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Konkurrenzkampf Kampf im Büro: Wie sie ihre Kollegen überleben

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Illustration Ring Kampf eröffnet

Ruinöser Wettbewerb entsteht, wenn die Konkurrenzkämpfe ausarten. Und genau das kann in Krisenzeiten leicht passieren. Nur etwa jede siebte Führungskraft hegt laut der Stepstone-Umfrage die Hoffnung, dass die Krise ihn und seine Kollegen zusammenschweißen wird – damit sind die Deutschen pessimistischer als die meisten anderen Beschäftigten aus aller Welt. Folge: Im Kampf um gefährdete Projekte, knappe Mittel und den eigenen Job fahren die Kollegen die Ellbogen aus, attackieren und schikanieren sich gegenseitig. 

Im Extremfall wird aus Wettkampf sogar Mobbing – mit dem Ziel, Kollegen um jeden Preis loszuwerden, nur um den eigenen Job zu retten. 

Seelsorge für Führungskräfte

So wie im Fall von Sven Jötten. Als die Attacken seines Chefs immer härter werden, er ihm vor versammelter Mannschaft jegliche Kompetenz abspricht und bei einem zufälligen Treffen auf der Toilette nahelegt, das Unternehmen besser zu verlassen – da greift Jötten zum Telefon. Der 46-Jährige wählt die Nummer der Frankfurter Fairness-Stiftung, die eine Telefon-Beratung für Führungskräfte anbietet. 

Bei den Beratern der Fairness-Stiftung melden sich derzeit deutlich mehr Führungskräfte als sonst, sagt Norbert Copray, der Direktor der Stiftung. Bereichsleiter, die sich von Kollegen ausgestochen fühlen, rufen ebenso an wie Vorstände, die sich untereinander bekriegen. Oder Führungskräfte, denen die eigenen Mitarbeiter in den Rücken fallen. 

„Die Hälfte dieser Fälle lässt sich auf Konkurrenzsituationen zurückführen“, sagt Copray, „nicht selten steckt die Absicht dahinter, Widersacher aus dem Unternehmen zu drängen, ohne eine Abfindung zahlen zu müssen.“

Auch Unternehmen leiden unter den Gefechten

Die Betroffenen gehen aus einem solchen Kampf fast immer mit schweren Blessuren heraus: Stress, Gesundheitsprobleme, Burnout-Syndrom. Sven Jötten etwa bereitet der anhaltende Kleinkrieg bereits schlaflose Nächte und Magenprobleme. Und obwohl es in der Flaute weniger Arbeit für ihn gibt, verbringt er mehr Zeit im Büro – er muss sich schließlich im verschärften Wettbewerb behaupten.

Nicht nur die Beschäftigten leiden unter den Gefechten, sondern auch das Unternehmen. Der Kölner Psychologie-Professor und Coach Jörg Fengler hat die Erfahrung gemacht, dass überbordender Wettbewerb fortschrittliche Ideen zunichte macht. Wenn ein Mitarbeiter einen guten Einfall hat, stimmen die Kollegen schon deswegen dagegen, weil der von einem Rivalen stammt. Andere geben Informationen gar nicht mehr oder nur verfälscht weiter, weil sie damit Mitarbeiter gezielt ins Messer laufen lassen wollen.

Solche Kleinkriege können sich auf ganze Abteilungen ausweiten, sagt Fengler, und berichtet von einem Autohaus, in dem das Verkaufspersonal und die Mitarbeiter der Verwaltung so stark miteinander konkurrierten, bis letztere anfingen, die Prämienzahlungen für die Verkäufer hinauszuzögern. Die schworen prompt Rache und drohten, nichts mehr zu verkauften. Wäre der Konflikt weiter eskaliert, hätte das Autohaus nicht überlebt.

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