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Konkurrenzkampf Kampf im Büro: Wie sie ihre Kollegen überleben

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Kollegen arbeiten miteinander Quelle: dpa-tmn

Es ist ein Drahtseilakt, Kooperation und Konkurrenz in Einklang zu bringen: Jeder Schritt zu weit in die eine oder andere Richtung kann den Absturz bedeuten. 

Ein gutes Beispiel dafür lieferten die vergangenen Wahlen in den USA: Die beiden Demokraten Hillary Clinton und Barack Obama lieferten sich einen erbitterten Kampf um die Präsidentschaftskandidatur, obwohl sie der gleichen Partei angehören. Bei aller Rivalität mussten sie darauf achten, die Wähler nicht den Republikanern in die Arme zu treiben – das hätte beiden geschadet. Heute scheint der Wettstreit vergessen: Nachdem Obama die Wahlen gewonnen hatte, ernannte er Clinton zu seiner Außenministerin. 

Die Balance zu halten wird dann besonders schwierig, wenn von einer Seite plötzlich harter Wind aufkommt. Oder gar ein Orkan – wie viele Beschäftigte die aktuelle Wirtschaftskrise und die Angst vor dem Jobverlust vermutlich empfinden. „Viele Führungskräfte unterschätzen dieses Problem“, sagt US-Forscher Hackman, „obwohl sie im Arbeitsalltag permanent auf Teams setzen.“

Wettbewerb lenken und thematisieren

Um für mehr Kooperation zu sorgen, ist es zunächst wichtig, den Wettbewerb in geordnete Bahnen zu lenken und zu thematisieren, denn Konflikte entstehen vor allem dann, wenn verdeckt und hinterrücks gestritten wird. Idealerweise sollten sich die Kollegen, die zusammenarbeiten, ergänzen und gemeinsam ein anspruchsvolles Ziel verfolgen, hat Hackman festgestellt. Auch Belohnungen für gemeinschaftlich errungene Erfolge oder Lob für das Team sorgen für mehr Kooperation. 

Mitunter ist es außerdem sinnvoll, gezielt gemeinsame Rituale und Erlebnisse zu fördern, glaubt der Psychologe und Team-Coach Udo Haeske. Wer regelmäßig miteinander zu Mittag isst oder ab und zu Bowlen geht, kooperiert wahrscheinlich besser. Agenturen haben den Bedarf für solche Erlebnisse erkannt und organisieren Events, die Mitarbeiter zusammenschweißen sollen – vom Segelturn bis zum „Zero-Gravity-Flug“ mehrere Tausend Meter über dem Erdboden, bei dem alle Teilnehmer für ein paar Sekunden in der Schwerelosigkeit den gleichen Nervenkitzel erleben. Allerdings ist das teuer und die Wirkung kann verpuffen, wenn sich daran keine regelmäßigen Aktionen anschließen.

Ohnehin ist es für solche Kicks zu spät, wenn Konflikte erst einmal eskaliert sind und jeder Angriff einen noch heftigeren Rückschlag nach sich zieht. Einen solchen Mehr-Fronten-Krieg können nur noch Vermittler entwirren, die ins bisherige Geschehen nicht involviert waren. Mediatoren wie Bernhard Vierling von der Beraterfirma Consultingart & Friends. 

Wenn Vierling ins Krisengebiet gerufen wird, versucht er erst mal, auf dem verminten Gelände eine entmilitarisierte Zone aufzubauen: ein Büro mit dem Namen „No Man’s Land“. In dem müssen die zerstrittenen Parteien ihre verbalen Waffen abgeben, Konflikte benennen und in direkten Gesprächen klären. Das kann dauern. Vierling erlebte schon Friedensgespräche, die sich über zehn Monate zogen, weil zwei Abteilungsleiter darum konkurrierten, wer der „Oberboss“ wird. Darüber hatten sich schließlich auch ihre Belegschaften hemmungslos zerstritten. „Das hat dem Unternehmen so sehr geschadet“, sagt Vierling, „dass es günstiger war, einen Prozessberater zu engagieren, als weiter zuzusehen.“ 

Am Ende lagen sich die beiden Kriegstreiber in den Armen. Und die Beschäftigten malten ein großes Bild, das heute im Foyer des Unternehmens hängt – als Symbol für den Frieden. Und als Mahnung, bei allem Wettbewerb die Kooperation nicht zu vergessen.

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