst oft zu spät dran. Das sollten wir unter vier Augen besprechen, denn das höre ich nicht gerne. Und schon gar nicht vor den anderen.“

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Was aber, wenn Sie jemand zu einer Sache um Ihre Einschätzung bittet und Sie merken: Das MUSS ich wissen, aber ich habe es absolut nicht drauf? Weil Sie etwa den Fehler gemacht haben, sich schlecht vorzubereiten. Ja, was bleibt Ihnen da? Das Prinzip, offen die Wahrheit zu sagen, rettet Sie nicht vor jeder inhaltlichen Lücke. Wohl aber davor, sich durch Ihre Rhetorik noch weiter in die Blamage reinzureiten. Sagen Sie frei die Wahrheit heraus: „Es tut mir leid. Ich müsste es wissen, aber ich weiß es nicht. Mein Fehler.“

Die Situation mag peinlich sein, aber was Sie sagen, ist souverän. Das ist Schlagfertigkeit selbst in einem dunklen Moment. Die anderen werden das anerkennen.

In seiner Kolumne gibt Marcus Werner Tipps für Ihren Berufsaufstieg. Ob Rhetorik, Präsentationen oder Körperhaltung: wie Sie den Büroalltag überstehen und im Job vorankommen. Hier finden Sie alle bereits erschienenen Texte.

Transparenzhinweis: Der Artikel wurde im April 2022 erstmals veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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