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Knigge-Nachfahre "Ich habe nie etwas von steifen Regeln gehalten"

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Und was ist mit anderen Kulturkreisen, wo ohne Korruption einfach nichts geht. Ist es den ethisch verwerflich, wenn man sich den örtlichen Gepflogenheiten anpasst?

Korruption ist illegal und kriminell. Wenn keine Unternehmen darauf eingehen würden müssten sich diese Länder darauf einstellen. Sie sollten das nun wirklich nicht mit kulturellen Eigenarten in der Etikette vergleichen.

Die Zeiten sind wirtschaftlich sehr schlecht, viele Unternehmen sparen und entlassen Mitarbeiter. Wird dadurch nicht gute Unternehmensführung weiter vernachlässigt?

Wir hören oft, dass ist ein Sahnehäubchen, das man sich leistet, wenn es gut läuft. Es ist schade, dass Menschen so denken. Viele sehen Wirtschaft und Ethik als zwei völlig unterschiedliche Sphären und begreifen nicht, dass beides ineinander greift.

Auch viele Mitarbeiter kämpfen darum, ihre Position im Unternehmen zu retten. Auch da sind doch egoistisches Handeln und Ellenbogenmentalität wieder stärker gefragt.

Das stimmt, aber es ist schade. Ich kann nur an jede Unternehmensführung appellieren: lasst das nicht zu! Doch die Geschäftsführer unterbinden es nicht. Vielleicht weil sie meinen, dass sie selbst so hoch gekommen sind?

Gehört ein gesunder Konkurrenzkampf nicht zum Leben dazu?

Natürlich gibt es Menschen, die charakterlich härter und andere, die sensibler sind. Doch die Sensiblen sollten auch sagen, wenn Ihnen etwas nicht passt. Da wird zu schnell der Schwanz eingezogen. Wenn sie vernünftige Dinge antworten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass reagiert wird, recht groß. Die meisten sind aber schnell eingeschnappt und denken sich nur ihren Teil.

Bei der Entstehung der Finanzkrise wird manchen Managern verantwortungsloses Handeln vorgeworfen, sehen Sie das auch so?

Das hat eine große Rolle gespielt. Doch jetzt werden gierige Banker als Buhmänner dargestellt. Dass wir über Jahre unser Geld bei denen angelegt und uns über die Gewinne gefreut haben, darüber redet keiner.

Der Politik hat es gefallen und sie hat dazu beigetragen, dass bestimmte Hürden gefallen sind, doch Schuld sind nur die bösen Banker.

Und wenn Gewerkschafter gegen die Abwanderung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer demonstrieren und sich danach einen DVD-Player für 30 Euro kaufen, fehlt dort die Konsistenz. Viele machen es sich bei ihrem Handeln zu einfach.

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