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Konkurrenzkampf Kampf im Büro: Wie sie ihre Kollegen überleben

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Illustration Ringkampf Trophäe

Ähnliche Grabenkämpfe hat die Psychologin Nicola Beelitz von Busse beobachtet, die sich auf das Training von Führungskräften und Teams spezialisiert hat: Obwohl die Ingenieure eines Konzerns ein aussichtsreiches Produkt entwickelt hatten, wurde es von den Vertriebsmitarbeitern nicht auf den Markt gebracht – nur, weil der Futterneid zwischen den Abteilungen zu groß war. 

Als Lose-lose-Situation bezeichnen Experten das, wenn alle unterm Strich schlechter dastehen – auch diejenigen, die sich kurzfristig gegenüber ihrem Konkurrenten besser stellen konnten. Das Gegenteil ist die sogenannte Win-win-Situation: Ein Wettbewerb, der alle Beschäftigten begünstigt – weil er zugleich Anreize setzt, zu kooperieren.

Ohne diese Anreize geht es nicht, da sind sich die Fachleute einig. „Es wäre Sozialromantik, an den Altruismus oder die Solidarität der Beteiligten zu appellieren“, sagt der Dortmunder Organisationspsychologe Michael Kastner, „wir müssen uns klar darüber sein, dass Menschen Egoisten sind.“ 

Zusammenarbeit lohnenswert machen

Damit Kooperation trotzdem funktioniert, muss sie sich für den Einzelnen mehr lohnen als purer Egoismus. Die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen muss Teil der persönlichen Gewinnmaximierung werden. Kastner hat für dieses symbiotische Verhalten einen Begriff entwickelt: den Syn-Egoismus.

Vor der Aufgabe, Gruppenerfolg und Eigennutz zu verschmelzen, steht fast jeder. Ob in Orchestern oder in Banken, auf Sportplätzen oder in Marketingabteilungen: Menschen arbeiten heute mehr denn je in Teams. Videokonferenzen per Internet erlauben es heutzutage sogar, dass sich Kollegen aus ganz verschiedenen Erdteilen und Kulturkreisen in Projektgruppen zusammentun. Niemand muss mehr alleine arbeiten.

Und das ist gut so: Wenn sie funktionieren, erzielen Teams oft bessere Ergebnisse als Einzelkämpfer – insbesondere bei » schwierigen Aufgaben. Studien belegen das: So hat etwa der Innsbrucker Ökonom Matthias Sutter in einem Experiment nachgewiesen, dass Teams weniger Fehler machen, strategischer entscheiden und komplexe Probleme besser lösen als Einzelkämpfer. Untersuchungen der US-Forscher David Cooper und John Kagel zeigen außerdem, dass Gruppen oftmals flexibler als Einzelne reagieren, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Für Forscher Sutter ist klar: „Drei Köpfe sind oft besser als einer.“

Doch jeder Teamspieler steht vor dem Dilemma, zu kooperieren, während er zugleich mit den anderen mehr oder weniger stark konkurriert. Wie in einer Fußballmannschaft, in der alle Spieler um die elf Positionen in der Startaufstellung wetteifern, aber am Ende nur gemeinsam den Titel erobern können.

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